Der Traum DAKAR: Interview mit Ellen Lohr

Geschrieben von am 26. Februar 2020 in Allgemein, Sportstudio

An der Dakar teilnehmen? Ein Traum vieler Offroadfans und nach unseren Recherchen gar nicht mal so unmöglich. Wir sprachen vor Ort in Saudi-Arabien mit Rennfahrerin Ellen Lohr, auf was es ankommt am neuen Veranstaltungsort.

Ellen fuhr in der Formel 3 gegen Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen, nahm am 24h-Rennen auf dem Nürburgring teil und startete später mehrfach bei der Rally Dakar. Sie war als Berichterstatterin auf verschiedenen Dakars unterwegs und sammelte so tiefe Eindrücke von den verschiedenen Veranstaltungen. Quadwelt traf sie am Rande der Rallye.

Mittendrin statt nur dabei: Die erfahrene Rallye-Pilotin Ellen Lohr im Interview.

Quadwelt:
Wie wirkt sich der Veranstaltungsort Saudi-Arabien auf die Entwicklung der Dakar aus und wie unterscheidet sie sich in diesem Jahr von den bisherigen Ausgaben?

Ellen Lohr:
Für die Marke „Dakar“ kommt es eigentlich nicht darauf an, in welchem land sie ausgetragen wird. Es kommt drauf an, dass es die härteste Rallye der Welt bleibt. Es ist völlig egal, wo gefahren wird. Hier in Saudi-Arabien wird es um 6 Uhr dunkel. Das ist so Afrikastyle. Saudi-Arabien ist aber eine Mischung aus einer Dakar in Afrika und Südamerika. Gerade die Landschaft ist super und sehr abwechslungsreich. Viel Sand natürlich, noch gar nicht mal viele Dünen, sondern große Steine, was am Anfang für viele viele Reifenschäden gesorgt hat. Von daher ist es eine neue Dakar, an die sich alle gewöhnen müssen, wenn sie das Land nicht kennen. Sportlich hat sich wahnsinnig viel getan. Bisher haben die Map-Men viel zu tun gehabt. Am Abend zuvor bekam man das Rodbook und die Map-Men haben die Strecken in Satellitenkarten eingebaut. Dadurch wussten die Topteams im Endeffekt von Anfang an, wo sie am besten fahren, welche Düne sie umfahren sollten und so weiter. Dadurch war der Abstand zwischen den Werkteams und den Privatiers unheimlich vergrößert. Inzwischen ist das anders – und das ist die beste Neuerung im dritten Kapitel der Dakar. Nur an sechs Tagen bekommt man die Roadbooks am Abend zuvor und ansonsten ganz kurz vor dem Start der Etappe. Da bleibt nicht viel Zeit für die Map-Men. Heut weiß man nicht so genau wo es langgeht. In Südamerika konnte man das schon erahnen. Wenn es von A nach B ging gab es nicht so viele Tracks. Hier ist alles viel offener, viel mehr Navigation, viel mehr nach Kompass-Kurs fahren als es in Südamerika jemals notwendig war. Insofern führt das zu mehr Gerechtigkeit zu mehr Gleichheit. Es passieren nun mehr Navigationsfehler als bei allen Rallys zuvor in Südamerika. Was es aber spannend macht und am ersten Tag dazu geführt hat, dass die erste Etappe von einem unbekannten Fahrer aus Lettland gewonnen wurde.

In der kommenden Ausgabe der Quadwelt findet Ihr eine spannende Reportage zur DAKAR.

Quadwelt:
Welche Herausforderungen siehst du für die Teams in Saudi-Arabien?

Ellen Lohr:
Die ganze Assistenz ist GPS-überwacht, was es früher nicht gab. Dadurch haben sie auch weniger die Möglichkeit, wie es früher mal war, verbotenerweise ein Assistenzauto bei Problemen in die Strecke zu schicken. Also diese Möglichkeiten des Betrügens sind vorbei. Ansonsten gilt ein striktes Alkoholverbot, was, so hört man, dazu führt, dass das gesellige Zusammensein ein bisschen leidet (lacht).

Wir sprachen mit Ellen am Rande der DAKAR.

Quadwelt:
Frauen sind in Saudi-Arabien schlechter gestellt als Männer. Hilft die Dakar, die Gleichberechtigung zu stärken?

Ellen Lohr:
Nimm mich zum Beipsiel. Ich bin als Frau mit kurzärmligen T-Shirt unterwegs, was auch erlaubt ist. Es gibt noch Kleidervorschriften, aber die sind sehr sehr offen im Verhältnis. Du musst nur Schultern und Knie bedeckt halten. Ich fahre in der G-Klasse, ein G 500, in der Gegend rum und zwei Kerle sitzen neben mir. Da gucken schon einige noch, beim Tanken zum Beispiel, wenn man in Ortschaften ist, wo das noch nicht die Regel ist. Aber alle sind freundlich, niemand guckt abwertend. Das war genau der Gedanke, warum ich hier nach Saudi-Arabien gekommen bin. Wir zeigen, indem 2000 Menschen mit hunderten Autos 8000 km durch das Land fahren, die Freiheiten die wir als Europäer haben. Das ist gut, das unterstützt den Mind-Change hier. Die Euphorie ist gigantisch, gigantisch!

Das Interview führte Quadwelt-Redakteur Martin Zink.
Fotos: Martin Zink; A.S.O/DPPI

 

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