Klassik Test: Goes vs. Cectek

Geschrieben von am 24. Mai 2020 in Allgemein, Cectec, GOES, Test + Technik

Es ist noch gar nicht so lange her, da zählten ATVs mit 500 Kubik zur oberen Kategorie. Heute – im Zeitalter der Tausender – gehören sie zur Mittelklasse. Hier tummeln sich interessante Fahrzeuge mit vielen guten Tugenden, die von den jeweiligen Herstellern akribisch gepflegt werden. Wie diese beiden Vertreter eines längst nicht abgemeldeten Marktsegments.

Modellgepflegter Klassenkampf

Es ist wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Man kennt sich gut und weiß, was auf einen zukommt, lässt sich auf ein Treffen ein. Irgendwie ist alles vertraut, aber nie langweilig. Ja – man freut sich sogar. So geht es uns, wenn uns Hersteller Updates präsentieren. Einerseits ist man gespannt, was sich an dem jeweiligen ATV geändert hat. Oder eben nicht. Wurden Schwachpunkte erkannt und abgestellt? Was ist technisch neu? Fährt es sich anders? Hat man Motor- und Fahrleistungen verbessert? Das gilt auch für unsere heutigen Testkandidaten.

Was und wer steckt dahinter?

2008 schickte Importeur Telsnig zum ersten Mal seinen Gladiator in die Arena. Daumen hoch entschied das Volk. Für ein eigenwilliges und -ständiges Design gepaart mit echten Nehmer-Qualitäten im Offroad-Bereich. Es war aber danach etwas still geworden um dieses besondere Fahrzeug, das vom taiwanesischen Großunternehmen Yulon Group in engster Zusammenarbeit mit dem deutschen Importeur gebaut wird. Daran änderte auch das erste Update aus dem Jahre 2012 kaum etwas. Zu Unrecht. Hatten doch Erbauer und Importeur die nervigen und anfälligen Drehschalter verbannt. Man schaltet seitdem konservativ per Wahlschalter, was übrigens neuerdings auch für den Wechsel vom Zwei- in den Allradmodus gilt. Der Zulieferer für Mitsubishi, Nissan und Renault verfügt über enormes Know-How im Bereich Fahrzeugbau und erfüllt die hohen europäischen Qualitätsansprüche mit Leichtigkeit. Dieser ist auch dem neuesten Gladiator an jedem Bauteil anzusehen. Cectek heißt übrigens jetzt Herkules, wie das Kasseler Unternehmen bekannt gab. Ein guter Schritt, denn der Name klingt nicht nur gut, er steht wiederum für Qualität und ist DIE bekannte Marke des Hauses. Die Gladiator ix-D verfügen über Motoren mit elektronischer Kraftstoffeinspritzanlage (EFI). Zusätzlich sind sie mit einem sperrbaren Front- und Heckdifferential ausgestattet. Die klare Designsprache des Gladiator ist einzigartig: LED-Angel-Eyes inklusive. Auch beim Zubehör bleiben 2016 keine Wünsche offen, denn bei den Gladiator Editionsmodellen kommt die Vollausstattung jetzt in Serie: Alufelgen, eine elektrische Seilwinde und eine komfortable Rückenlehne für den Sozius.

Auf der anderen Seite ist es gelungen, seine guten ATVs aus der Nische zu holen und es bis heute nach eigenen Aussagen zum Bestseller zu bringen. Gelungen ist das nicht nur optisch, sondern vor allem durch gründliche und stetige Überarbeitung der Technik. Mit guter Ausstattung glänzt auch das von GOES als Einsteiger angesehene Modell G 520 4×4 EPS. Die Marke stößt in Bereiche vor, die bisher tatsächlich wenigen Herstellern vorbehalten war. Die üblichen Zubehörteile, die man heute von einem guten ATV erwartet sind in der GOES verwirklicht und im aktuellen Modelljahr gar mit elektronischer Lenkhilfe – EPS. Viele dieser Merkmale waren zuvor nur in Limited Editions zu haben. Seit 2015 ist aber wirklich alles über die Seilwinde hinaus verbaut und der Kunde bekommt ein digitales Cockpit mit viel deutlich lesbarer Information.

Darüber hinaus lässt sich die Vorderachse zu 100 Prozent sperren, was in Verbindung mit den erstaunlich gut funktionierenden Geländereifen für ordentliche Traktion sorgt. Solches Management ebnete der Marke in den letzten Jahren den Weg in eine eigene Identität, auch wenn die Technik unter der Verkleidung durchaus auch von der japanischen Insel stammen könnte. Doch auch hier ist es eher die enge Verbindung, die Goes Europe aus Frankreich und Jets Marivent als deren deutsche Vertretung mit dem Hersteller eingingen. Dass die Elektrik von Bosch und das CVT-Getriebe von CV-Tech aus Kanada stammen, ist in der Szene als Qualitätsmerkmal und -garant bekannt. Der Motor unserer Einzylinder ist ausgereift und von Kinderkrankheiten gänzlich geheilt.

Ausgereift

Das gilt im Übrigen auch für die Herkules und ist eines – wenn nicht DAS – Argument für Modellpflege. Man weiß einfach was man bekommt für sein Geld. Was im Falle der GOES deutlich weniger Talerchen sind, als Telsnig für sein Flaggschiff aufruft. Der Gladiator startet in der Grundversion bei 7.799,- Euro, GOES hält mit 5.499,- Euro dagegen. Unsere Test-Herkules steht gar mit noch einem Tausender mehr in den Büchern. Hinkt deshalb unser Vergleich? Zumal der altrömische Kämpfer über die erwähnte Einspritzanlage verfügt und sein Mitbewerber das Gemisch noch per Vergaser aufbereitet. Dazu kommt der nominelle Leistungsunterschied von rund zehn PS zugunsten der Taiwanesin. Dem setzt GOES eben die Lenkhilfe entgegen.

