Den Durchblick behalten

Gute Ausrüstung kann im Rennen über Sieg oder Niederlage entscheiden, auf der Tour über Spaß oder Desaster. Eine gute Brille ist dabei fast das wichtigste Detail. Wer nichts sieht hat schon verloren.

Science fiction? Nein - Werkstück für eine MX-Brille.

Science fiction? Nein – Werkstück für eine MX-Brille.

Die Redensart etwas zu hüten wie seinen Augapfel, beinhaltet wie hoch der Stellenwert des Augenlichts für den Menschen ist. Wer je etwas im Auge hatte, weiß wie lästig, aber auch wie gefährlich das mitunter sein kann. Kleine Insekten sind fast noch das Harmloseste, was einem Quadfahrer ins Auge geraten kann. Staub, Kälte, Nässe, Schlamm – die Natur und die Beschaffenheit der Strecke kann uns recht schnell die Sicht nehmen. Insbesondere Moto-Cross- und Eundurofahrer sind ohne Brille aufgeschmissen. Grundsätzlich sollte off road niemand ohne den Schutz unterwegs sein. Im Trail kann ein Ast auch bei langsamer Fahrt buchstäblich ins Auge gehen.

Hüte Deinen Augapfel: Gute Brillen schützen und sehen dabei noch gut aus!

Hüte Deinen Augapfel: Gute Brillen schützen und sehen dabei noch gut aus!

Eine gute Brille

Was zeichnet aber eine brauchbare Brille aus? Die Preisspanne reicht von 9,90 bis weit über 100,- Euro. Vorweg: Die Skibrille aus dem Wühltisch des Lebensmittel-Discounters scheidet aus! Zwar sind Formgebung und Design den Crossbrillen ähnlich – aber eben nur ähnlich! Gute MX-Brillen sind angenehm zu tragen, haben ein breites Sichtfeld, sind elastisch. Es gibt Scheiben zum Wechseln, mit und ohne Tönung. Nasenschutz kann unkompliziert angeklickt werden. Abrissscheiben sind ebenso einfach anzubringen, wie optional ein Roll-Off-System, dass optimal zum jeweiligen Modell passt. Sie bieten Schutz gegen den Staub- und Kieselregen des Vorausfahrenden, „kassieren“ auch mal einen dickeren Brocken. Das Brillenband ist rutschfest und waschbar. Dank einem ausgeklügelten Belüftungssystem beschlägt die Brille nicht, sorgt für ein angenehmes Klima unter der Scheibe. Schweiß saugen die Schaumstoffpolster auf, so dass der nicht in den Augen brennt. Last but not least hält das kleine Wunderwerk auch noch Fahrtwind und Kälte ab.

Maßarbeit: Das Belüftungssystem.

Maßarbeit: Das Belüftungssystem.

Das Anforderungsprofil liest sich als sei es kaum realistisch. Es gibt aber tatsächlich MX-Brillen, die das grade beschriebene Spektrum abdecken. Faustregel: Je mehr die Brille kann, umso teurer. Abstriche muss man bei günstigen Fabrikaten meist beim Komfort und verschiedenen Funktionen machen. So kann das Modell eines Motrorrad-Versandhandels durchaus reichen, wenn man lockere Touren unternimmt und vielleicht mal einen Feldweg lang brettert. Dünner Schaumstoff trägt aber schon bald auf oder saugt sich voll. Dann ist die Funktion dahin. Billigprodukte weisen auch oft ein kleines Sichtfeld auf. Daher empfiehlt es sich grundsätzlich, die Brille welche in Frage kommt, mit Helm anzuprobieren. Drückt sie oder beschlägt schnell, taugt sie nichts. Das Sichtfeld sollte breit sein und auch nach unten sollte man gut schauen können. Günstige Brillen stammen in der Regel aus der Massenproduktion in Fernost.

Im Gehölze unterwegs: Schnellt mal ein Ast zurück, weißt Du, warum Du die Brille hast!

Im Gehölze unterwegs: Schnellt mal ein Ast zurück, weißt Du, warum Du die Brille hast!

Made in Italy

Nicht so bei Ariete. Im norditalienischen Varese. Hier entstehen hochwertige Produkte für den Moto-Cross- und Endurosport, aber auch für Ski- und Snowboardfahrer. Bei uns sind vor allem die Lenker-Griffe und die exklusiven Brillen bekannt. „Unsere Brillen zählen zu den besten auf dem Markt“, berichtet Annalisa Mentasti stolz und gewährt einen Blick hinter die Kulissen des 1947 von ihrem Großvater gegründeten Familienunternehmens. Auf die Frage was ihre „Googles“ auszeichnet, antwortet sie: „Wir arbeiten eng mit den Sportlern zusammen. Die müssen schließlich im Alltag, beim Training und vor allem im Wettkampf mit unseren Modellen zurecht kommen!“ Poster an den Wänden der Büros mit persönlichen Widmungen international erfolgreicher Fahrer sprechen eine deutliche Sprache. Im Dialog mit diesen entstehen die Ideen und Verbesserungen. Regelmäßig sind Crosser und Offroader zu Gast, um den Designern des Hauses ihre Erfahrungen weiterzugeben. Darunter auch Jürgen Mohr, mehrfacher Deutscher und Europameister im Quad-Enduro. „Die Brillen erweisen sich als sehr praxistauglich“, berichtet er, „da sie zielgerichtet auf unsere speziellen Bedürfnisse zugeschnitten werden.“

Man darf sich schon wundern, wie viel Handarbeit in jeder Brille steckt. Aus den vielen Vorschlägen und Anregungen entsteht aus Balsaholz, Gips und Plastikmasse ein Dummy. Der Designer überträgt dessen Maße in den Computer, die neue Brille nimmt virtuell Formen an. Mit den Daten richten die Maschinenführer ihre Arbeitsplätze- und Geräte ein. Aus Metall werden vorher die Formen gefräst. Viele Kleinigkeiten fließen in jede Brille mit ein. Plastikclips zur Verstellung des Brillenbandes, Roll-Off-Halterungen. „Die Bänder werden zugeliefert, nachdem sie nach unseren Vorgaben extern gefertigt wurden“, erzählt Annalisa. Dabei können Kundenwünsche ebenso berücksichtigt werden, wie Gestaltungsvorschläge beim Brillendesign. Man spricht dazu mit den gängigen Ausrüstern, um den Augenschutz optisch an neue Kollektionen anzupassen. Das Band kommt von der Rolle und muss für jede einzelne Brille genäht und eingezogen werden. Dadurch entsteht wie von selbst eine lückenlose Qualitätskontrolle. „Da fällt ein Fehler sofort auf“, sagt die Chefin. Ihre Mitarbeiter identifizieren sich stark mit den Produkten ihres Hauses.Jede – wirklich jede – Brille geht mehrmals durch die Hände der Mitarbeiter, bevor sie in den Versand kommt – zum Beispiel an den deutschen Importeur MEFO Sport. Verschiedenste Brillen, vom Einsteigermodell bis zur High-Tech-Goggle. Ein Tipp für die Fans von camofarbenen-ATVs oder den Forsteinsatz: Ariete beliefert auch das US- und italienische Militär. Wer keine bunte Brille mag, greift auf die RAM zurück – in oliv, sandfarben oder schwarz.

Bezugsquelle ARIETE: www.mefo.de

Text und Fotos: Ralf Wilke

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