Arctic Cat Lineup 2011

 Neues von den Schneekatzen

Mitte Dezember, die meisten sind schon im Weihnachtsstress, oder hetzen von einer Feier zur nächsten. Fast alle Quad- und ATV Hersteller haben die beiden großen Herbstmessen Intermot und Eicma genutzt, Ihre Produktlinien für das kommende Jahr einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Den Insidern ist es nicht verborgen geblieben, das Arctic Cat dort durch Abwesenheit glänzte. Sollte man sich Sorgen machen? Die Frage erledigte sich Anfang Dezember, als Arctic Cat die europäische Presse zu einer Präsentation in die Europazentrale im österreichischen St. Johann einlud. Dieser Einladung ist natürlich auch die Quadwelt gerne gefolgt.

Gerlinde Radacher, Sales Manager Germany, (Bild Mitte) begrüßte bestens gelaunt die versammelte Presseschar zur Vorstellung der Modellpalette 2011. Friedjof Jörns, technischer Leiter, erklärte fundiert und mit eigenem Charme die Veränderungen im Detail zu den Vorgänger-  und den komplett neuen Modellen.

Aus Spanien, Italien und natürlich Deutschland fanden  die Vertreter der wichtigsten Magazine in einer netten Runde zusammen. Friedjof Jörns beantwortete alle Fragen geduldig und ohne Vorbehalte. Die beiden neuen Modelle 350 2×4 und 425 I standen im Mittelpunkt des Interesses. Detlef Richter und seine Mädels vom Mover-Magazin haben die neuen Katzen sofort in Beschlag genommen.

Äußerlich hat sich an den großen Katzen im Angebot nicht sehr viel verändert. Allerdings verbirgt sich jetzt unter dem ansprechenden Kunststoffkleid eine elektonische Lenkhilfe, die sich an der Bezeichnung PS (Power Steering) im Modellnamen erkennen lässt. Die Servolenkung ist erhältlich für die 550er und 700er und zwar jeweils in der langen (TRV) oder kurzen Version.

Klein ganz groß

Die erste Neuheit ist die 350 2×4. Freunde der Marke Arctic Cat könnten denken: „Hmm, die kenn ich doch!“ Auf den Gedanken könnte man kommen, wenn man sich die im Modelljahr 2010 noch erhältliche 366 SE ansieht. Allerdings handelt es sich bei der 350er um eine komplett neu gestaltete Eiinsteigermaschine, die jetzt auch über den als H1 bekannten Motor mit hemispherischem Brennraum verfügt. Eigenartigerweise misst der Hubraum der Neuen exakt 367 ccm, womit man bei Arctic Cat bei der Modellbezeichnung eher tief stapelt. Das trifft im Übrigen auch auf die neue 425 I zu, aber dazu weiter unten mehr. Vor uns steht ein richtig erwachsenes ATV, dem man entsprechend auch ein erwachsenes Kleid verpasst hat. Die Optik orientiert sich jetzt erkennbar an den großen Brüdern 550 und 700. Man macht auch keinen Hehl daraus, das die beiden Neuen komplett bei Kymco in Taiwan gefertigt werden. Allerdings sollte man das nicht als Nachteil ansehen, haben die Asiaten sich doch in den letzten Jahren so richtig ins Zeug gelegt, was Qualität angeht. Trotzdem, die 350 und die 425 sind mitnichten verkappte Kymco-Modelle. Motor, Antrieb, Chassis und sämtliche Anbauteile wie zum Beispiel auch die Verkleidung sind von Arctic Cat entwickelt und designed. Böse Zungen behaupten sogar, das Kymco durch die enge Zusammenarbeit mindestens die gleichen Vorteile hat wie Arctic Cat. Jedenfalls ist der Motor der Maxxer 450 von dem der 425 I innen wie außen nicht zu unterscheiden. Völlig egal, denn dieser Motor hat in beiden Modellen richtig bumms. Aber zurück zur 350 2×4, die eigentlich alles mitbringt, was ordentlich Spaß im Gelände verspricht. Rundum Einzelradaufhängung, über 25 cm Bodenfreiheit und knapp 18 cm Federweg lassen die „Kleine“ locker mit den meisten Untergründen fertig werden. Auch eine Geländeuntersetzung fehlt nicht. Das von Arctic Cat als „Ride-In-Fahrwerk“ bezeichnete Chassis bringt durch einen sehr niedrigen Schwerpunkt und eine tiefe Sitzposition ein sehr sicheres Fahrgefühl. Friedjof Jörns erläutert als weitere Neuerung eine veränderte Abgasanlage, die insbesondere das Ansprechverhalten des Motors positiv beeinflussen soll. OK, beim Allradantrieb muss die 350er leider passen. Allerdings glänzt die kleinste Katze dafür mit einer tollen Ausstattung in Form einer Rangierhilfe am Heck und einer elektrischen Seilwinde an der Front. Das Ganze ist bereits für günstige 4.600 Euro zu haben.

