Kleine Größe-großer Spaß!

Geschrieben von am 16. April 2020 in Allgemein, Test + Technik

Regelmäßig bringen wir einen großen Test mit kleinen Quads. Und so standen auch jetzt wieder jugendliche Testfahrer in den Startlöchern, um die altersgerechten Flitzer zu prüfen. Diesmal die drei Angebote der Premiummarken Yamaha, Suzuki und Can-Am.

Die Marken, die in diesem Vergleich antreten, gehören zu den beliebtesten der Szene. Alle drei stehen für gute Qualität und haben jeweils auf dem Markt etwas bewegt. Wenngleich es auch um Suzuki recht still geworden ist und außer den beiden ATVs King Quad mit 450 und 750 Kubik kein Quad und schon gar keine Neuheit offiziell angeboten wird. Schade, aber gleich zwei Jugendmodelle stehen zur Auswahl. Und das ist für die Kids und deren Eltern eine gute Nachricht, sorgte doch der Hersteller dereinst mit der LT 80 schon für Furore. Wir schauen uns hier die Quadsport Z90 mal genauer an. Yamaha steht da nicht hintenan und bietet seinerseits zwei Fahrzeuge im Raptoren-Design an. Die Dichte der Rappen in unserer Szene wird dafür sorgen, dass Eltern und Nachwuchs gewissermaßen im Partner-Look unterwegs sein können und wollen. Passend für unser Trio ist die YFM 90 R. Denselben Hubraum deklariert Can-Am für seine beiden DS-Modelle, wovon die DS 90 X die deutlich sportlichere Version darstellt und auch in diesem Vergleich den wettbewerbsmäßigsten Akzent setzt.

Drei Kinderträume im Detail

Sicherheit: Die Kids müssen ausgerüstet an den Start gehen.

Die Suzuki wirkt im Gegensatz zu den Mitbewerbern gedrungener und schmaler. Optisch am nächsten dem klassischen „Kinder-Quad“, was aber durch die Designanleihe beim LTZ locker ausgeglichen wird. Den leicht kantigen schmalen Eindruck gewinnt man aber auch durch die Reifenmaße 19×7-8 auf beiden Achsen. Die beiden anderen Quads wirken rennmäßiger und sind breiter. Doch ist die Quadsport wohl am besten für die Einsteiger und kleinen Fahrer geeignet. Die Qualität der Verarbeitung entspricht dem Ruf der Marke und ist auch in diesem Segment tadellos. Die Bremse aktiviert, lässt sich der kleine Viertakter starten und unser Testfahrer braust auch schon los. Die Bedienung ist mega einfach und den Neulingen schnell nähergebracht. Die geringere Breite lässt die Suzuki dem Nachwuchs etwas wackliger vorkommen, als die breit aufgestellte Konkurrenz. Sie gehe aber sehr leicht durch die Kurven, lautet das einhellige Statement.

121 Kilogramm bringt der Flitzer auf die Waage, was nicht zu schwer ist, aber dennoch den höchsten Wert des Trios darstellt. Ein Kilo mehr als die Yamaha, acht mehr als Kanadas Vorschlag zur Nachwuchsgewinnung. Knapp sieben PS ziehen den luftgekühlten Viertakter recht forsch voran, auch über vergleichsweise hohe Hindernisse. Landet der Jungspund aber mal im Gehölze oder in der Bande, so muss die Suzuki zurück auf den Kurs geschoben werden. Als einziges Quad des Trios verfügt die Quadsport Z90 nicht über einen Rückwärtsgang. Drei Trommelbremsen stoppen den Vorwärtsdrang zuverlässig und geben keinen Anlass zur Klage. Die Höchstgeschwindigkeit lässt sich allerdings auch begrenzen, große, rutschfeste Trittbretter geben den Kids sicheren Halt.

Auch Yamaha’s Angebot für die Jugend orientiert sich an den großen Geschwister-Modellen, was natürlich bei den Testfahrern bestens ankommt. Sie ist allerdings die kürzeste Maschine des Trios, wo doch die Suzuki grade noch kompakter wirkte. Auf 1.490 Millimeter Länge bringt es das Quad, was in der Tat 15 weniger ist als die Konkurrentin, welche auch noch um fünf Millimeter höher ist. Die Can-Am ist ebenso hoch wie der „kleine Raptor“, aber mit 1.520 Millimetern das längste Quad für heute. Wie der optische Eindruck doch täuschen kann. Es sind tatsächlich die Reifen, die die Suzuki kantiger wirken lassen. Nicht täuschen kann hingegen das rennmäßigere Set-Up der Yamaha und erst recht das der Can-Am. 88 Kubikzentimeter Hubraum beinhaltet der Vergaser-Motor der YFM90R. Über die Motorleistung hüllt sich Yamaha in Schweigen, dürfte aber der der Konkurrenz entsprechen. Wobei die Fahrer stets grinsend von dem Rappen steigen und ihm gefühlt viel Power attestieren. „Die geht flott um die Kurven und überwindet auch krasse ‚Hubbel’“, sagen die Kids und sprechen damit die Breite an. Schnell tasten sich unsere Piloten an kontrollierte Drifts heran. Die Maschine liegt insgesamt schon etwas stabiler als die schmalere Suzuki. Der YFM90R ist mit zahlreichen Sicherheitsfunktionen ausgestattet. Über die CDI-Zündanlage kann die Leistung einfach begrenzt werden, um den Anfängern das Leben leichter zu machen. Dank praktischer Parkbremse am Lenker steht das Quad auch beim Parken am Berg zuverlässig. Hasardeure können sich im Falle des Falles per Rückwärtsgang auch selbst aus einer Misere befreien.

