Die Fee

Geschrieben von am 24. Januar 2021 in Allgemein, Szene

Wilde Geschichten ranken sich um die legendäre Yamaha YFZ 350 mit dem Beinamen Banshee. Die Todesfee soll mit ihrem Wehklagen den nahen Tod eines Familienangehörigen ankündigen, so eine Variante der Sage.

Vielen mag das einen kalten Angstschauer über den Rücken jagen. Einem Quadfan wird das Zweitakt-Gekreische der Shee eher eine wohlige Gänsehaut verpassen. So ist es auch Thomas Gernhardt ergangen, der uns hier von seiner persönlichen Geisterfahrung berichtet.

Thomas ist Offroader mit Leib und Seele. Der 38-jährige Dresdner war schon als Steppke mit 13 vom Motocross infiziert. Dort fuhr er auch in der Sachsenmeisterschaft um Podestplätze mit. Als er jedoch 2002 beim Training einen heftigen Unfall hatte, musste er das leidenschaftlich betriebene Hobby aufgeben. In den folgenden Jahren wurde Thomas immer wieder von seinen Wunschträumen eingeholt, wieder mal einen 2-Takter zu fahren. Im Internet ist er bei seinen Nachforschungen dann zufällig auf die Yamaha Banshee aufmerksam geworden. OK, kein Motorrad, aber der Zweizylinder mit den zwei Takten, der unbändig hohen Drehzahl und sagenhaften Leistung von über 50 PS aus nur 350 Kubikzentimetern Hubraum. Das war genau sein Ding. Der damalige Zustand des angebotenen Fahrzeugs ist ehrlich gesagt weit weg von „Top Zustand“, aber das war Thomas egal, bzw. hat er das bewusst in Kauf genommen. Apropos Kauf, er hat die Kiste also vom Vorbesitzer am Tag vor seinem 32igsten Geburtstag übernommen und ist erst mal glücklich von Dannen gezogen. Die Yamaha aus dem Baujahr 1997 wurde zunächst mal nur soweit instandgesetzt, um den TÜV von einem weiteren zweijährigen Lebensabschnitt zu überzeugen, was tatsächlich ohne viel Aufwand gelang.

Die Hexe brennt

Es folgten anderthalb Jahre Fahrspaß, bis zu einem plötzlich aufgetretenen Kabelbrand, der eine schwerwiegende Entscheidung forderte. Entweder sollte die Hexe im ewigen Fegefeuer ihr Dasein beenden, oder wie Phoenix aus der Asche – unter Einsatz von viel Asche – auferstehen und ein neues Leben beginnen. Thomas hat sich zum Glück richtig entschieden und der Banshee ewige Treue geschworen. Dazu wurde das Quad in jedes einzelne Teil aus dem es besteht zerlegt. Der nackte Rahmen und angeschraubte Anbauten wurden sandgestrahlt und anschließend teils weiß, teils schwarz pulverbeschichtet. Der Motor wurde mit einem Athena Big Bore Kit auf 392 Kubikzentimeter Hubraum erweitert und leistet seit dem ca. 65 PS. Zur Leistungssteigerung wurden noch viele weitere Maßnahmen ergriffen (siehe dazu auch die Mod-Liste). Zunächst hat Thomas sich eine Wunschliste erstellt und die Teile nach und nach organisiert. Erst dann hat er sich an den Wiederaufbau gemacht. Dabei kamen auch diverse Teile von anderen Quad-Modellen und Motorradmarken zum Einsatz, so zum Beispiel die Doppelkolbenbremssättel der Yamaha Raptor, Stoßdämpfer einer Yamaha R1 und ein Laderegler aus einer Ducati. Thomas wird allerdings in naher Zukunft noch auf ein H&R Gewindefahrwerk umrüsten, um die enorme Geschwindigkeit sicher auf die Straße zu bringen. Das Thema Speed steht dabei aber nicht im Fokus – obwohl in der aktuellen Version sollten locker über 150 km/h möglich sein. Thomas hat es sich bisher aber verkniffen, das tatsächlich der Fee abzuverlangen. Sehr vernünftig.

Auferstanden

Im vergangenen Jahr besuchte Thomas zum ersten Mal mit Freuden das Quadtreffen in Pullman City im Harz. Seine Kumpel hatten ihn fast schon überreden müssen, seine Banshee den diversen Wettbewerben zu stellen. Also meldete er sich und sein Quad zu „Show & Shine“, sowie zum Beschleunigungsrennen auf der Harzer Meile an. Bei der abendlichen Siegerehrung war die Überraschung schon ziemlich groß. Nicht nur, dass er mit der Banshee den zweiten Platz in der Klasse bis 500 ccm bei den Beschleunigungsrennen belegte, beim prestigeträchtigen Wettbewerb „Show & Shine” wählte die Jury seine Banshee auf den ersten Platz. Auch das Publikum sah trotz zahlreicher extrem schöner Umbauten die am Wettbewerb teilgenommen haben, ebenfalls die Banshee ganz vorn. Was wieder einmal bestätigt, dass einmalig klassische Yamaha Modell mit der jahrelangen Historie steht bei vielen Quadfans noch immer ganz oben auf der Liste. Wir sagen, zu Recht und wünschen Thomas noch viele gemeinsame Jahre mit diesem ganz besonderen Fahrzeug.

MOD-Liste

  • Athena Big Bore mit 392 ccm
  • Hot-Rods Kurbelwelle
  • Mikuni TMX 30 Powerjet Vergaser mit offenen Luftfiltern
  • Carbon Membrane
  • Geänderte CDI
  • DMC 916, Komplett-Auspuffanlage
  • Lichtmaschine angefertigt mit +Watt und +Ladestrom
  • Laderegler von Ducati
  • Alba A-Arms, Plus 2 Zoll
  • Pro Axle Hinterachse
  • Stoßdämpfer von Yamaha R1
  • Nerf Bars mit Heelguards, Alu poliert
  • Verstärkte Spurstangenköpfe aus Edelstahl
  • Großer Kühler aus Aluminium
  • Kabelbaum komplett neu gefertigt
  • Stahlflex Bremsleitungen vorn und hinten
  • Brembo Bremspumpe vorn
  • Doppelkolben-Bremssättel vorn von Yamaha Raptor
  • VBW Silver Dreams Felgen, vorn 8×10 mit 195/50/10 und hinten 10×10 mit 225/40/10 MAXXIS SPEARZ Bereifung
  • Domino Doppelzug Gasgriff
  • ZAP Kupplungsarmatur
  • Gehäuse für Tacho und Zusatzinstrumente aus GFK, mit Alcantara bezogen
  • Sitzbank mit Alcantara bezogen
  • Verkleidung in Imperialblau (Ford) lackiert
  • Verkleidung mit hochwertigem Dekor versehen
  • Lichtanlage auf LED umgebaut mit Highsider, Auf- und Abblendlicht getrennt, hinten 3 in 1 Lichter von Kellermann

 

Magazinbeitrag aus 03/2018

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