Mad Max Reloaded

Geschrieben von am 19. Januar 2017 in Allgemein, Szene

So mancher Quadfan ist seinem Hobby mit Haut und Haaren verfallen. Christian Schneider aus Flensburg ist so einer. Sein R1 Dragster-Umbau ist jedenfalls einzigartig.

Die Traumfabrik Hollywood hat seit jeher die Phantasie der Menschen gefüttert. So hat der vierte Teil der Mad Max Reihe einen bleibenden Eindruck bei Christian Schneider hinterlassen, der bei der Gestaltung seines ganz persönlichen Fahrzeugs extreme Ideen ohne Furcht umgesetzt hat. 

Christian ist für uns kein Unbekannter. Bereits mit zwei seiner Custom-Quads war er schon bei uns im Magazin vertreten. Seiner Vierzylinder-Banshee im Jahr 2012, folgte die Präsentation der Yamaha Raptor R1 Interceptor. Seit gut zehn Jahren ist Christian vom Quadvirus infiziert und hat in dieser Zeit viel Wissen um die besondere Technik und die speziellen Fahreigenschaften von Quads gesammelt. Sein letztes Projekt, die erwähnte Interceptor, war schon eine ganz besondere Fahrmaschine. Durch den verbauten R1 Motorrad-Motor rannte das Quad gnadenlose 265 km/h. Das durch die bewegten Massen insbesondere an der Hinterachse die Fahrstabilität extrem nachließ, war Christian immer bewusst. Deshalb wurde die Endgeschwindigkeit nur sehr selten erreicht. Er nutzte jede Gelegenheit mit Fachleuten über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Darunter auch Cam-Am Ingenieure, die Christian in einem Gespräch die Vorzüge einer Dreirad-Konstruktion a la Spyder näher brachten. Es dauerte aber noch, bis Christian von Visionen geflutet wurde. Ein Kinobesuch des besagten Mad Max „Fury Road“ brachte die Erleuchtung. Die besondere Stimmung des Endzeitfilms und die gezeigten Fahrzeuge hinterließen bleibende Eindrücke, die Christian fortan nicht mehr losließen. Der Entschluss stand fest, sein Interceptor Quad musste für eine Metamorphose der extremen Art herhalten. Das Projekt Mad Max Dragster war geboren und sollte unaufhaltsam zu seiner Vollendung getrieben werden. Ein Dreirad das neben der schieren Power des Yamaha-Motors auch mit exzellenter Fahrbarkeit auftrumpft, das hat es in Deutschland bisher nicht gegeben.

Keine Angst, keine Kompromisse

Das Christian seine geliebte R1 Interceptor mit seinem Entschluss zum Umbau zur Schlachtbank führen musste, tat nur am Anfang weh. Zumindest solange die technischen Probleme und Herausforderungen noch im Raum standen. Durch seine bisherige Erfahrung im Custom-Bereich standen am Anfang natürlich lange Gespräche mit anderen Fachleuten und Sachverständigen. Die bescheinigten ihm zwar allesamt, dass er vollkommen verrückt wäre, aber wenn er insbesondere das Problem der Hinterradschwingen-Konstruktion in den Griff bekommen kann, dann wäre auch eine TÜV-Abnahme machbar. „No risk, no fun!“ Mit diesem Gedanken machte sich Christian auf die Suche nach Spezialisten, die ihm bei der Umsetzung seiner Träume helfen würden. Nach einigen Enttäuschungen landete er schließlich mit einem Anruf bei Frank Röhlich, der sich mit seiner Firma RF-Biketech (www.rf-biketech.com) insbesondere mit seinen Kawasaki-Umbauten einen Namen in der Customizing-Szene gemacht hat.