Auf gute Zusammenarbeit

Mit der zweiten Neuvorstellung stuft Arctic Cat die Modellpalette noch enger ab. Wie auch schon bei vielen anderen Herstellern, lag der Schwerpunkt 2010 nicht darin, immer schnellere, immer größere ATV anzubieten, vielmehr wurden im bestehenden Programm die Lücken gesucht und auch gefunden. AC hat diese Lücke mit der neuen 350er und zusätzlich mit der hier gezeigten 425 I gefunden und auch geschlossen. Immerhin finden sich im Angebot des amerikanischen Mutterkonzerns 36 verschiedene Modelle, inklusive der Prowler (Side-by-Side). Davon finden sich dann 14 Modelle auch im europäischen Angebot wieder. Darunter nun auch die 425er, die mit guter Ausstattung und einem akzeptablen Preis das Segment der unteren Mittelklasse bereichert. Auch dieses Modell wird in Taiwan bei Kymco gefertigt, aber wie die 350er eben als reine Auftragsarbeit. Das die asiatische Marke von der guten Zusammenarbeit ebenfalls profitiert, ist kein Geheimnis. Die Kymco MXU 450 basiert weitestgehend auf dem neuen ATV von AC. Ein Blick in die technischen Daten offenbart exakte Deckung in vielen Details. Es verwundert aber auch nicht, das die Amerikaner eine Kymco Maxxer 450 in Ihrer Heimat als willkommene Ergänzung in der eigenen Modellpalette anbieten. Dort wird die Kymco als „Crossover“ schmerzfrei in das Sportsegment eingestuft. So oder so, die neue Katze ist motorseitig gut aufgestellt. Auch hier untertreibt Arctic Cat bei der Hubraumangabe ganz gehörig. Immerhin verfügt der Einzylindermotor über exakt 443 ccm Hubraum und würde somit auch locker als 450er durchgehen. AC gibt offiziell keine Leistung an, die dürfte aber wie bei der Maxxer etwa bei 20,3 PS in der VKP Zulassungsversion liegen. Offen könnte der Motor sogar 33 PS abliefern. Arctic Cat bietet allerdings nur die VKP Version an. Wie die kleinere 350 verfügt die 425 über unabhängige Radaufhängung rundum, eine Geländeuntersetzung, ein automatisches Choke-System, eine neue Abgasanlage und wie oben schon beschrieben ein Ride-In-Fahrwerk. Auch die Rangierhilfe und die Winde sind schon an Bord. Die Zuladungsangaben von 34 kg vorn und 68 kg hinten sind auch nicht zu verachten. Beide Modelle verfügen nun wie die größeren Brüder über eine elektronische Tankanzeige im Tacho. Bei den Farben wird es zumindest für das Modelljahr 2011 erst mal bei dem hier gezeigten rot bleiben. Den Endkundenpreis gibt Arctic Cat mit 6.300,00 Euro an. Der Sprung von der 350er scheint da auf den ersten Blick etwas heftig, allerdings darf man nicht vergessen, das die 425 über einen zuschaltbaren Allradantrieb verfügt, der – wenn man mal ganz ehrlich ist – für den Einsatz im Gelände oder für den Arbeitseinsatz eigentlich auch wirklich Sinn macht. Somit relativiert sich der Preisunterschied schon wieder. Alles in allem stehen mit den beiden neuen Modellen zwei durchaus erwachsene ATV ab sofort in den Showrooms der Händler.

Erster Fahreindruck

Wir reden nicht drumherum, Arctic Cat hat es sicher gut gemeint, möglichst viele von den Pressevertretern zu dieser Vorstellung einzuladen. Leider stecken die meisten der angereisten Presseleute dann aber in der Zwickmühle – selber fahren, oder Fotos schießen? Keiner will auf ausreichend Bildmaterial verzichten, weshalb ausführliche Testfahrten eher kurz kommen. Eiinen kleinen Eindruck konnten wir uns aber natürlich doch holen, eine Aussage über Qualität, Fahrstabilität, Leistungsabgabe oder Bedienbarkeit können und wollen wir an dieser Stelle deswegen nicht wagen. Auch die Witterungsbedingungen waren ganz sicher nicht geeignet, objektiv eine Einschätzung vorzunehmen. Das werden wir aber mit Unterstützung von Arctic Cat bestimmt schon bald nachholen können. Bis dahin nur soviel, die 350er zieht sehr agil voran, tatsächlich könnte man auch ein größer motorisiertes ATV unter sich wähnen. Das Handling und die Ergonomie passt aber auf jeden Fall für kleine wie für größere Fahrer. Der Allradantrieb der 425 konnte zumindest im Tiefschnee von St. Johann seine Überlegenheit gegenüber der 350 voll ausspielen. Die kleine Katze musste bei Schneehöhen von mehr als 30 cm ziemlich schnell aufgeben. Die 425 kämpfte sich hingegen tapfer auch durch Schneewehen. Auf schneeglatter Fahrbahn sind aber auch dem Allradantrieb irgendwann die Grenzen gesetzt. Lässt man es allzu forsch angehen, ist ein Abflug nicht immer zu vermeiden, wie die Bilder weiter unten eindrucksvoll beweisen. Der Motor der 425 I machte uns aber auch auf der kurzen Fahrt schon mal Lust auf mehr. Die elektronische Einspritzung reagiert jedenfalls hervorragend auf den Befehl des Gashebels. Wir sind gespannt, wie sich das Modell unter normalen Bedingungen in Bezug auf Beschleunigung, Leistungsentfaltung und auch Bremsleistung schlägt. In einer der nächsten Quadwelt-Ausgaben werden wir den beiden Neuen ganz sicher so richtig auf den Zahn fühlen und dabei auch gleich ermitteln, wo die beiden im direkten Vergleich zu diversen Mitbewerbern einzuordnen sind. Wir möchten aber auf keinen Fall vergessen, ein herzliches Dankeschön an die Mädels vom Mover-Magazin zu richten. Die beiden Damen haben den kamerabehangenen Männern einen riesengroßen Dienst erwiesen und trotz Kälte tapfer als Fotomodels hergehalten. Auch Detlef Richter hat sich selbst geopfert. Super!

