Die Rettung naht

Geschrieben von am 8. Juli 2021 in Allgemein, Polaris

Seewald + Seewald Fahrzeugtechnik ist seit 2007 spezialisiert auf Einsatzfahrzeuge und Dienstleistungen rund um eben solche. Seewald Alternative Mobility (S.A.M.) ist ein Projekt mit Polaris.

Wenn, dann richtig: Bei Seewald + Seewald ist man spezialisiert auf die Konfiguration von Rettungsfahrzeugen. Darum ist Polaris eine Partnerschaft mit dem Unternehmen eingegangen, da man vor allem auf dem Gebiet der sogenannten „First Responder“ fähige Einsatzmittel braucht. Denn diese „ersten Rettungskräfte“ vor Ort – sie folgen in der Regel dem Notruf der Ersthelfer – sehen sich oft angesichts schwer zugänglicher Stellen vor Herausforderungen. Ein Rettungswagen etwa würde an einem Sandstrand leicht einsinken, sich in einem Waldgebiet festfahren oder Bereiche von Massenveranstaltungen gar nicht erreichen können. Seewald + Seewald lehnte sein neues Fahrzeug an die Norm für Rettungsfahrzeuge nach DIN-ISO 1789 – „Klassifizierung von Einsatzfahrzeugen“ – an. Partner mit an Bord ist die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und die Hochschule Darmstadt (H-DA). Durch intensive Gespräche mit Fachleuten und Mitarbeitern von Rettungsverbänden wurden deren Bedürfnisse genau analysiert und in die Entwicklung einbezogen.

Während eines erfolgreichen Testlaufs mit Prototypen im Jahre 2010 und 2011 auf insgesamt elf Einsätzen bei Großveranstaltungen wie z.B. Rock am Ring oder dem Fisherman´s StrongmanRun bestand das Fahrzeug seine Feuertaufe bei einer Katastrophenschutzübung auf der Insel Wangerooge. Es sind bisher drei S.A.M. unterwegs. In den Jahren 2013 und 2014 wurde die Weiterentwicklung noch einmal vorangetrieben. Hierfür wurden von der Handwerkskammer / Hessenagentur noch Fördermittel bereitgestellt. Hauptziel der Weiterentwicklung war das „Wechsellader-Prinzip“. Dies sollte so aufgebaut werden das eine einzelne Person ohne jegliche Hilfe oder Fachkenntnisse die Bedienung bewerkstelligen kann. Das neue Fahrzeug sollte auch simpel aufgebaut und leicht zu reparieren sein. Auch der Verzicht auf elektrische Helfer war bewusst in die Planung mit eingeflossen. Denn was nützt die beste Elektronik wenn diese ausfällt und sich das Fahrzeug im unwegsamen Gelände befindet.

Voll aus- und aufgerüstet

Welche Vorteile bietet nun aber S.A.M gegenüber den bisher im Handel erhältlichen Rettungsfahrzeugen und umgebauten ATV´s  Zunächst ist zu betonen, dass das Fahrzeug im Patientenraum beinahe schon einem normalen Krankenwagen entspricht, was gerade im Bereich Rettungsfahrzeuge sehr wichtig ist. S.A.M. wurde speziell für die Rettungseinsätze in schwierigem Gelände sowie in geschlossenen baulichen Anlagen wie z.B. Industrieanlagen entwickelt. Ähnliche Rettungsfahrzeugkonzepte für den Offroad-Bereich, konnten bisher keine adäquate Beobachtung durch medizinisches Fachpersonal gewährleisten. Dies ist durch den Sitzplatz in Kopfhöhe des liegend transportierten Patienten gewährleistet. Durch eine Tür auf der Seite des Patienten kann dieser zusätzlich erreicht werden. Fixierungspunkte der Trageaufnahme wurden auf einer Cargo-Schiene montiert und können bei Bedarf entnommen werden um z.B. Ösen für den Materialtransport einzusetzen. Bei der Trage handelt es sich um eine im Rettungsdienst übliche Schleiftrage. Auf dieser wird zusätzlich noch ein zur Schnellrettung genutztes Spineboard mitgeführt.

Neben dem Kopfteil der Trage sind diverse Montagemöglichkeiten für z.B. Überwachungsmonitor, Beatmungsgerät, Sauerstoff und EKG, sowie weiterhin ein 12 Volt-Anschluss für EKG / etc. vorhanden. Hinter dem geprüften Begleitsitz der Firma Schnierle (mit 3-Punkt Gurt ) wurde ein Regal zur Aufnahme von Notfallkoffern und Taschen installiert. Außerdem finden hier Einwegtragetücher und Gurtmaterial genügend Platz. Das LED Licht im Innenraum ist warmwellig. Bei normalem LED Licht sieht man Blautöne sehr schlecht. Bei Verwundeten ist es aber sehr wichtig, etwa um z.B. Hämatome und Hautverfärbungen zu erkennen. Die Klappe am Heck ist großzügig dimensioniert und nimmt dessen gesamte Breite ein. Durch Gasdruckdämpfer schwingt diese sanft nach oben. Sämtliche, durch den Aufbau entstandenen Hohlräume wurden konsequent genutzt und bieten zusätzliche Stauräume um die entsprechende Einsatzausstattung unterbringen zu können. Der gesamte Aufbau besteht zur Gewichtsreduktion aus Aluminiumrohr und Aluminiumplatten.

Bedienerfreundlich

Der gesamte Aufbau lässt sich von einer einzelnen Person abnehmen. Hierzu wurde ein Hydraulischer Scherenmechanismus (Hubschere) zum Anheben der Kabine konstruiert, welcher auf einem Zusatzanbaurahmen ruht. Die darauf angebrachte Gleitschiene besteht aus PE/PP. Die Hubschere wird über eine per Hand zu bedienende Hydraulikpumpe betätigt. Hierzu müssen lediglich Entriegelungen entfernt werden, dann wird der gesamte Aufbau angehoben und es werden 4 Stützen in entsprechende Aufnahmen eingeschoben, dann wieder ein Stück abgesenkt und der gesamte Aufbau steht eigenständig. Der Ranger kann dann unter dem Aufbau herausgefahren werden um z.B. einen Cargo-Boden darauf zu montieren. So kann man schnell auf die wechselnden Bedürfnisse / Einsatzzwecke reagieren. Auch für Servicearbeiten lässt sich so der Aufbau schnell entfernen.

Mit dem S.A.M. ist Seewald + Seewald ein kleines und wendiges Rettungsspezialfahrzeug gelungen. Dies braucht den Vergleich mit üblichen Rettungsfahrzeugen nicht zu scheuen. Das Gefährt ist uneingeschränkt und voll Gelände- und Einsatzfähig. Dank der engen Zusammenarbeit mit Polaris ist dies sicherlich nicht das letzte Fahrzeug dieser Art das wir von der Firma aus Griesheim sehen werden. Erwähnen möchten wir auch das trotz dieser Umbaumaßnahmen die Garantie von Polaris nicht erlischt, sondern dem Endkunden voll und ganz erhalten bleibt. So kann auch die Wartung des Ranger bei jedem Ortsansässigem Polaris-Händler vorgenommen werden.

Text: Erik Pohl   Fotos: Fabian Lober / Seewald + Seewald

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