Einzigartige Aktion

Geschrieben von am 24. Juli 2016 in Allgemein, Szene

Quad fahren und dabei noch Gutes für die Allgemeinheit tun, das ist gar nicht so selten. In den letzten Jahren haben Quadfahrer immer wieder mit Spendenaktionen Aufsehen erregt. Die Quad/ATV Junkies haben jetzt noch mal eine Schippe drauf gelegt.

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Das Kinder-Hospitz „Balthasar“ in Olpe wurde gerade mit einem Spendenbetrag von fast 21.000,00 Euro unterstützt. Die Einrichtung, die sich um sterbende Kinder mit vorwiegend Krebserkrankung und deren Eltern kümmert, wurde 1998 ins Leben gerufen. Wie viele andere karitative Einrichtungen ist auch das Haus Balthasar von privater Unterstützung abhängig. Eine private Spende in dieser Höhe ist deshalb ein echter Segen für alle Beteiligten. Im Zusammenhang mit dem Ereignis von Freude zu sprechen, erscheint unangebracht. Aber die Realität ist einfach nicht wegzudiskutieren und mit dem Geld wird unerträgliches Leid von kranken Kindern und deren Angehörigen gemildert. Eine gute Sache. Wie es dazu kam, was die Beteiligten anspornte und was aus dieser vorläufig einzigartigen Aktion noch entstehen könnte, erzählt uns der Initiator der „Spendenaktion Balthasar“ und Gründer der Facebook-Gruppe „Quad/ATV Junkies“, Marko Neumann, der in der Quadszene als „White-Joker“ im ganzen Land bekannt ist.

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„Mein Name ist Marko Neumann, ich bin 57 Jahre alt und wohne im idyllischen Ruhrstädtchen Herdecke. Seit etwa sieben Jahren habe ich mich dem Hobby Quad fahren verschrieben. Ich fahre  einen vor zwei Jahren sehr aufwändig umgebauten 700er Rappen, also eine YFM 700R von Yamaha. Wobei es mittlerweile über einen Vierzylinder-Motor und Custom-Umbauten von Exeet verfügt. Das Fahrzeug ist veredelt mit Joker-Airbrush-Motiven. So bekam ich den Nicknamen „White-Joker“ und höre auch darauf ;-).

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Vor vier Jahren gründete ich die Facebook-Seite „Quad/ATV Junkies“. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und dank meinem Ehrgeiz hat sich die Seite doch sehr gut entwickelt und wird von der Quadszene regelmäßig besucht. Gute 8.500 Likes zeugen davon. Wie aus dieser bis hierher noch relativ normalen Geschichte ein so großer Erfolg für eine Spendenaktion werden sollte, hat leider einen sehr traurigen Hintergrund. Im Frühjahr 2015 verunglückte in Hildesheim ein Quadkollege mit seinem zehnjährigen Sohn leider Gottes sehr tragisch. Beide kamen bei einem Unfall mit einem ATV ums Leben. Als ich davon erfuhr, habe ich seinerzeit einen Spendenaufruf für die Familie über die Facebook-Seite gestartet. In ca. drei Wochen kamen damals rund 1.300 Euro zusammen. Alles Spenden von Usern und Freunden der „Quad/ATV Junkies“. Nach Abschluss der Aktion wurde ein symbolischer Scheck gefertigt und ich fuhr mit ein paar Freunden mit dem Quad nach Hildesheim um diesen dort den Hinterbliebenen zu überreichen. Der Spendenaufruf wurde damals als extrem positiv bewertet und bald kamen Stimmen auf, ähnliche Aktionen für Bedürftige durchzuführen.

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Die Frage war aber, für wen? Bedürftige gibt es in Deutschland mehr als genug. Ich startete eine Umfrage, bei der sich vermehrt User mit dem Begriff Kinder-Hospitz zu Wort meldeten. Nie zuvor hatte ich mich mit einem solchen Thema befasst. Google musste helfen und ich habe mich in dieses schwierige Themengebiet eingelesen. So stieß ich unweigerlich auf das Hospitz Balthasar, das sich als erste Institution in Deutschland im Jahr 1998 gründete. Ich erfuhr be meinen Recherchen, das sich dieses Haus zu rund 70 Prozent aus Spenden finanzieren muss, lediglich 30 Prozent der Kosten sind öffentliche Mittel. Das war für mich Grund genug, das Haus Balthasar als potenziellen Spendenempfänger in der Gruppe zu empfehlen. Nach telefonischer Vereinbarung fuhren meine Frau Marion und ich im November 2015 nach Olpe, um uns das Haus anzusehen und mit dem Hausleiter Herrn Rüdiger Barth über unser Vorhaben zu sprechen. Das wir – die Junkies – etwas für Balthasar tun wollen, kam natürlich Super gut an. Nach gut zwei Stunden verließen wir das Hospiz. Einen emotionaleren Tag hatte ich zuvor nicht erlebt. Für gesunde Menschen mit gesunden Kindern, übersteigt es fast die Vorstellungskraft, was betroffene Eltern mit ihren kranken Kindern dort durchleben. Aber wir waren doch erstaunt, wie fröhlich und lustig es dort zum Teil zugeht. Diese Menschen LEBEN einfach ANDERS und haben andere Prioritäten und Einstellungen!