 

Modellpflege

Nun verfügen also auch die arktischen Katzen über eine elektronische Lenkunterstützung. Entsprechend wurden auch die Modellbezeichnungen angepasst. In den entsprechenden Bezeichnungen finden sich nun auch die Kürzel PS für Power Steering. Die 550er und 700er, auch in der TRV-Version erhalten dieses sinnvolle Feature. So richtig ausprobieren konnten wir bei der Vorstellung in St. Johann aber auch die Servolenkung nicht. Im Fahrbetrieb auf schneebedeckter Fahrbahn ist ein Unterschied wohl kaum auszumachen, ob eine Lenkhilfe arbeitet oder nicht. Im Stand lässt sich das allerdings schon sehr gut erfassen. Um die volle Wirkung der Servo zu entfalten, reicht ein Dreh am Zündschlüssel, auch schon ohne den Motor zu starten. Sobald das System eingeschaltet wird, lässt sich der Lenker mit geringstem Kraftaufwand bewegen. Aber die Elektronik kann noch viel mehr als einfach nur den Lenkwiederstand zu reduzieren. Arctic Cat beschreibt die Wirkungsweise folgendermaßen:

Das verwendete System verrichtet seine Arbeit auch bei Lehrlaufdrehzahl direkt an der Lenksäule. Die speziell für ARCTIC CAT entwickelte Servolenkung (EPS = Electronic Power Steering) reduziert die notwendigen Lenkkräfte erheblich, die elektronische Steuereinheit regelt den versiegelten und bürstenlosen Elektromotor je nach Anforderung. Um ein optimales Verhältnis zwischen Untergrundrückmeldung und Reduktion der Lenkkräfte zu ermöglichen, und zwar exakt abgestimmt auf die aktuelle Fahrsituation, analysiert die Steuereinheit die Daten aus vier Sensoren (Geschwindigkeit, Drehzahl, Lenkkraft und Lenkwiderstand) und berechnet daraus die optimale Lenkunterstützung bis zu einem maximalen Unterstützungsmoment von 49Nm. Bei der Entwicklung wurde außerdem besonders auf die Sicherheit wertgelegt weshalb das elektronische System die Mechanik nur unterstützt und selbst bei einem Ausfall der Servolenkung die Lenkung des Fahrzeuges ohne weiteres weiter möglich ist, dann eben mit den Lenkkräften die man bisher ohne das neue System kannte. Das Ergebnis ist ein komfortables System das dem Fahrer aber nie das Gefühl gibt zuwenig Gefühl für den Untergrund zu haben sondern Sicherheit vermittelt.

Mit Sicherheit auch sehr interessant für potenzielle Kundschaft sind die empfohlenen Endkundenpreise, die wir Euch hier im Anschluss aufzählen. Eine Neuigkeit am Rande der Präsentation: Im Modelljahr 2011 findet sich auch wieder ein Sportquad. Die 300 DVX wird in Lime-green-weiß angeboten. Für den Preisbewussten ATV Fan wird eine LC (Low Cost) Version der 550 angeboten. Wer auf Schnick-Schnack wie Alufelgen und die neue elektronische Lenkhilfe verzichten kann, ist damit sicher sehr gut bedient.

 

300 DVX 4.200,00 €
350 4.600,00 €
425 i 6.300,00 €
550 i LC 7.900,00 €
550 i PS 9.500,00 €
700 i Panther 9.800,00 €
700 i PS 10.800,00 €
1000 i Thundercat 11.900,00 €
550 i TRV PS 10.400,00 €
700 i TRV Cruiser 10.800,00 €
700 i TRV PS 11.100,00 €
1000 i TRV Cruiser 12.900,00 €
700 TRV Diesel 11.400,00 €
1000 Prowler XTZ PS 17.400,00 €

Text und Fotos: Frank Meyer

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