Marokko Sahara Tour

In der aktuellen Ausgabe Nr. 02/2107 der Quadwelt nimmt Lutz Kanbach uns mit auf eine ganz besondere Reise nach Marokko. Da wir Euch im Heft nur eine Zusammenfassung bieten konnten, hier deshalb der komplette Bericht in der Urfassung von Lutz.

Was tut man, wenn in Deutschland der Sommer auf sich warten lässt? Man geht dahin wo er garantiert ist. Dort wo manches mal aber auch ein wenig zu viel Sommer ist. Es war also der Plan dem deutschen Sommer zu entfliehen und in den Sommer nach Afrika, insbesondere Marokko zu gehen. Im Sommer? Klar, denn im Winter oder Frühjahr kann ja jeder, und dies natürlich mit dem Quad und jeden Kilometer selber erfahren. Natürlich ging wieder ein halbes Jahr Planung und Strecken-Recherche voraus und wochenlanges Vorbereiten des Quads. Dieses mal nicht mit der TGB, sondern einer Herkules Adly 500 mit Subarumotor. Für die Langstrecke angepassten Antriebsstrang, GPS + Akkubox, Roadbook, Zusatztank mit elektrischer Benzinpumpe und vielen Kleinigkeiten, die das Reisen mit dem Quad erleichtern.

Am 27. Juli ging es morgens gegen 7:00 Uhr los. Altbekannte Strecke nach Frankreich und gleich erst mal die mögliche Reichweite ohne zu Tanken ausloten. Denn in Marokko brauche ich Minimum 300 km Reichweite, da auf einem Streckenabschnitt von 280 km nichts, aber auch gar nichts außer Steinwüste und Berberjurten zu finden ist. Die komplette Reichweite ergab am Ende 340 km was sehr erfreulich mit 19 Liter Benzin an Bord machbar war. In Frankreich wurde dann wieder voll getankt und es stellte sich wieder das Gefühl ein, einfach unterwegs zu sein und dieses Gefühl zaubert mir ein Dauergrinsen ins Gesicht. Was wohl alles passieren wird? Was auf mich zukommt auf dieser Reise?
Das Wetter war schon mal super. Nur Sonne an die 30 Grad. Zwei Tage ging es unspektakulärer in Frankreich voran bis ich in einen kleinen Stau in Saint-Nazaire-en-Royans geriet. Das plötzlich das Quad ausging, kann schon mal passieren bei Vergaser-Einzylinder (Benzin kocht im Vergasergehäuse). Neustart aber nicht möglich, über 30 Grad, rechts die Felswand, links ein Abgrund und ein See. Aber weiter vorn war eine Straßeneinbuchtung, also das Quad da hin schieben. Die Sonne brennt genau in die Einbuchtung und kein Wind. Erstmal schauen wo das Problem liegt, denn ich muss hier schnell raus.
Anlasser zieht nicht und kein klicken vom Relais. Anlasserrelais wechseln. Bei der Adly Sitzbank runter, kompletten Ansaugkanal ausbauen und den Luftfilterkasten ausbauen. Dann kommt man ran. Relais gewechselt und – das selbe Ergebnis. Es kam plötzlich ein Mann die Straße runter zu mir der mich wohl schon länger beobachtet und mich fragte was los ist. Ich stand kurz vorm Hitzekollaps. Ich erläutere kurz das Problem und er bot mir sofort seine Hilfe an. Er sagte gegenüber dem See gibt es einen Campingplatz, da kann er mich hinschleppen. Gute Idee, machen wir! Ich muss hier weg, egal wie. Er holte seinen Kübelwagen und zog mich durch den Ort zum Campingplatz. Vielen Dank dafür. Dort war Schatten und ich konnte mich erst mal um mich kümmern. Zelt, etwas essen und trinken. Dann ging es an das Quad. Es stellte sich als ein Elektrik-Problem heraus. Meine Vermutung – Regler, Batterie, Kurzschluss im Kabelbaum. Ich brauche Messgeräte oder eine Werkstatt mit den Geräten. Ich fragte mich durch. Eine Werkstatt befindet sich 2 km im nächsten Ort erfahre ich. Also morgen früh. Batterie ausbauen und die geht morgen zum Prüfen mit. In der Nacht habe ich sehr gut geschlafen und morgens ging es zu Fuß zur Werkstatt. Die Sonne war wieder da. In der Werkstatt gab es nur einen Mitarbeiter, den Chef. Aber geöffnete und neu überholte Motoren  der BMW 6er-Reihe auf der Werkbank machten mich froh und ich wusste, das ich hier richtig bei jemanden bin, der mir helfen kann. Der Chef ( Michael) war sofort für mich da. Ich erläuterte kurz mein Problem, er holte ein Diagnosegerät aus dem Schrank und wir checkten die Batterie. Zwei Zellen defekt. Eine Neue? Ja, heute Nachmittag 17:00 Uhr.
Super! So habe ich mir den Tag mit Pizza essen und schwimmen im See vertrieben und habe noch etwas Proviant und Sekundenkleber gekauft, da ein Rücklichtglas nicht mehr halten wollte und der Schraubensockel angerissen war. Der Kleber bringt es. Die Sonne brennt und ich bin 16:00 Uhr auf dem Weg zur Werkstatt. Schnell die Batterie geholt und mit Michi ausgemacht, das ich gleich wieder da bin um den Regler am Quad durchzumessen.