Nein! Der Vergleich hinkt keineswegs. Die Maschinen stehen in der Mittelklasse aus den oben erwähnten Gründen irgendwie für sich und doch beide für die Bandbreite die sich einem Käufer schon alleine in diesem Segment bietet. Es kommt mal wieder auf den Einsatzzweck an, den man anpeilt. OK, im direkten Vergleich zieht die Herkules mit dem spritzigen Motor deutlich besser vom Fleck. Der Durchzug ist kontinuierlich aus dem Drehzahlkeller heraus bis zur Endgeschwindigkeit spürbar. Unten etwas weniger, wuchtig im oberen Bereich. Bald setzt der blitzende Drehzahlwarner im Cockpit dem Vortrieb ein optisches Ende und mahnt den Fahrer zur Vernunft bei etwa 85 km/h. Bei rund 90 ist dann Schluss. Darüber lächelt der GOES-Reiter und zieht am Ende mit einem Plus von zirka zehn km/h vorbei. Doch brauchte es natürlich einige Zeit um dem eckig designten Konkurrenten beizukommen. Der ist nämlich zudem wendiger und auch ohne EPS um die engsten Kehren und Kurven zu steuern. Das schafft vor allem abseits der befestigten Wege Vorteile. Dafür wirkt aber bei der 520er die Lenkhilfe auf Querrillen beinahe wie ein Lenkungsdämpfer und gleicht Schläge in die Handgelenke sehr gut aus. Butterweich – wir testeten sogar im Einhandbetrieb – lässt sich die Fahrtrichtung korrigieren, was wegen dem vergleichsweise großen Wendekreis ein Segen ist.

Im Einsatz bewährt

Bereits im Einzeltest machte die enorme Bremswirkung der Motorbremse beim Gladiator auf sich aufmerksam. Da muss man sich dran gewöhnen, während die GOES hier mit herkömmlichen, guten Werten daherkommt. Die primären Bremssysteme – bei beiden ATVs hydraulisch – bringen die Fuhren zuverlässig zum Stehen. Leichter Vorteil für die Herkules. Deren hier gezeigtes Testfahrzeug ist auch mit dem als FDS bezeichneten 4-Wege-Antriebswählsystem ausgestattet, wodurch sich unabhängig voneinander das vordere und das hintere Differenzialgetriebe sperren lassen. Im richtig knüppelhartem Gelände ein gutes Ausstattungsmerkmal, was deutlich voranbringt. Allerdings sind Lenkbewegungen dann mit Bedacht auszuführen. Die GOES kommt ohne dieses Feature aus und ackert sich auf herkömmlichem Wege aus dem Schlamassel, will heißen wenn es dicke kommt, muss das gesperrte Frontdifferential reichen. Wo wir gerade in einer kniffligen Lage sind: die Sitzposition und die Ergonomie ist bei der GOES gefühlt besser. Auf dem Gladiator sitzt man mit deutlich breiter gespreizten Beinen, was beim Manövrieren bisweilen stört.

Zurück zur GOES, die sich auf Wald- und Schotterwegen aber auch in unwegsamen bis extremen Gelände als sehr einsatzfähig herausstellt. Bergauf zieht der 493-ccm-Einzylinder ordentlich durch, wenn er Schwung mitnehmen kann. Sonst muss man gut am Gas bleiben. Bullig zeigt dagegen der kehlig klingende 525er im Gladiator seinen Vorwärtsdrang aus dem veredelten Endtopf. Apropos Endtopf. Der ist bei der G 520 leicht rostanfällig und sollte daher regelmäßig auf dem Pflege- und Wartungsplan stehen. Mit beiden ATVs sind sowohl auf und abseits befestigter Wege launige Touren möglich, wobei das Fahrwerk aus Taiwan etwas straffer daherkommt und somit auf Asphalt ruhiger liegt. Weicher ist die GOES, was im Trial-Modus wiederum vorteilhafter ist.

Fazit

Bei robustem Einsatz zeigt die GOES Nehmerqualitäten und ist so schnell durch nichts zu erschüttern. Das hat gerade das 520er-Modell in allen Varianten bisher schon während zahlloser Quadwelt-Testkilometer in den Alpen, auf der Rennstrecke bis hin zur Arbeitswelt bewiesen. Die 520er-Modelle sind härtesten Anforderungen wie Winterdienst oder Forst- und Landwirtschaft gewachsen. Dem Freizeitanwender bieten sie eine solide Basis für ausgedehnte Fahrfreuden und zuverlässige Technik.

Durch und durch ein Allrounder zum attraktiven Preis – jetzt auch mit der konsequenten Weiterentwicklung und Aufwertung durch die Servolenkung. Wer es gediegener mag und Wert auf Design und Optik legt, der legt gerne den durchaus gerechtfertigten Mehrpreis für den Galdiator an, der uns 2008, 2009, 2012 und heute wieder überzeugen konnte. Mängel? Erfolgreich abgestellt! Was uns das Resümee aus dem letzten Einzeltest wiederholen lässt: Herkules bietet mit dem überarbeiteten Gladiator ein absolut wettbewerbsfähiges Fahrzeug. Das Aggregat ist mit seinen knapp 30 kW gut motorisiert. Ebenso überzeugt die sehr umfangreiche Serienausstattung und die gezeigte Qualität.

Jedes Fazit für sich ein schlagendes Argument für Modellpflege. In beiden Fällen gelungen! Und so freut man sich schon auf das nächste Wiedersehen.

Text: Ralf Wilke

Fotos: Ralf Wilke, Lea Ring, Frank Meyer, Hersteller

Magazinbeitrag aus 02/2016

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