Auf geht’s

Geschrieben von am 3. Oktober 2021 in Allgemein

Einst stellten die Fahrzeuge um 450 ccm Hubraum die Mittelklasse dar. Heute werden sie gerne als Einsteiger genommen, da sie in der Regel bereits alles haben, was ein ausgewachsenes ATV ausmacht. Das gilt für KYMCO’s MXU genauso wie für die Cforce von CFMOTO. Auf geht’s zum Schlagabtausch.

Kopf an Kopf: Der obligatorische Schlagabtausch geschieht auf Augenhöhe zwischen den beiden Herstellern.

Verkehrte Welt. Scheinbar ging es bis vor wenigen Jahren im Wettbewerb der Hersteller allein um die Leistungs- und Hubraumkrone. Nahezu jede Marke hat mindestens ein Modell mit 700 oder noch mehr Kubikzentimetern im Programm. Das ging rasant und Schlag auf Schlag. Eine Tausender folgte der nächsten. Heutzutage ist der Trend umgekehrt. Fast könnte man meinen, nach unten sind keine Grenzen gesetzt. Veränderte Zulassungsbestimmungen zwangen zum Umdenken und so sind aktuell Motoren und Modelle mit rund einem halben Liter Hubraum wieder angesagt. Inzwischen buhlen die robusten und ausgereiften ATVs um neue Kunden sowie um die Damen in der Szene. Dazu sind sie traditionell mit allem ausgestattet, was man zum Spaß haben, zum Arbeiten und für den Alltag braucht.

Die Bewerber

Tauziehen unter Einsteigern: Die beiden Konkurrenten bieten viel ATV-Tugenden und Ausstattung für’s Geld.

Als die 700er noch das Ende der Fahnenstange markierten, galten 450er als Mittelklasse und wurden auch stark als solche beworben. In dieser jetzt neuen gehobenen Einsteiger-Klasse drängt sich der Vergleich zwischen der MXU von KYMCO aus Taiwan und der chinesischen CFMOTO CForce geradezu auf. Erstere brillierte Anfang des vergangenen Jahres schon im Wettbewerb mit den anderen Premium-Marken, Can-Am und Yamaha, anlässlich unseres damaligen Vergleichs. Heute stellt sich das klassisch aufgestellte Fahrzeug der brandneuen 450er aus dem Reich der Mitte, welches mit Kampfpreis und Top-Ausstattung Punkte und Käufer sammeln will.

Fahrspaß: Kurvige Landstrassen liegen den leichten Einzylindern. Die bescheidene Vmax reicht hier völlig aus.

Seltsame Parallelen tun sich da auf. Einst trat KYMCO mit bescheidenen 150ern an, setzte sich aber schon bald von anderen Taiwanesen deutlich ab. Die Modellpalette reicht heute von 50er-Kinderquads bis hin zum 700er MXU mit modernster Motorentechnik. Das nächste Update steht in den Startlöchern. Für die Qualität spricht aber auch, dass KYMCO bereits als Motorenhersteller für BMW auftrat und gemeinsam mit Kawasaki und Arctic Cat baugleiche Modelle entwickelte. CFMOTO startete vor einigen Jahren mit Fahrzeugen wie der bleischweren Atlas 500 und erreichte seine Kundschaft hauptsächlich über den günstigen Preis. Doch entdeckten gleich mehrere Marken das Potential und labelten spätere CFMOTO-ATVs entsprechend um. Bis zu jenem Tag, als die Chefs des Herstellers beschlossen, fortan nur die eigene Marke zu fördern, was trefflich gelang. Robust und hochwertig spielen die Fahrzeuge heute ganz vorne mit. Und auch hier gibt es eine Zusammenarbeit mit dem europäischer Motorrad-Hersteller KTM.

Eine neue Klasse?