Ich also die 2 km zurück zu Fuß  die Batterie eingebaut und das Quad sprang sofort an. Ab in die Werkstatt zum messen, bevor die zu macht. Alles Top! Da hatte ich mein Grinsen wieder und morgen früh geht die Tour weiter. Ich hatte in der Zeit einige Mails auf mein Handy bekommen von Leuten die mir helfen wollten. Danke Gerry Mayr und Andy, der schon einen Transporter organisieren wollte. So schnell gebe ich aber nicht auf und morgen geht es Weiter. Freu mich. Schnell ging es durch Frankreich an der Rhöne entlang und Spanien war sehr schnell erreicht. Mit ein paar Schotterstrecken und 36 Grad ging es gut voran. Ich versäume es nicht in Spanien die auf den Wegen liegenden Nationalparks auf kleinen Wegen zu durchfahren. Auf einem Campingplatz bei Tarragona fuhr mir ein Spanier mit seinem Auto in mein geparktes Quad. Er bekam es erst nicht mal mit was er da anstellte ,dann merkte er es endlich. Das Quad war ok, bis auf ein paar Kratzer, das Auto hatte eine Beule. Für einen Spanier scheinbar uninteressant, und so war das schnell erledigt. Es lag wohl auch daran, das alle Campingplätze komplett voll waren, laut, stressig, dreckig, überteuert. Von da an hielt ich mich erst mal fern von Campingplätzen und zog die Wildnis vor. Beeindruckt war ich von der Architektur in Valencia, das sieht richtig gut aus in dieser Stadt. Aber ich konnte das Quad voll bepackt nicht lange alleine stehen lassen, da dort einige merkwürdige Typen mich beobachteten seit dem ich dort angekommen war. Trotzdem, sehr beeindruckende Stadt. Andalusien war schnell erreicht und in Almeria suchte ich erst mal den Hafen auf und kümmerte mich um das Ticket für die Fähre. Ich machte einen Tag Pause um Proviant, und 10 w 50 Öl zu ordern und das Quad für Marokko vorzubereiten. Ich hatte dort viel Zeit und war auch einige Sunden am Strand relaxen und schwimmen. Die Fähre ging am nächsten Tag, nachts um 23:55 Uhr. Daher hatte ich noch den ganzen Tag im Hafen Zeit. Eine Rücklichtbirne links gewechselt und das komplette Rücklicht mit Panzerband neu befestigt, da es nur noch am Kabel baumelte. Mit Sekundenkleber das rechte Rücklichtglas neu eingeklebt. Bowdenzüge, Kette und Anlenkpunkte abgeschmiert usw. Irgendwann ging dann das Boarding los und jeder Marokkaner wollte zuerst auf den Schiff sein. Ein Gehupe, ein Gedrängel, ein Geschrei. Warum? Es kommen doch alle mit. Dabei kamen einige nicht mal die Rampe zum Schiff hoch, so waren die Fahrzeuge überladen und es mussten noch fünf Mann schieben. Das war wohl der erste Vorgeschmack was mich noch erwarten wird?

