See you later Alligator

Geschrieben von am 14. November 2020 in Allgemein

Rekord! So oft war bisher noch kein Leser mit einem privaten Custom-Projekt in der Quadwelt vertreten. Christian Schneider zeigt uns mit seinem Power-Buggy „Little crazy Alligator“ bereits  seinen vierten Umbau. Wie gewohnt, kein ganz alltägliches Vehikel.

Ein neuer Tag – ein neues Projekt! Wer mit diesem Gedanken morgens aus den Federn steigt, der muss schon Hummeln im Hintern haben. Christian Schneider aus Flensburg ist so einer. Beruflich in der Musikbranche tätig, ist die Schrauberei in der Werkstatt ein willkommener Ausgleich um den Kopf frei zu bekommen. In den letzten Jahren hat er uns schon mit zwei edlen Quad-Umbauten und vor Kurzem mit einem einmaligen Dreirad-Konzept (Mad-Max Dragster, siehe „Quadwelt“ Ausgabe 02/2016) von seiner Kreativität überzeugt.

Beim morgendlichen Kaffee schnell am Mac die Weltlage checken und bei eBay den Schnäppchenstatus prüfen – das ist ein gewohntes Ritual. Dabei stolperte Christian über den hier gezeigten Buggy unbekannter Machart, der in Magdeburg einen neuen Besitzer suchte. In der Anzeige fanden sich unter den mageren Angaben aber auch Motordaten. Da war die Rede von einem Honda GX 20, 4-Takter mit 20 PS, aber die Japaner haben solche Buggys nie gebaut. Also wurde kurzerhand telefonisch ein Besichtigungstermin mit dem Vater des Besitzers ausgemacht, der Junior war leider auf Montage. Als der das gelbe Ding aus der Scheune rollte, war Christians Enthusiasmus schon etwas gedämpft. Es dauerte schon knapp eine halbe Stunde bis die Karre tatsächlich ansprang. Und die Probefahrt war auch nicht geprägt von explosiver Fahrfreude. Aber Christian sah trotzdem Potenzial in diesem Gefährt, legte den ausgehandelten Kaufpreis auf die Theke und rollte mit der gelben Hummel auf dem Trailer wieder zurück an die Nordsee.

Mit Hilfe der Fahrzeugpapiere ging Christian an die Recherche zum eigentlichen Hersteller. „Construzione Macchine Marconi – das klang für mich erst mal nach einer leckeren Pasta. Als ich auf der Webseite dieser Firma landete, musste ich echt lachen, denn die haben eigentlich nur schwere Baumaschinen, Bagger und Radlader im Angebot. Aber eben auch die kleinen Buggys mit dem Namen „Grasshopper“, die man anscheinend selbst in Italien produziert. Allerdings finden sich da auch eine ganze Reihe von anderen Buggys aus eindeutiger China-Produktion. Alles ein wenig undurchsichtig und wenig professionell wirkte diese Webseite auf mich“. Was Christian aber schnell herausfand, sein neues Spielzeug hatte anscheinend den kleinsten Motor von allen Varianten. Das musste unbedingt geändert werden. Also ran ans Telefon und bei den Jungs in Italien mit Bargeld drohen. Deutsch verstand man dort allerdings nicht und mit Englisch kam Christian auch nicht viel weiter. Selbst per Mail ließen sich die Leute in Bologna nicht für einen Deal begeistern.

Enttäuscht von so viel Ignoranz musste Christian sich also selbst helfen. Beim akribischen Studium des Infomaterials auf der besagten Webseite stieß er auf eine Angabe über einen Rotax 503 Motor. Sollte es sich tatsächlich um den potenten Zweizylinder-2-Takter handeln, der auch in Schneemobilen zum Einsatz kommt? Tatsächlich, die gezeigten Bilder ließen auch keinen Zweifel daran, dass die Variomatik und das Verteilergetriebe auch mit diesem Motor gut zusammenarbeiten würden. „Danke Leute, damit habt ihr mir doch noch geholfen!“ Also gleich wieder bei eBay eingeklinkt und siehe da, eine Firma Gruber in Österreich hatte genau den gewünschten Rotax-Motor mit gut 60 PS Leistung als überholten Gebrauchten im Regal liegen. 3-2-1… für einen akzeptablen Euro-Betrag wechselte das Kraftpaket den Besitzer. Die knappe Woche Lieferzeit wurde für den Ausbau des Honda-Motörchens genutzt. Der wurde kurzerhand auch gleich über die „Bucht“ an einen Interessenten verkauft, der damit seinen Rasenmäher aufpimpen wollte. So funktioniert ein reibungsloser Wertstoffkreislauf.

Der Rotax-Motor war wie versprochen pünktlich da, das Wetter frühlingshaft, also ging es sofort an den Einbau. Hier und da was anpassen, etwas wegflexen und hinschweißen und nach vier Stunden war die Herzverpflanzung über die Bühne. Der Riemen der Fliehkraftkupplung war noch zu fluchten und die Auspuffanlage inklusive Krümmer anzupassen, aber das waren schon nur noch Feinheiten. Es war Zeit für eine Probefahrt. Gemisch in den Tank und die Leine reißen, so wie bei einem kernigen Zweitakter üblich. Mit ordentlicher Knallkulisse und Rengdengedeng erwachte der gelbe Grashüpfer zum Leben. „Gänsehaut-Feeling pur! Hab mich sofort reingesetzt und ab ging die Post. Das reinste Katapult, so giftig, dass man mit dem Gaspedal echt vorsichtig sein muss. Ich dachte ich sitz auf einem Pulverfass“. Christian war also mit der Performance erst mal zufrieden. Nicht zufrieden war er mit der DHL-Optik. Alle Kunststoffteile wurden schwarz matt lackiert und mit einer speziellen Camouflage-Folie überzogen. Das Alligator-Thema wurde ebenfalls umgesetzt. Die Jungs von www.at-felgenschmiede.de haben Christian nicht zum ersten Mal bei der Felgenaufbereitung geholfen. Für den Alligator haben sie die alten Originalfelgen in Rot-Chrome gepulvert, was dem Buggy nochmal eine ganz eigene Note verleiht. Den ursprünglichen italienischen Kabelsalat hat Christian komplett erneuert, ebenso ein Zündschloss und Beleuchtung ergänzt. Wieder mal ein gelungener Pimp, wie wir finden.

Text: Frank Meyer

Fotos: Christian Schneider, Kim-Ole

 

Magazinbeitrag 03/2016

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