Vom Strand bis in die Berge

Geschrieben von am 2. Februar 2021 in Allgemein, Szene

ATVs und Side-by-Sides haben sich im Rettungseinsatz einen guten Ruf erworben. Die Verwendungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Fahrzeuge selbst. Wir sprachen mit Helfern.

Mit ihren Side-by-Sides von Polaris, Kymco und Kawasaki können die Helfer der DLRG in Haffkrug-Scharbeutz an der Ostsee ihre Übungen und Einsätze bedeutend schneller absolvieren. Das ist in erster Linie sehr beruhigend für die zahlreichen Bade- und Feriengäste, die das ganze Jahr über, aber vor allem im Sommer, den Küstenort aufsuchen. Selbst Geländewagen vom Typ eines Land Rovers sind kaum in der Lage den weichen Sandstrand so zügig zu durchpflügen wie die vielseitigen Tausendsassas der Fahrzeugindustrie. Der Leiter des hiesigen Rettungsdienstes, Peter Franz, berichtet von erheblichen Arbeitserleichterungen: „Wir sind im Notfall schneller an Ort und Stelle und haben das nötige Equipment bereits an Bord. Besonders das wassern – „slippen“ – der Rettungsboote geht fix.“ Wertvolle Sekunden, wenn es drauf ankommt. Den großen Strandabschnitt bestreifen seine Leute regelmäßig. Nicht allein in Seenot geratenen Menschen eilen sie zur Hilfe. „Unsere UTVs setzen wir ebenfalls im Suchdienst ein“, berichtet Franz. In der weitläufigen Landschaft verirren sich oft mehr Personen, als man vermutet. Vor allem ältere Menschen geraten in Schwierigkeiten, wenn sie sich beispielsweise verlaufen oder selbst überschätzt haben. Die Retter aus Scharbeutz haben für die Personensuche sogar eine Drohne an Bord eines ihrer Side-by-Sides.

Wandergebiete gibt es überall

„Wir haben im vergangenen Jahr unser Einsatzspektrum um ein weiteres Konzept erweitert: Das Modul “Geländerettung / Transportsystem im Gelände” besteht aus einem Einsatztrupp mit je zwei Sanitätern und einem ATV“, berichtet Jörn Baye vom Deutschen Roten Kreuz in Kalefeld. Die Helfer der „DRK Bereitschaft Altes Amt“ betreuen Motocross-Rennen und Wandertage ebenso, wie zum Beispiel Karnevalsumzüge. Ähnlich wie ihre norddeutschen Kollegen vom DLRG stellt sie die Suche nach Vermissten in unwegsamem Gelände ebenfalls vor Herausforderungen. „Die Geländeeinheit besteht aus einem Unimog als Versorgungsfahrzeug und einem geländegängigem KTW (Krankentransportfahrzeug) auf Basis eines VW- Buses. Sie schaffen Material an schwer zugängliche Orte und stellen am Ende eine Patientenschonende Rettung sicher. Leider sind beide Fahrzeuge untauglich für die kleinen Wanderwege. Aber für die großen RTW (Rettungswagen) mit Kofferaufbau ist an vielen Stellen ohnehin längst Schluss“, berichtet Jörn. Das ATV soll hier die Lücke schließen – vom einfachen Waldweg zum schmalen Wanderweg oder sogar Querfeldein in den Wald, um den Notarzt und dringend benötigtes Material so schnell und so nah wie möglich zum Patienten bringen zu können.

Über diese Möglichkeiten verfügen seit ein paar Jahren auch die Rettungswachen im Kreis Aachen und Düren. Die beiden Städte teilen sich jeweils Gebiete der Eifel, zum Teil Kletterfelsen. In Richtung der belgischen Grenze sind Moore vorhanden, im Dürener Raum gibt es den Braunkohletagebau. Rettungsassistent Dirk Wilke erinnert sich an einen Winter: „Schnee-Chaos. Nichts geht mehr. Es gibt Leute, die gehen dann trotzdem raus, zum Beispiel mit dem Hund – ‚der muss ja‘. Klirrende Kälte, Schneegestöber, eisiger Wind. Ein Notfall tritt oft sehr schnell und unverhofft ein.“ Für diese Fälle und zur Fortbewegung auf den teilweise sehr weichen Böden, sind zwei Arctic Cats im Einsatz, die mit vom Händler BigAirMax mit Raupenketten ausgestattet wurden.

Umrüstung als Rettungsfahrzeug – die Händler haben eine Lösung

Die Händler der Umgebung stehen ihren Rettungsdiensten gerne mit Rat und Tat zur Seite. Tut es in der Eifel die Katze ohne weitere Umbauten, stellte die Bergwacht im Schwarzwald beispielsweise an das Team von Black Forest Quad schon mehr Ansprüche. Auf der Can-Am Outlander 6×6 wurde eine Plattform mit Rohrrahmen für unterschiedliche Aufgaben montiert. Einerseits dient diese zur Aufnahme eines Sitzes für den Notarzt, aber auch als Haltepunkt für verschiedene Tragesysteme. Ein klappbarer Bügel nimmt die Signalanlage auf, samt Blaulicht und Martinshorn. Der Händler erreichte eine Straßenzulassung als Sonder-Kfz-Bergwacht in einer Einzelabnahme.

