Was ist Customizing?

Geschrieben von am 6. Dezember 2020 in Allgemein, Szene

Tiefer legen, schneller machen, Leistung steigern, Umbauen – all das ist Customizing. Oder doch eher der Ausdruck eines Lebensgefühls?

Schauen wir im Duden nach, so definiert das Regelwerk der deutschen Sprache Customizing als Dinge oder auch Prozesse, die maßgeschneidert nach den Wünschen des Kunden – englisch Customer – angepasst wurden. Sogar Parfüm lässt sich beispielsweise nach eigenen Wünschen kreieren. Customizing an Fahrzeugen dient in der Regel der Leistungssteigerung, aber auch der Umsetzung aller sonstigen Wünsche von deren Eignern.

Grundlage bilden meistens Serienfahrzeuge, die für den Einsatz ihres Fahrers angepasst wurden. Etwa mittels optischer Umgestaltung, dem Anbau von Accessoires oder Lackierung. Damit wäre schon die Montage eines Heckkoffers bis hin zum Umbau für einen Jäger etwa mit Waffenhalterungen und Wildkörben, im Sinne der Bedeutung schon als Customizing zu bezeichnen. Umgangs- und szenesprachlich verstehen wir aber die technisch oft aufwendigen Umbauten von Quads für den Straßeneinsatz. Serienfertigung wie bei Exeet zum Beispiel oder auch die Unterstützung durch einen Händler fallen in diese Kategorie. Ebenso die Tüftelei in der heimischen Garage.

David und die Quads

Der 20-jährige David Krohn aus Jülich begeistert sich schon seit Kindertagen für die Vierräder, weil seine Eltern beide Quadfahrer sind. „Meine Mutter fährt eine 300er Kymco und mein Vater eine TGB Blade“, erzählt er. „Da durfte ich oft mitfahren und hatte viel Spaß daran. Vor allem daran, auf dem Grundstück meines Großvaters selber Runden zu drehen!“ Die Blade konnte David eines Tages von seinem Vater übernehmen, der auf eine größere Maschine umgestiegen war. Doch Langfinger bescherten dem damaligen Führerscheinneuling ein jähes Ende seiner Freude.

Während einer Tour in den Niederlanden stahl man ihm das ATV. Nun war guter Rat bzw. ein adäquater Ersatz teuer. „Als Azubi verdient man halt nicht so viel, dass ich in einen Laden spazieren könnte und einfach bestellte“, sagt David, der im Sommer seine Ausbildung zum Dachdecker abschließen wird. Also wurde gesucht. Im Netz fand er schließlich eine Suzuki LTZ 400 für 2.000 Euro.

Der Zustand war nicht optimal, und so entschied der günstige Preis mit über die Kaufentscheidung. Die vorhandene LoF-Zulassung war optisch nicht schön umgesetzt worden. „Die Lampen sahen unmöglich aus. Zudem waren sie defekt.“ Was an der desolaten Elektrik lag, die wegen diverser Stromdiebe und Kabelbrüchen mehr oder weniger funktionsuntüchtig war. „Die Kabel stammten von einem Traktor!“ Alles muss raus lautete Davids Devise als er sich an die Arbeit machte. Kabelsalat raus, Plastik runter, Rahmen nackig machen. „Es war teilweise schlimmer, als vermutet“, erinnert sich David, der aber dann aus der Not eine Tugend machte. „Der Motor war zum Glück in Ordnung. Optisch konnte ich dann aber ja machen, was ich wollte.“ Und da die finanziellen Möglichkeiten begrenzt waren, fing er an zu experimentieren.

Eine Lebenseinstellung

Der Rahmen wurde zunächst grundiert und lackiert, nachdem er gründlich von Rost und Dreck befreit worden war. Alle Lager überholt und frisches Fett wirkt oft Wunder. „Mir war wichtig, dass die Suzi zunächst nahe am Original bleibt. Erstens muss ich mich dann nicht mit Tuningteilen rumplagen, die verrecken und zweitens ist die Maschine technisch und leistungsmäßig bisher für mich absolut ausreichend.“ Doch sollte die LTZ auch ihren Besitzer widerspiegeln. Der Großvater ist inzwischen verstorben. David, der eine enge Bindung zu ihm hatte, wollte ein Stück weit Erinnerung transportieren. So stellt die Buchstabenkombination auf dem Kennzeichen eine Hommage an den alten Herrn dar, vor allem aber das Airbrush auf dem Unterfahrschutz. „Mein Opa war zeitlebens LKW-Fahrer und das auch mit Leidenschaft. Oft war ich mit auf Tour.“ Und so ziert ein Trucker-Motiv das Bauteil.

Aber auch andere Lebensbereiche finden sich auf der Suzuki wieder. Das Zunftzeichen der Dachdecker oder das Emblem seiner Pfadfindergruppe zum Beispiel brachte David per Sprühdose auf. Der Clou ist allerdings, dass er die Technik der Sprühfolie perfektioniert hat. „Eine tolle Methode, den teuren Kunststoff zu schützen und gleichzeitig die Farbe zu gestalten.“ So trug er zunächst die schwarze Masse gleichmäßig auf, um sie später mit Schablonen weiter zu bearbeiten. „Und wenn ich das Design mal leid bin, ziehe ich es einfach ab und sprühe neue Folie auf.“

Dass die Maschine nicht dem gängigen Klischee der Custom-Quads entspricht ist klar. „Das kommt vielleicht auch noch irgendwann“, sagt David, „aber im Augenblick bin ich froh, dass ich alles mit dem Quad machen kann – von Touren in die Eifel bis hin zu Geländeritten. Aber vor allem habe ich ein großes Stück Freiheit erlangt.“ Mit den Kumpels der Quad & ATV-Freunde Düren oder Freunden auf zwei und vier Rädern durch die Gegend fahren ist das Eine. Das Andere ist die Aktion „Quadkinder“, die in der Szene großen Anklang und Unterstützung findet. Benachteiligte Kids auf den Quads eine Runde mitnehmen. „Von meiner Kindheit her weiß ich, wie schön das ist. Gerne gebe ich davon was zurück mit meiner Suzuki.“ Customizing – jeder so wie er mag. David mag es so wie es grade ist. Customizing in ursprünglicher Form.

Text: Ralf Wilke

Fotos: Ralf Wilke, David Krohn

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