Ich will Spaß, ich geb Gas!

Immer wieder mal hat es einer versucht, teilweise ist es auch gelungen, ein ATV mit einer Flüssiggasanlage auszustatten. Jetzt startet wieder ein Umrüster mit neuem Ansatz: Professionell, mit TÜV und Garantie, so soll der Gasumbau sich auch beim ATV durchsetzen.

„Alternativer Antrieb“ ist das Schlagwort dieser Tage. Hybrid, der Begriff geht mittlerweile jedem leicht über die Lippen. Dabei ist das Prinzip nicht neu. Motoren werden schon seit Erfindung des Automobils auch mit Gas betrieben.  Die aktuell sinkenden Benzinpreise lassen sich 1:1 auf die Gaspreise übertragen, weshalb sich eine Umrüstung grundsätzlich ab einer bestimmten Kilometerleistung immer lohnt. Immer mehr Hersteller bieten Fahrzeuge mit Gasantrieb ab Werk an. Auch immer mehr Autobesitzer lassen ihre älteren Wagen nachträglich auf die günstigere Gasversorgung umrüsten. Auch ATV´s wurden in den letzten Jahren bereits versuchsweise mit Flüssiggasanlagen ausgerüstet. Dabei handelte es sich allerdings ausnahmslos um Versuchsträger, die nie über das Stadium eines Prototypen hinaus gekommen sind. Jetzt hat sich erneut jemand mit dem Thema Gasanlage im ATV beschäftigt. Wir besuchten die Firma Autogaszentrum Simmern GmbH im Hunsrück. Der Betrieb unter der Leitung von Udo Michel hat sich auf die Umrüstung von benzinbetriebenen Autos auf Flüssiggas spezialisiert. Mehr als zehn Jahre Erfahrung sprechen für sich. In der Branche ist das noch lange nicht selbstverständlich. Zu viele Scharlatane haben dem Gewerbe mit Pfusch am Image gekratzt, weshalb Udo Michel auch nach Jahren noch immer Überzeugungsarbeit leisten muss. Aber das kann er, wie wir bei unserem Besuch feststellen. Schnell kommen wir auch zum eigentlichen Grund für unseren Termin. Udo Michel präsentiert uns nicht ohne Stolz sein erstes ATV mit einer Gasanlage. Nicht neu, wie schon erwähnt, allerdings erklärt uns Udo Michel ausführlich und professionell die Unterschiede zu den bisherigen Versuchen. Das Autogaszentrum Simmern hat sich schon früh dazu entschlossen, nur mit den besten Anbietern von Gasanlagen zusammen zu arbeiten. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die niederländischen Anbieter Prins und Vialle die beste Wahl sind.

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Exklusive Entwicklung

Die im ATV verbaute Gasanlage wurde exklusiv in enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller Prins für das Autogaszentrum Simmern entwickelt. Alle Bauteile sind auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen eines relativ kleinen Fahrzeugs ausgelegt. Insbesondere der Verdampfer, der für die notwendige Zerstäubung des flüssigen Gases zuständig ist, benötigt extrem wenig Platz und kann an so gut wie jedem ATV verbaut werden. Auch die übrigen Teile nehmen kaum zusätzlichen Platz am Fahrzeug in Anspruch, der Kabelbaum ist kaum zu sehen. Lediglich der Behälter für das zusätzliche Schmiermittel der Ventile fällt ins Auge.

Den könnte man zur Not aber auch noch kleiner gestalten, denn das Schmiermittel wird nur in sehr geringen Mengen benötigt. Es gibt noch immer Umrüster, die auf die zusätzliche Ventilschmierung verzichten, allerdings rät Udo Michel davon ab. „Die Verbrennung des Gases ist eine sehr trockene Verbrennung, die mit der Zeit zu Schäden an den Ventilen oder Ventilsitzen führen kann. Benzin enthält in der Regel ausreichend schmierende Stoffe, weshalb die Verbrennung im Benzinbetrieb für die notwendige Schmierung im Brennraum ausreicht“.  Systembedingt beansprucht der Gastank die hintere Ladebrücke des ATV. Das wird sich auch bei anderen Modellen wie der hier verwendeten Suzuki nicht vermeiden lassen. Der zusätzliche Treibstoff muss ja irgendwo untergebracht werden. Die Lösung mit dem Zylindertank scheint dabei akzeptabel. Im Programm sind auch noch kleinere Tanks, die dann zum Beispiel auch komplett in einem Koffersystem untergebracht werden können.

Diskussionsgrundlage: Das Gas-ATV sorgt für reichlich Gesprächsstoff.

Lohnt sich das?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Der Umbau kostet inklusive TÜV-Abnahme und allen Teilen 2.400 Euro. Darin enthalten sind natürlich auch eventuelle Feinjustierungen, die bei Gasumrüstungen manchmal nötig sind. Da aber der Verbrauch eines ATV je nach Modell extrem hoch ist, könnte sich der Umbau schnell rechnen. Gas kostet derzeit weniger als die Hälfte des regulären Sprits, wer viel mit seinem ATV fährt, könnte schon nach kurzer Zeit in die Gewinnzone fahren. Derzeit ist die steuerliche Vergünstigung von Autogas bis 2018 gesetzlich festgelegt. Nach einhelliger Meinung von Fachleuten wird sich aber auch nach dem Ablauf der Frist nicht viel am verhältnismäßig günstigen Preis ändern. Ebenfalls ein großer Vorteil und im Preis enthalten, ist die bis zu dreijährige Garantie auf die verbaute Anlage, die unter bestimmten Voraussetzungen Anwendung findet. Wir konnten uns auf einer kurzen Testfahrt ein Bild von der Funktionsfähigkeit des umgebauten ATV machen. Bis auf den Tank auf der Gepäckbrücke fällt die Anlage nicht auf. Das kleine Anzeigeinstrument, das zusätzlich über dem Tacho verbaut ist, zeigt an, welcher Brennstoff gerade zum Motor gelangt. Der kalte Motor verlangt noch bis zum Erreichen einer Mindesttemperatur die Versorgung mit Benzin, die Anlage schaltet aber automatisch in den Gasbetrieb um. Dieser Vorgang ist im Fahrbetrieb nicht spürbar. Auch von einem Leistungsverlust, wie oft den Gasanlagen nachgesagt wird, ist nichts zu spüren. Zwischen drei und zehn Prozent sind aber realistisch. Auch der Verbrauch wird sich um etwa 20 Prozent erhöhen, das liegt aber einzig an der geringeren Dichte des Flüssiggases im Vergleich zu Benzin. Udo Michel bietet den Umbau für alle gängigen ATV Modelle der namhaften Anbieter wie zum Beispiel Can-Am, Polaris, Suzuki, Kawasaki , Kymco usw. zum Pauschalpreis an. Dabei ist es unerheblich, ob Ein-, oder Zweizylindermotoren verbaut sind. Angesichts der günstigen Gaspreise im direkten Vergleich zum Benzin könnte der Einbau einer Gasanlage die Betriebskosten eines ATV enorm senken. Dagegen stehen der recht hohe Preis für die Anlage und die Einschränkung der Transportkapazität. Das gilt es abzuwägen, aber Gas geben mit Gas – das macht dann sicher Spaß!

Infos im Netz unter: www.autogaszentrum-simmern.de

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Text und Fotos: Frank Meyer

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