Jörn Bayes Retter entschieden sich für eine CFMOTO 520, da es zur Zeit der Anschaffung eines der wenigen Fahrzeuge auf dem Markt war, welches bereits den neuen EU-Richtlinien entsprach. „Wir wollen im Rahmen der Hilfsorganisationen rechtlich auf der sicheren Seite sein.“ Die 520er war preislich interessant, gerade auch weil ein Händler mit Werkstatt direkt vor Ort ist. „Weiterhin hat uns die Größe überzeugt, die bequeme Sitzposition zu zweit aber auch die ausreichende Zuladung. Dabei trotzdem wendig genug für enge Waldwege“, berichtet Jörn aus der Praxis.

Die Berge stellen uns vor besondere Herausforderungen

Teilweise ins Extreme gehen die Einsätze im Gebirge. Im Ernstfall benötigt die Bergrettung ein Fahrzeug, auf das sie sich verlassen kann. Denn sie muss schnell und zuverlässig durch entlegenes Gebiet zum Verunfallten gelangen, ihn in jeder Situation bergen und zu einem sicheren Ort oder ins nächste Krankenhaus transportieren. In den Alpenregionen beispielsweise ist das aufwändiger als anderswo. Darum stellen die Rettungshelfer sehr spezielle Anforderungen an ein Fahrzeug – sowohl im Hinblick auf Geländetauglichkeit, Robustheit und Sicherheit als auch bei Transportmöglichkeiten von Verletzten und Stauraum für das umfangreiche Equipment. Der Polaris Händler Vonblon Maschinen GmbH gilt für die österreichische Bergrettung als erste Anlaufstelle.

„Wir arbeiten seit 2004 eng mit der Bergrettung zusammen und entwickeln für sie regelmäßig neue Fahrzeuge, die wir entsprechend ihren Wünschen umrüsten“, sagt Gerold Vonblon, der Geschäftsführer. „Dabei nutzen wir die ATVs und Offroad-Fahrzeuge von Polaris als Basis.“ Für die Beschaffungsdienste der Rettungsorganisationen hat dies den Vorteil, dass man vorab die passenden Produkte aus dem umfangreichen Zubehörkatalog auswählen und bestellen kann. Darüber hinaus werden auf Wunsch auch Sonderanfertigungen hergestellt. Vonblon hat zum Beispiel in Abstimmung mit der österreichischen Regierung ein Raupensystem entwickelt, das auch für die Straße zugelassen ist. Die Polaris RANGER sind mit einer speziellen Rettungsplattform auf der Pritsche ausgestattet, damit Verunglückte sicher den Berg hinab transportiert werden können. Mit ihren Spezialfahrzeugen können die Rettungskräfte selbst unwegsame Berggipfel erreichen, die maßgeschneiderten ATVs können sogar zwei bis drei Personen befördern. Deutlich effektiver als herkömmliche Systeme für den Krankentransport.

„ATVs sind für uns bei allen Anforderungen das Nonplusultra“, sagt Herbert Figl, Fahrzeugreferent der Bergrettung Tirol. „Durch die Montage von Raupenkits ermöglichen sie uns, auf jedem Untergrund zu fahren – egal ob Schnee, Schlamm oder Asphalt. Sogar auf Eis kommen wir mit den erhältlichen Spikes voran. Damit können wir ein Fahrzeug für unterschiedlichste Bereiche einsetzen, was unsere Arbeit enorm erleichtert und kostengünstiger macht. Denn so muss der Patient nicht von einem Fahrzeug zum anderen bewegt werden.“ Er verweist auch auf die vergleichsweise enorme Anhängelast.

Die auch in Bayes Kreisverband Osterode am Harz geschätzt wir. Dort gibt es zwei weitere Organisationen, die die Geländerettung betreiben und von der CFMOTO unterstützt werden. Eine der Einheiten verfügt über einen ausgebauten Land Rover Defender und die andere – das QSMT (Quad Supported Medical Team e.V.) – eilt mit drei ATVs zur Hilfe. Für Großschadenslagen, Veranstaltungen und länger andauernde Einsätze verfügen sie über eine mobile Intermediate Care Unit, die eine umfangreiche Diagnostik und Raum für (teilweise) intensivmedizinische Therapie bietet. Dieses Modul ist auf einem Anhänger verlastet und kann somit auch fast überall eingesetzt werden.

Zurück an den Strand

Ganz andere Ausrüstung haben die Rettungsschwimmer inzwischen verladen. Auf dem Dach ihrer Side-by-Sides sind die Rettungsbretter verzurrt, die als Schwimmhilfen dienen, wenn die ehrenamtlichen Helfer weit raus schwimmen müssen. „Sie zu tragen kostet Kraft, die beim anstrengenden Schwimmen besser eingesetzt ist“, fasst Peter Franz zusammen. Ohne die geländegängigen Helfer ginge an dem rund 20 Kilometer langen Abschnitt sowieso kaum noch was. „Gut, dass wir die Fahrzeuge haben!“ Eine Meinung, die viele seiner Kollegen in vielen anderen Organisationen teilen werden.

Text: Kerstin & Ralf Wilke, Polaris

Fotos: Kerstin Wilke, Ralf Wilke, Jörn Baye, BFQ, Polaris

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