Wie in alten Zeiten

Geschrieben von am 15. November 2021 in Allgemein, Szene

Die Quads haben’s derzeit nicht leicht. Veränderte Zulassungsbedingungen und der Markt allgemein rütteln die Hecktriebler mächtig durch. Dabei sind sie es, die Emotionen wecken und uns schwärmen lassen. Wir zeigen drei Fahrzeuge, die die Geschichte der Quads beeinflussten.

Yamaha Banshee

Der Klang, der Geruch, das Tempo – und schon ist die Yamaha Banshee vorbeigehuscht. Noch lange liegt der Zweitaktduft in der Luft, man hört sie noch, da ist das Quad schon längst um die Ecke. Wer bitteschön kann sich der Faszination dieser Legende entziehen? Wahrscheinlich niemand, der auch nur ein wenig mit Quads zu tun hat oder sich für diese interessiert. Wer eine hat, der gibt sie nicht mehr her und spricht nahezu ehrfürchtig von ihr. Warum?

Markantes Design: Die Yamaha ist unverkennbar und prägte fast 30 Jahre lang den Markt.

Ein Blick ins Geschichtsbuch gibt eine mögliche Antwort: Als Yamaha 1987 die Banshee vorstellte, scherte sich niemand um Benzinverbrauch. Auch nicht für Straßentauglichkeit, Homologation oder andere Nebensächlichkeiten. Dafür galt die Aufmerksamkeit umso mehr der Technik des Sportlers. 350 Kubik verteilt auf zwei Zylinder, die gut 35 kW (52 PS) aktivieren. Das Antriebsaggregat stammt aus dem Straßenmotorrad RD 350, damals eines der sportlichsten Zweiräder überhaupt und eines, das noch heute für feuchte Augen bei den Fans sorgt. Anders als beim „Moped“ verzichtete Yamaha bei der Banshee auf eine Auslasssteuerung. Der Einlasskanal wird typisch mittels Membran angesteuert. Ein gut und klar schaltbares Sechsganggetriebe tut sein Übriges zum flotten Vortrieb. Die Banshee ist legendär. Kein andres Quad steht deutlicher für den amerikanischen Begriff aus dem Motorsport „High Performance“, wie dieses Quad bereits in Serie stand. Mit ihm verbindet man den Zweitakter schlechthin. Wer den Zweizylinder einmal gefahren ist, wird sich noch lange an den Adrenalinstoß erinnern, den das katapultartige Beschleunigungsverhalten auslöste. Die lange Präsenz auf dem Markt und im Sport bescherte der Banshee eine schier unübersehbare Zubehörpalette. 2011 erst stellte Yamaha die Produktion ein.

Honda TRX 250 R

Etwa zeitgleich schreibt Honda Erfolgsgeschichte. Die Japaner verpflanzten den Motor einer CR 250 R – seinerzeit das „Nonplusultra“ im Moto-Cross-Sport – in einen neuartigen Quad-Rahmen mit extrem tiefem Schwerpunkt und leichter Vorderpartie. Das Heck wurde abgesenkt. Schaut man sich heutige Sport-Quads an, so entdeckt man viel Ähnlichkeit mit diesem Konzept. Edelschmieden wie Walsh aus den USA kopieren die Konstruktion gar so weit, dass Honda-Plastik problemlos passt. Der erwähnte Motor ist wie bei der Banshee ein Zweitakter, jedoch mit nur einem Zylinder.

Perfekt: Tiefer Schwerpunkt, Heck abgesenkt, Vorhand leicht – so geht’s voran.