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Kaum zu Hause fing ich an, mir Gedanken zu machen, wie man möglichst viel Geld sammeln kann. Die Ideen sprudelten nur so und fast jeder Gedanke wurde in die Tat umgesetzt. Ich zähle einfach mal einige Beispiele auf: Wir starteten zwei große Tombolas – ein Los kostete 10 Euro. Viele Sachpreise kamen zum Teil aus der Industrie, von Freunden, oder wurden gekauft. Wie z.B. als Hauptpreis einen Motorroller, eine GoPro-Kamera, Sitzbank-Stickereien, Helm-Airbrushs und vieles mehr. T-Shirts mit „Junkies -Emblem“ wurden verkauft, Feuerzeuge und andere Sachspenden wurden zum Teil versteigert, wie ein Shirt mit Unterschriften verschiedener Promis. Der Reinerlös aus dem Verkauf der Lose kam natürlich auch dem Hospiz zugute. Aber hauptsächlich waren es immer wieder Geldspenden die das Spenden-Sparschwein dicker werden ließen. Von Fünf Euro bis   zu Einzelbeträgen von 2000 Euro von Privatpersonen. Einfach unglaublich! Selbstgebastelte Spendendosen standen (stehen) in vielen Quad/ATV -Zubehörgeschäften die zum Teil prall gefüllt waren.

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Ein Highlight der Spendenaktion war eine im Mai 2016 durchgeführte „16 Bundesländer-Tour“. Zehn durchgeknallte Quad-Freaks starteten am 21.05. von Olpe durch ALLE 16 Bundesländer. Am 24.05. kamen wir zwar relativ erschöpft aber überglücklich wieder in Olpe an, wo wir von Medienvertretern, Hospiz-Mitarbeitern, Eltern/Kindern und jeder Menge „Junkies-Fans“ bejubelt wurden. Gut 2600 Kilometer wurden dabei abgerissen und weiter fleißig Spenden  gesammelt. Ich möchte es nicht versäumen, diese 9 Mitstreiter und Freunde (die wir auf dieser Tour so richtig geworden sind) hier zu benennen:

Jens Rudolf (Rudi von QRP), Daniel (Curry)- König, Andreas Paul, Martino Cesario, Rolf Kehnel, Thomas Stadler, Mirko Giorgino, Manfred Hardt und Klaus Daum.

Jungs, DAS war das geilste was ich jemals erleben durfte 😉

Als wir die Spendenaktion ins Leben gerufen haben, hatte ich mit ca. 2.000 bis 3.000 Euro als Maximalergebnis geliebäugelt. Nun freue ich mich ungläubig und dankbar über die Summe, die wir am Sonntag, den 17. Juli 2016 mit einem großen symbolischen Spendenscheck überreichen durften.

Zu diesem Anlass trafen sich morgens rund 30 Quad fahrende Unterstützer und Freunde zur gemeinsamen Fahrt nach Olpe zum Kinderhospitz Balthasar. Vor Ort kamen dann rund 70 Personen zusammen, die der Veranstaltung beiwohnten. Über einen Zeitraum von gut sechs Monaten wurde gesammelt und gespendet. Unfassbare 21.000,00 Euro wurden durch die Initiative der Quad/ATV Junkies gesammelt und bei der symbolischen Scheckübergabe dem Heimleiter Rüdiger Barth überreicht. Ein sehr emotionaler Moment für alle Beteiligten.

Damit diese Geschichte nicht einfach nur ein Ende hat, sondern ein „HAPPY-END“, haben wir beschlossen nach der Scheckübergabe nicht einfach Tschüss zu sagen. Wir werden weitermachen – weitermachen für Balthasar! Wir werden also eine Art Patenschaft übernehmen, weil es uns die Kinder und das Haus einfach wert sind.

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Ich danke an dieser Stelle nochmals allen Spendern, Unterstützen und aktiven Helfern, die dieses unglaubliche Ergebnis möglich gemacht haben. Ich bin stolz ein Teil dieser geilen Community sein zu dürfen! Facebook kann also durchaus auch für was gut sein. Daumen ganz hoch!!!!

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Euer Marco Neumann aka „White-Joker“

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