Die DS X 90 ist das Renn-Quad unseres Test-Trios. Das Design der DS 450 X mx macht deutlich, wo die Kanadier den Nachwuchs gerne hinbringen wollen. Richtig breit macht sich das Chassis, welches gar mit Ausgleichsbehältern an den langen Stoßdämpfern aufwartet. Diese sind – ganz wie die großen Vorbilder – individuell einstellbar. Ein dicker Bumper unterstreicht die Optik des Renners, der als einziges Quad hier mit drei hydraulischen Scheibenbremsen ausgerüstet ist. Diese zusätzliche Bremsleistung sorgt für eine höhere Effizienz und bessere Dosierbarkeit der Bremsen auf jedem Untergrund, was gerade bei den Jugendlichen ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsplus darstellt. Die Fahrer lernen besser mit dem Ansprechverhalten moderner Bremsanlagen umzugehen. 89,5 ccm Hubraum ist die Angabe bei Can-Am, die ebenfalls ihre Kraft per stufenlosem CVT-Getriebe an die Hinterachse bringen. Nicht nur optisch, auch fahrerisch schinden die breiten Rennreifen Eindruck. Bemerkenswert ist das Setup insgesamt, wenn man bedenkt, dass sowohl die Yamaha als auch die Can-Am bei Aeon in Taiwan per Lizenz vom Band laufen. So unterschiedlich können Konzepte sein. Die Kanadierin geht forsch zur Sache und blubbert ordentlich aus dem Leichtmetall-Endtopf. Sie ist geeignet für den erfahreneren Reiter und will robust bewegt werden. „Die Yamaha ist im Gegensatz dazu etwas einfacher“, tragen die Kinder ins Protokoll ein. Aber, wenn die Piste hart und uneben wird, wenn Springen auf die Tagesordnung kommt, führt fast kein Weg an der Can-Am vorbei.

Fazit und Auswahl

Mit allen drei Quads ist unglaublich viel Fahrspaß zu generieren. In der Handhabung geben sie sich nicht viel, was die Grundlagen wie Startverhalten, Bedienung und Wartung betrifft. Simpel und fast schon selbsterklärend, so dass jeder Pilot schnell vertraut ist. Kinderleicht sozusagen. Die Suzuki empfiehlt sich für jene Kinder, die noch kleiner sind und auch zunächst mal an den Sport herangeführt werden sollen. Für seine 3.090,- Euro ab Werk gibt es solide und sichere Technik an die Hand. Wenn auch ohne Rückwärtsgang und einem Choke direkt am Vergaser.
Dieser ist bei der Yamaha YFM90R am Lenker zu finden. Das Quad stellt – man ahnt es schon – den besten Kompromiss in dem Trio dar. Zwischen dem absoluten Einsteiger-Level und dem Rennsport, den Can-Am sich auf die Fahne schreibt. So erntet die Yamaha eigentlich die besten Kritiken unserer fahrenden Kinder, weil sie sich mit der Japanerin eher vom Leichten zum Schweren vortasten können. Und das ist es doch, was Kinder mögen: Grenzen austesten. Das Ganze ist sogar mit 2.795,-Euro günstiger zu haben als die anderen beiden Fahrzeuge.
Denn Can-Am lässt sich die gehobene Ausstattung und das Jugend-Rennfertige Setup mit 4.999,- Euro bezahlen. Wir und auch die Kinder sehen das Modell aus Kanada eher in erfahrenen Händen, dann, wenn die ersten Schritte und Fortschritte schon gemacht wurden und der Sport ernster genommen wird.
Allen dreien ist aber noch eines gemeinsam: Grinsende, glückliche Gesichter! Eltern – was wollt ihr mehr?

Text: Raymon de Kruijff, Ralf Wilke
Fotos: Raymon de Kruijff, Maurice van Oosten

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