Der hat’s allerdings in sich und setzt ebenfalls rund 54 PS frei, die sich im oberen Drehzahlbereich tummeln. Zu finden war die TRX 250 R vornehmlich auf MX-Strecken, wo sie der Kawasaki Tecate und Suzukis „Quadzilla“ Paroli bieten musste. Trotz des großen Erfolges bei den Sportlern und der genialen Konstruktion, hatte das Fahrzeug nicht so lange Präsenz auf dem Markt. 1986 bis 1989 baute Honda den Racer, hielt aber noch einige Jahre die Ersatzteile bevorratet. Original-Teile sind heute schwierig und wenn, meistens nur aus den USA zu beziehen. TRX-Besitzer greifen aber auch auf die nachgebauten Teile der Tuning-Firmen zurück. Angeknüpft an seine große Zeit im Quad-MX hatte Honda zunächst mit der TRX 400, für die man in das an den Zweitakter angelehnte Chassis den Viertakter einer XR Enduro verpflanzte. Später gab es eine flüssiggekühlte 450er mit Viertakter, wiederum ein Pendant aus dem Zweiradbereich, nämlich der CR 450 R. Das Quad ist leider in Deutschland nicht mehr offiziell erhältlich, gehört aber immer noch zur hiesigen Szene und erfreut Crosser bei jedem Rennen. Kein Wunder – bei dem Chassis.

SMC RAM

Ja, richtig gelesen! In die Reihe jener Quads, die Geschichte schrieben, gehört die kleine Taiwanesin definitiv dazu! Ein Quad das geradezu einen Kaufrausch auslöste. So trug diese kleine Maschine zum Boom der Vierräder Anfang des Jahrtausends bei. Denn plötzlich waren sie da! Im Baumarkt, beim Fahrradhändler, im Motorradladen, im Internet, im Versandhauskatalog, bei sämtlichen Quad-Händlern… überall begegnete einem die 150er SMC.

Pionierarbeit: Die kleine SMC half den Quads in Europa auf die Sprünge.

Das Quad sollte ursprünglich den amerikanischen Freizeitmarkt bedienen. Schnell merkte man bei SMC aber, dass auch die Europäer nach günstigen Vierrädern verrückt sind. Das war der Beginn einer Verkaufsstrategie, die man kaum nachvollziehen kann. Die SMC Quads wurden auf den deutschen Markt gespült, waren dabei aber selten als SMC zu erkennen. Zumindest nicht an den unzähligen Namen, die die Importeure den Fahrzeugen gaben. Skyhawk, Kasea, Barossa, Kreidler, das sind nur einige davon. Richtig verwirrend waren dann auch die jeweils unterschiedlichen Modellbezeichnungen, wie Stinger, Tomahawk, Ram, Rex usw. Als kurz darauf dann auch noch die 170er Modelle nachgeschoben wurden, war die Verwirrung komplett. Nichtsdestotrotz, die SMC Quads waren gefragt. Das hatte es so bisher noch nicht gegeben: Ein bezahlbares Freizeitvehikel mit akzeptabler Qualität und sportlichem Charakter, da konnte man eigentlich kaum noch dran vorbei gehen. Auch die Quadwelt-Testcrew hatte das ein oder andere Mal das Vergnügen, die Fähigkeiten dieses damaligen Preisbrechers auszuloten. Dem Nachwuchs eröffnete das Vierrad ungeahnte Chancen. Erlaubt war leichtes Fahrwerks- tuning, keines jedoch an dem Einzylinder. So trafen sich die ersten Jugend-Crosser auf vier Rädern an den Startgattern auf gleichwertigen Quads. Einige von den damaligen Youngstern sind heute erfolgreiche Quad-Piloten. Und noch mehr Menschen, die über die 150er / 170er überhaupt erst zum Quadfahren kamen, steuern heute Boliden mit deutlich mehr Kubik und noch mehr Begeisterung.

Jetzt mitmachen!

Es gibt noch etliche Quads, die man an dieser Stelle aufzeigen könnte – nein, müsste! Okay – wir freuen uns über alle Posts auf Facebook und Eure Vorschläge zu legendären Quads.

Text: Ralf Wilke
Fotos: Quadwelt; Hersteller

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