Wie gesagt, sprechen beide Hersteller mit ihren 450ern die Einsteiger an. Dazu klopft man ordentlich auf den Putz. KYMCO formuliert das so: „Dank elektronischer Einspritzung, zuschaltbarem Vorderradantrieb und vielen Extras mehr, verlieren auch ATV-Einsteiger schnell die Ehrfurcht im Arbeitseinsatz auf schwer zugänglichem Terrain. Das liegt sicher auch an der vom Lenker aus steuerbaren Seilwinde, die sich nicht nur in festgefahrenen Situationen als genialer Helfer erweist.“ CFMOTO kontert darauf, dass „das kompakte, wendige Einstiegsmodell schon auf den ersten Blick als richtiges CFMOTO-ATV erkennbar ist. Wie bei ihren ‚großen Schwestern‘ ist der bullige Rammschutz geschickt in die Front integriert. Die CForce 450 ist sowohl mit kurzem als auch mit langem Radstand erhältlich und in beiden Versionen als Zweisitzer zugelassen.“

Was beide ATVs eint, ist die elektronische Einspritzung des Motors. Ebenso das schnörkellose Auftreten. Kein Schnick-Schnack, aber dafür richtig viel Ausstattung. KYMCO bietet seiner Kundschaft 43ccm mehr Hubraum, während CFMOTO seine Leistung schriftlich etwas aufmotzt und „nur“ einen 400er eingebaut hat. Mit einer Leistung von 29,9 PS (MXU) und 31 PS (CForce) liegen die Beiden nicht sehr weit auseinander. Eine Seilwinde soll ihnen jeweils weiterhelfen, wenn der elektronisch zuschaltbare Allrad oder die Untersetzung das nicht mehr kann. Die Chinesin weist sowohl vorne, wie hinten eine Differentialsperre auf und entspricht damit den neuesten Zulassungsbestimmungen. 25 Kilogramm ist die KYMCO – zulassungsfähig als LoF – leichter als die Konkurrentin, die stattliche 345 Kilogramm auf die Waage bringt. Sie muss ohne eine Sperre auskommen, verwöhnt aber in Punkto Fahrwerk, Felgen und Bereifung mit einer höheren Qualität als die CFMOTO.

Das Fahrwerk aus Taiwan wirkt insgesamt straffer und macht auch bei schnellen Kurvenfahrten und driften mit Heckantrieb viel Freude. Die Kippneigung ist geringer als die der CFMOTO. Im Gelände wirkt die KYMCO agil und lässt sich auch in engeren Passagen gut beherrschen. Bergab kann die Leistung der „Motorbremse“ voll überzeugen und leistet sich keine Schwächen. Etwas weicher tritt die Chinesin fahrwerkstechnisch an und vermittelt im Trail- und Trial-Modus mehr Mobilität, was auch der besseren Bewegungsfreiheit geschuldet sein dürfte. Gefühlt geht der CFMOTOR auch etwas forscher zu Werke. Er dreht höher, hinkt aber in der Endgeschwindigkeit der KYMCO ein wenig nach. Die ist einfach schneller. Auch im Durchzug hat die MXU die Nase leicht vorne in diesem Vergleich. Was das Bremsen angeht, so tun sich die beiden Kontrahenten nichts. Beide schaffen es, dass der Fahrer aus jeder Situation zum Stehen kommt.

Das Baukastenprinzip beschert beiden Modellen einige Komponenten ihrer großen Brüder. So fügen sie sich jeweils komplett in die Linie ihres Herstellers ein. Gucken wir mal auf die Details. Mehr Bodenfreiheit bietet die KYMCO, gepaart mit mehr Zuladungskapazität. Somit wäre sie – sollte man auch mit dem ATV arbeiten wollen – eher zu empfehlen. Der Sparfuchs unter den Kunden kann 1.500,- Euro im Geldbeutel behalten, fällt die Wahl auf die eher freizeitorientierte CFMOTO. Ihr Design ist auch etwas sportlicher angelegt.

Die Zielgruppe

Für Lena und Lea spielt der Preis ebenfalls eine große Rolle, da beide mit Anfang 20 nicht über das Budget verfügen, sich etwa eine 1000er Outlander oder Sportsman anzuschaffen. Wir haben mit den Beiden mal wieder zwei junge Damen auf die Sitzbänke unserer Testfahrzeuge gesetzt und um ihr Statement gebeten. Lea beurteilt den Fahrspaß auf beiden Modellen als sehr hoch und vermisst „eigentlich nichts, was mir ein größeres ATV mehr bieten würde. Im Alltag muss man halt damit leben, gerade mal die 90km/h-Marke anzukratzen.“ Lena arbeitet als Zweiradmechanikerin und sagt, dass die CFMOTO etwas bedienerfreundlicher ist. „Ich komme beispielsweise zwecks Pflege und Wartung besser an die Baugruppen heran.“

Einstellungssache: Die CFMOTO macht in Trial-Passagen etwas mehr Spaß.

