Gestern, Heute, Morgen

Geschrieben von am 7. Januar 2020 in Allgemein, Test + Technik, Yamaha

Mythos Grizzly: kein anderes ATV hat die Szene und den Markt so geprägt, wie der Dauerbrenner von Yamaha. Warum ist das so? Dieser Frage gehen wir einmal mit dem neuen, überarbeiteten Modell nach und schauen, was dieses vom alten 660er übernommen hat. Oder gibt es etwas, was der damals schon konnte?

Jeep! Dieser Markenname wurde zur Bezeichnung für eine Fahrzeuggattung. Spricht man von Geländewagen, sagt man meistens „Jeep“. Oft sieht man dann auch noch das kernige Auto mit dem markanten Kühlergrill vor seinem geistigen Auge. Ganz soweit hat es Yamaha nicht gebracht. Dennoch ist ausgerechnet der Grizzly eines der – wenn nicht das – typischste ATV schlechthin. Der allererste Grizzly mit 600 ccm war noch ein kantiges, wenig ansprechendes Arbeitsgerät, wie es in den 1990er Jahren üblich war. Dennoch schon ganz gut ausgestattet. „Als Ende 2001 der neue Grizzly rauskam, ahnten wir schon, dass dieses Fahrzeug etwas bewegen wird“, erzählt Norbert Schatten und erinnert sich als die ersten Bären mit 660 ccm in seinem Geschäft in Geldern eintrafen.

Unterwegs: Ergonomie, Händling und Vortrieb stimmen.

Ein bedeutender Schritt

Mit seinem Vorgänger hatte der neue Grizzly nur noch den Namen gemeinsam. Der komplett überarbeitete Motor stammt aus der erfolgreichen und höchst zuverlässigen Enduro Ténéré. Erstmals hatte man sich Gedanken gemacht, das Arbeitsgerät auch optisch aufzuhübschen. Damit einhergehend, war auch die Sitzposition ergonomischer geworden und neue Ausstattungsmerkmale wie eine elektronisch zuschaltbare Differentialsperre und das damals völlig neue Ultramatic CVT-Getriebe hielten Einzug. Letzteres hält die Riemenspannung konstant, was Yamaha bis heute die haltbarsten Antriebsriemen beschert. Bei anderen Herstellern oft ein Schwachpunkt. „Damals hatten wir Banshee und Warrior im Laden stehen“, erinnert sich Norbert. „Mit dem Grizzly 660 bekamen wir ein Arbeitsgerät mit Freizeitwert dazu.“ Heute geht es auf dem ATV-Markt umgekehrt zu. Viele ATVs haben hohen Freizeitcharakter und können auch ein bisschen arbeiten.

Da guckst Du: Der Grizzly ist ein sportliches Arbeitsgerät geblieben.

Schaut man sich die neue 700er Grizzly an, so stellt man fest, dass auch dieses Modell ohne überflüssigen Schnick-Schnack auskommt. Statt Tagfahrlicht lieber einen Zusatzscheinwerfer am Lenker. Kein Bling-Bling, sondern solide verpackte Technik in einem leistungsfähigen Chassis. Dennoch kann Yamaha es sich erlauben, mit dem Slogan „Die Schönheit der Arbeit“ zu werben. Und wie damals 2001 legt der Hersteller wieder die Meßlatte an. Kaum ein Vergleichstest weltweit in den Fachmedien, der nicht den Grizzly als Referenz heranzieht. Wohl auch ein Grund, warum die Japaner bisher auf die Einführung eines Tausenders verzichten konnten. Getreu dem Motto „das Bessere ist des Guten Feind“, wurde grade der große Grizzly weiterentwickelt. „Am ,Griz“ ist nur das verbaut, was auch funktioniert“, plaudert Norbert Schatten aus der Erfahrung. Soviel zum Erfolgsrezept! So fahre der hier für unser Stelldichein fotografierte 660er seit 12.000 Kilometern mit dem selben Riemen. Dank artgerechtem Einsatz musste bisher nur eine Antriebswelle ausgetauscht werden.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Damals war der 660er Einzylinder auf der Höhe, heute ist es ganz sicher das aktuelle Aggregat. Wir sprechen von einem hochmodernen Fahrzeug mit einem ebensolchen Motor. Der einstige Vergaser ist einem Einspritzsystem gewichen und die elektronische Lenkhilfe hat längst Einzug gehalten. Der Tank wanderte zwecks günstigerem Schwerpunkt ans Fahrzeugheck. Doch der Grundaufbau des Rahmens hat sich nicht so sehr verändert. Besseres Ansprechverhalten der Stoßdämpfer erreichte man durch günstigere Positionierung und veränderte Anstellwinkel. Ebenso konnten die A-Arms schon in der letzten Generation günstiger geformt und angebracht werden, was dem Grizzly bessere Offroad-Eigenschaften verlieh.

Vorbildfunktion: Vom alten 660er hat der neue 700er den Arbeitswillen und den Spaß-Faktor übernommen.

Als Enkel der Vorfahren Grizzly 600 und Grizzly 660 erblickte der 700er erstmals 2007 das Licht der Welt. Neun Jahre später im Modelljahrgang 2016 angekommen, ist aus dem schon immer erwachsen wirkenden Fahrzeug eine stattliche Fahrmaschine mit einer Menge positiver Eigenschaften und besonderen Fähigkeiten geworden. Yamaha gibt wie immer unter vornehmer Zurückhaltung einen Leistungszuwachs von sechs Prozent im Vergleich zum Vorgänger an. Unter Zuhilfenahme eines Taschenrechners kommt man somit auf 50,4 PS. Für den gewaltigen Eintopf also gar nicht mal schlecht. Auch das Drehmoment hat um fast zehn Prozent zugelegt. Das spürt man sofort. Laut Yamaha wurde der Charakter für technisches Terrain und extreme Offroad-Einsätze ausgelegt. Diese Zeilen muten beinahe an, wie das Fazit eines – übrigens dem allerersten – Fahrzeugtests in der Quadwelt: „Wegen seines ausgezeichneten Verhältnisses zwischen Kraft und Gewicht ist der Grizzly 660 leicht, präzise und schnell zu fahren, beinahe wie ein Sport-Quad. Man kann mit ihm arbeitend Spaß haben, auf der Weide, im Forst, eben überall.“

Generationen ohne Konflikt: Damals wie heute überrascht der große Bär die Szene.

Da darf man doch gespannt sein, was Yamaha mit dem Grizzly noch so vor hat. Die neueste Idee stellen wir Euch mit dem Grizzly 700 EPS SE vor. Bären-Fans hoffen immer noch auf das Hubraum-Update mit 850 ccm und als Zweizylinder. Oder vielleicht kommt doch noch ein Tausender? Wir lassen uns überraschen. Denn eine ATV-Szene ohne den großen Bären – undenkbar!

Text: Ralf Wilke
Fotos: Ralf Wilke, Kerstin Wilke, Yamaha, Archiv

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