Ein absoluter Volltreffer, denn auf Anhieb stimmte die Chemie. Erst als Frank Röhlich die Frage nach dem Motorradmodell stellte, für die Christian eine breite Schwinge sucht, war kurz Verwirrung angesagt. „Für ein Quad?“ Die Verwirrung wich schnell der Bewunderung für das Vorhaben und Frank Röhlich war mit im Boot. Christian ging die technischen Schwierigkeiten sofort an. Messen, messen und nochmal messen. Die Vorgaben musste Christian schon selbst festlegen. Neben seinen Messergebnissen und Skizzen schickte er auch gleich die vorhandene Quadschwinge als Muster zur Bearbeitung nach Nürlingen zu RF-Biketech. Auch die Frage nach dem passenden Hinterreifen wurde mit Frank Röhlich im Vorfeld diskutiert. Der hatte jedenfalls Hochachtung für die Visionen und Ideen seines neuen Kunden, auch wenn er keine Garantie auf Machbarkeit des Vorhabens geben konnte. Und billig würde das Ganze auch nicht werden. Ein 300er Hinterreifen sollte mindestens in die Schwinge passen, das war Christians Vorstellung. Das wiederum war dann auch der Grund für die extravagante Kettenführung über ein Zwischenritzel. Es sorgen also gleich zwei Ketten für die Kraftübertragung vom Motor zum Hinterrad. Nach reiflicher Überlegung und einigem Ausprobieren war auch die Felgengröße endgültig bestimmt. 15 Zoll sollten es werden, die entsprechende Felge wurde ebenfalls gleich bei RF-Biketech in Auftrag gegeben. Die dreiteilige Schmiedefelge und die Einzelanfertigung der Kastenschwinge sollten am Ende mit rund 5.500 Euro den größten Kostenfaktor des Umbaus darstellen.

Zeit der Ungewissheit

Auf seiner nagelneuen Hebebühne zerlegte Christian also sein mit so viel Mühen aufgebautes Custom-Quad in alle Bestandteile und schickte die Schwinge als Muster auf Reisen zu RF-Biketech. Es war jetzt an der Zeit, sich über den Rest des Umbaus Gedanken zu machen. Grob hatte er ja schon eine Vorstellung, aber ihm schossen immer wieder die Bilder des Mad Max Films durch den Kopf. Er malte sich Szenarien aus, die auch im Film hätten vorkommen können. Was hätte der Titelheld wohl mit einem abgestürzten Düsenjet und einem havarierten Motorrad angestellt? Klar, eine besondere Fahrmaschine zusammengebastelt. Genau so ging Christian an sein Projekt. Drei Tage lang hat er an seinem Mac an einem Entwurf gearbeitet. Das Bild sollte dem späteren Ergebnis schon sehr nahe kommen, wie sich später herausstellte. An dieser Stelle kommt ein (namenloser) Kollege mit weitreichenden Talenten in der Airbrush-Lackiertechnik ins Spiel.

Der hat schon viel gesehen, aber er war sofort Feuer und Flamme für den Auftrag, dem Mad Max Dragster eine einzigartige Hülle zu verpassen. Christians Vorgaben waren dank der Entwürfe eindeutig und detailliert. Da sollte nichts schief gehen. Also landeten die zu lackierenden Teile von Christian bereits fertig vorbereitet im Kofferraum des Kollegen. Während also alle wichtigen Arbeiten angeschoben waren, die Christian nicht selbst ausführen konnte, machte er sich an die Gestaltung der übrigen Fahrzeugbereiche. Diverse Abdeckungen und die Frontmaske bestehen aus Stahlblech, das in mühseliger Handarbeit angepasst wurde. Um einen gewissen „Rat-Style“ zu erzeugen, sind die Bleche mittels Brenner bearbeitet.