Aber das Wetter ist super, als mitten in der Nacht das Schiff ablegt. Es sind um die 25 Grad und ich habe in weiser Voraussicht meinen Schlafsack aus dem Quadkoffer mitgenommen. Ich suchte einen ruhigen Platz zum übernachten. Ich fand auf dem obersten Deck unter der Helikopterplattform einen ruhigen Platz. Ich war dort allein, schlüpfte in meinen Schlafsack und habe fast die verbliebene Nacht bis 7:00 Uhr durch geschlafen. Ein bisschen frisch machen und noch einen Kaffee und eine Croissant in der Cafeteria und das Schiff war kurz vorm anlegen in Melila. Im Hafen wurde ich erst mal von der Polizei zur Seite genommen und das Quad und ich auf Drogen und Waffen gefilzt, die Fahrgestellnumer und der Pass geprüft. Ging aber alles sehr schnell, die machen auch nur ihre Arbeit. An der Grenze angekommen schaute ich wo ich mich eigentlich anstellen muss. Es geht dort drunter und drüber. Es waren ca. 100 Fahrzeuge die nach Marokko wollten und ich rechnete mit mehreren Stunden Wartezeit. Aus Melila raus, 5 min nach Marokko rein. Schaun wir mal. Mich sprachen in der Zeit schon einige Leute an. „Stelle dich in die Reihe“, ein anderer „nein in die Reihe“, ein anderer „in die andere Reihe“. Ein Marokkaner hinter mir sagte „bleib wo Du bist“. Er sprach deutsch und wir kamen ein wenig ins Gespräch. Naja dauert halt. Da kam ein sogenannter „Schleuser“ an. Leute die für kleines Geld anderen ( Deutschen mit Geld) helfen zügig über die Grenze zu kommen. Sie kümmern sich um Stempel und Papiere und alles was man für den Übertritt braucht. Er lotste mich an allen Autos vorbei, sprach mit der Polizei und sie gingen zur Seite und ich durfte meinen Papierkram erledigen. Die ganze Sache hat mich ein knappe Stunde und 15 € gekostet und ich war in Marokko. Das war´s wert und so war ich schnell wieder auf Tour.
Melila, Nador, Qujida, ja da merkt man, das man in einem anderen Kulturkreis ist. Arabisch eben. Je weiter ich südlicher fahre, bekommt die Landschaft immer mehr nur eine Farbe. Ich bin auf der Route durch Oriental Marokko, entlang an der algerischen Grenze immer Richtung Süden. Ich bin jetzt nur noch in Steinwüsten, Schotterwüsten unterwegs. Kaum noch Ortschaften, ab und zu ein paar Jurten von der Berbern und Viehbauern die in Zelten leben. Mittlerweile gehen die Temperaturen gar nicht mehr unter 28 Grad in der Nacht und ab 10:00 Uhr morgens sind 35 Grad erreicht, die sich auf 40 Grad bis 13:00 Uhr anheben. Ich habe zur Sicherheit erst mal das Quadöl von 10W-40 zu 15W- 50 vollsynthetisch getauscht. Habe ich unter einem Baum in der Nähe einer Tankstelle gemacht um dort gleich das Altöl (zwei Sprudelflaschen voll) loszuwerden. Der Typ an der Tanke schaute mich an, „Was soll das“?
Er nahm die Flaschen und warf sie durch die Hintertür in den vergammelten Hof. Umweltschutz in Marokko, gibt es nicht. Es landet alles, wirklich alles in der Wüste oder am Straßenrand was nicht mehr gebraucht wird. Einfach alles!

Ich bin jetzt kurz vor Tendara und ich hatte vor der Tour recherchiert, das es dort ein Camp gibt, das gern und oft von Rallyes genutzt wird. Denn es wäre der ideale Platz zum Übernachten, da man nicht in der offenen Wüste übernachten muß. Das Camp ist von einer Mauer umgeben und bietet so einigen Schutz. Leider war das Camp leer, naja im August macht man auch keine Rallye in Marokko. Vorn an der Straße blieben ein paar Marokkaner mit Ihrem Auto liegen. Nach 5 min hektischer Disskusion fing man an zu schieben, naja in die Richtung waren es nur 94 km zum nächsten Ort, bis sie nach einer knappen Stunde am Horizont schiebend verschwanden. Es war aber trotzdem eine sehr beeindruckende Nacht. Man ist allein in der Wüste die Sonne geht unter, das ist schon mal Kinoreif. Und dann ist es ruhig. Es ist so ruhig, man hört nichts, gar nichts, kein Grashalm im Wind, denn der ist auch weg. Kein Insekt, einfach nichts und es wird sehr schnell dunkel und man steht unter einem Sternenhimmel, der einem die Sprache verschlägt. Ich konnte die Milchstraße direkt ausmachen und je länger man nach oben schaute, um so mehr Sterne erschienen und umso beeindruckender wurde es. Ich habe geschlafen wie ein Baby. Am nächsten Morgen ging es direkt nach Bouarfa, wo ich ganz volltanken mußte. Die nächsten 280 km haben es in sich. Es kommt nichts, keine Tankstelle, keine richtige Ortschaft. Kein Handynetz. Nur Wüste, Berge und die Algerische Grenze, wo ich über 20 km nur 30 Meter vom Grenzstreifen entfernt bin. Ein berüchtigter Grenzstreifen. Das sollte man zügig hinter sich bringen. Ich habe mir angewöhnt, ab 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr mittags einen Schatten zu suchen und dort zwei Stunden zu pausieren, da die Temperaturen weit über 42 Grad hinaus gehen und die Motortemperaturen und meine Körpertemperatur an ihre Grenzen stoßen. Die Pausenregelung funktionierte sehr gut, ich nutzte die Zeit um etwas zu essen. gekaufte Feigen, marokkanische Birnen, Granatäpfel und trinken, trinken, trinken und im Schatten liegen um zu schlummern. Es funktionierte aber alles super und so kam
nach 285 km die Abbiegung nach Merzouga, aber die nächste Tanke war in diese Richtung noch 70 km entfernt. Daher fuhr ich 30 km bis Errachidia weiter und konnte dort wieder voll tanken. Das Benzin hatte gerade so gereicht, da Benzin sich bei Wärme sehr stark ausdehnt und den theoretischen Verbrauch damit erhöht.