Von allem etwas: Arbeit, Sport und Spiel – die beiden 450er können unglaublich viel und sind vollwertige ATVs. Spaß auf vier Rädern muss also nicht viel kosten, beweisen die beiden Fahrzeuge. Auch, dass es nicht mehr als 450 ccm braucht, um die meisten Facetten des Themas abzudecken. Unser Duo deckt – jedes Fahrzeug auf seine Art – ein breites Spektrum ab, setzt eigene Schwerpunkte. Garantiert eignen sich die Beiden für den Einsteiger ebenso, wie für den preisbewussten, Fortgeschrittenen und Anwender. Auf geht’s in die Welt der ATVs. Es gibt hier gleich zwei Starthilfen.

Outdoor: Man kann sich weit vor wagen auf der Tour mit einer MXU.

Technische Daten

CFMOTO CForce 450 S EFI 4×4 One
Motor: Einzylinder 4-Takt, flüssiggekühlt, Hubraum: 400 ccm, Leistung: 23 kW / 31 PS (offen), Kraftstoffversorgung: elektronische Einspritzung, Startsystem: elektrisch, Getriebe: CVT-Automatik, H / L / N / R / P, Antrieb: 4×4, Kardan, zuschaltbare Diff-Sperre., Radaufhängung: vorne doppelte A-Arms, hinten doppelte A-Arms, Bremsen: vorne 2 hydraulische Scheiben, hinten 2 hydraulische Scheiben, Reifen: vorne 24 x 8 – 12, hinten 24 x 10 – 12, Maße: Länge 2.100 mm, Breite 1.100 mm, Höhe 1.150 mm, Radstand 1.260 mm, Bodenfreiheit 250 mm, Gewicht: 345 kg, Zuladung: vorne 20 kg, hinten 40 kg, Tankinhalt: 15 Liter, Farbe: Orange, Blau, Schwarz, Rot, Garantie: 2 Jahre
Preis: ab 5.499,- Euro

CForce reloaded: Den Einsteiger der Chinesen gibt es auch in der kurzen Variante. KSR Group GmbH, Im Wirtschaftspark 15, A-3494 Gedersdorf, Tel. +43(0)2735/73700, www.ksr-group.com

KYMCO MXU 450i 4×4 LoF
Motor: Einzylinder, 4-Takt, flüssiggekühlt, Hubraum: 443 ccm, Leistung: 22 kW / 29,9 PS, Kraftstoffversorgung: Elektronische Einspritzung, Start­system: elektrisch, Ge­triebe: CVT-Automatik, L-H-N-R, Antrieb: 4×4, Kardan, Radaufhängung: vorne doppelte A-Arms, einstellbar, hinten doppelte A-Arms, einstellbar, Bremsen: vorne 2 hydraulische Scheiben, hinten 2 hydraulische Scheiben, Reifen: vorne 24 x 8-12, hinten 24 x 10-12, Maße: Länge 2.200 mm, Breite 1.120 mm, Höhe 1.350 mm, Radstand 1.217 mm, Bodenfreiheit 300 mm, Gewicht: 320 kg, Zuladung: vorne 34 kg, hinten 68 kg, Tankinhalt: 15 Liter, Farbe: Schwarz, Silber, Champagner, Garantie: 2 Jahre
Preis: ab 6.999,- Euro (inkl. LoF-Zulassung)

Klassiker: Die bewährte MXU ist schon lange im Kymco-Portfolio. Jetzt mit Einspritzanlage und LoF-Zulassung. Das ist die etwas edlere Ausstattung und kostet 1.500,- Euro mehr. MSA Motor Sport Accessoires GmbH, Am Forst 17 b, 92637 Weiden i.d. Opf., Tel. +49(0)961/3885-0, www.kymco.de

Text & Fotos: Ralf Wilke

Magazinbeitrag aus 01/2019

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