Die Auspuffanlage sollte ebenfalls etwas ganz besonderes werden. Nach langer Recherche im Internet stieß Christian auf eine Anlage von Speed Pro mit dem Namen Cobra Hypershots. Diese Anlage passte wie die Faust aufs Auge und sollte ein optischer Höhepunkt des Mad Max Dragster werden. Das Beste daran, die Vier-in-Vier-Anlage hat sogar eine E-Zulassung. Zwei Monate hat es gedauert, bis sich Frank Röhlich von RF-Biketech meldete. Die Schwinge war endlich fertig und die gewünschte Felge ebenfalls. Per Spedition geliefert, lagen die Teile nun komplett für den Einbau in der Werkstatt bereit. Der Einbau ging relativ problemlos über die Bühne, alles hat auf den Millimeter gepasst. Spät in der Nacht war der Zusammenbau dann geschafft. Glücklich und zufrieden meldete Christian telefonisch bei Frank Röhlich die erfolgreiche konstruktive Fertigstellung. Kurz darauf war auch der Airbrush fertig, also ging es schlagartig weiter mit der Vollendung des Projektes Mad Max Dragster. Die Lackierung ist ein echtes Highlight und auf den Punkt genau auf das Gesamtfahrzeug abgestimmt.

Traum verwirklicht

Grau ist alle Theorie, so sagt man. Aber der Mad Max Dragster ist ebenfalls grau und der ist alles andere als Theorie. Trotzdem, um den Traum in die Realität umzusetzen, fehlte noch ein entscheidender Schritt. Die Probefahrt stand an und sollte über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Kurz gefasst, das Dreirad liegt satt auf der Straße und fährt wie auf Schienen. Von der brutalen Motorpower und der extremen Beschleunigung hat der Mad Max Dragster durch den Umbau nichts eingebüßt. Ganz im Gegenteil, denn das einzeln angetriebene Hinterrad reduziert die bewegten Massen und minimiert Schwingungen bei hohen Geschwindigkeiten. Allerdings musste dafür noch der richtige Gummi gefunden werden. Das war gar nicht so einfach, denn aus dem Motorradbereich konnte kaum ein Reifen den enormen Anforderungen genügen. Aber es gibt ja nichts was es nicht gibt, so fand Christian eine Pelle von Michelin mit der Bezeichnung TB 5 F, die mit extrem weicher Mischung für den nötigen Gripp sorgt. Insofern alles OK. Eine kleine Hürde stand aber noch an. Um die Schwinge und Rad-Reifen-Kombination abzunehmen, musste das Fahrzeug zu RF-Biketech.

Im Sprinter wurde die einzigartige Fracht nach Bad Kissingen gebracht. Durch die qualitativ hochwertige Arbeit von Frank Röhlich war die Eintragung aber nur ein symbolischer Akt, alles ging reibungslos über die Bühne. Christian hat mit dem Bau des Mad Max Dragster seinen Traum von einem einzigartigen Fahrzeug in die Realität umgesetzt. Fachkundige Unterstützung hat er dabei gesucht und auch gefunden. Und wieder eine Menge dazugelernt, wie er nicht ohne Stolz erzählt. „Wenn Du eine Vision hast von etwas Einzigartigem, etwas was nur Dir gehört, dann leg los. Ich hab mir meinen Traum jedenfalls wahr gemacht!“ Vielleicht genießt Christian jetzt erst mal eine Zeit lang seinen persönlichen Erfolg. Vielleicht klingelt aber auch schon bald wieder das Telefon in der Redaktion und wir erfahren vom ersten fliegenden Quad mit Düsenantrieb. Nach den bisherigen Erfahrungen würde uns das nicht wundern.

Wie wir vermutet haben, Christian hat schon wieder neue Pläne. Um die umsetzen zu können, muss er sich jetzt von seinem Meisterstück verabschieden. Die R1 Dragster steht also zum Verkauf. Bei Interesse könnt Ihr Euch das Fahrzeug auf dem Online-Marktplatz mobile.de anschauen: 

http://suchen.mobile.de/motorrad-inserat/yamaha-r1-dragster-trike-einzelst%C3%BCck-can-am-spyder-flensburg/237927617.html

 

Fotos:Nona Arabuli

Bildbearbeitung: Dirk Sengotta (www.imageyourcar.com)

Text: Frank Meyer

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