Aber alles gut und jetzt nach Merzouga. Ich fahre durch die eintönige Steinwüste, alles eben. Plötzlich öffnet sich die Erde und man schaut in einen Canyon hinein. Unten alles tief saftig grün, Palmen, Palmen, Wiesen. Ein grünes Band, 1 km breit zieht sich durch den Canyon. Ich bin in der Oase von Meki. Ein Hammer-Kontrast zu der seit Tagen andauernden Wüstenfarbe. Ich fahre dirkt durch den Canyon mit kleinen Ortschaften, immer meiner Zielstadt entgegen. Wieder aus dem Canyon raus, gab es wieder nur Schotterwüste, einfach nichts weiter. Aber in der Ferne konnte ich schon Berge erkennen und es gab immer mehr feinen Sand neben und auf der Straße. Da stand auch schon wieder ein Polizist auf der Straße und zog mich raus. Ich wurde insgesamt 4 mal von Polizisten angehalten und überprüft. Sie wollen den Pass, verschwinden kurz in ihrem Häuschen so groß wie eine Telefonzelle, schreiben meine Daten auf, fragen wohin die Reise geht und wünschen eine gute Fahrt im netten Ton. Bis auf einmal, der wollte von mir meine marokkanische Handykarte haben, murrte mich an „Cam off“! Gemeint war die Helmkamera und er lies mich in der Sonne stehen als ich ihm beigebracht habe, das ich keine solche Karte habe und er auch keine von mir bekommt. Er schnauzte seinen Gehilfen an als er merkte, das ich viel Zeit habe und die Sonne genieße (41 Grad ;-)). Sein Gehilfe beeilte sich aber und wünschte mir eine gute Reise mit erhobenem Daumen und der Polizist murrte „Go“ und verschwand wütend in seinem Bau.
Dann kamen die Berge näher und ich erkannte das es Sanddünen sind. Was für ein Anblick und ein Reisegefühl. Ich schaute nach einem Campingplatz rund um Merzouga. Es gab tatsächlich viele. Aber keiner hatte richtigen Schatten und sanitäre Einrichtungen. Da es erst Mittag war und ich morgen hier bleiben möchte. entschied ich mich für ein Hotel. Es gibt hier viele Hotels und Unterkünfte, die werden schon auf der Straße einige Kilometer vorher angepriesen was man zu erwarten hat. Ich wollte, wenn schon denn schon was ordentliches und meine Entscheidung fiel auf ein Hotel mit Klima, Dinner, Frühstück, und Pool, mal ansehen was sie bieten. Das Hotel Dar el Janoub erreichte man über eine zwei Kilometer lange Schotterpiste die sich bis ins Hotel hin zog. Ich betrat das Hotel und staunte, wie aus Tausend und einer Nacht. Teppiche Wandbehänge, Türbögen, bunte Farben. Neue Düfte. Gefällt mir und schon stand der Hotelier vor mir mit einem Lächeln. Er zeigte mir das Hotel und mein Zimmer und nannte den Preis komplett mit allem. Ich sagte sofort zu. Frühstücken und das Dinner (nach Sonnenuntergang) direkt an den Dünen von Erg Chebbi wo morgens und abends die Nomaden mit Ihren Kamelkarawanen vorbei ziehen. Ich glaube ich träume.

Die marokkanische Küche ist komplett anders als die ich kenne. Neue Geschmäcker neue Gerüche, Gewürze, Früchte die ich nicht kenne, aber es schmeckt hervorragend und es gibt einen Service, der seinesgleichen sucht. Am nächsten Morgen bin ich gleich nach dem Frühstück aufs Quad und es war Schotter- und Dünenfahren angesagt. Das macht Spaß. Aber ich muss mich zusammenreißen, das Quad muss noch 3000 km nach Hause fahren. Wie gern wäre ich tiefer in die Dessert hinein gefahren. 40 Grad, 11:00 Uhr und ich fahre ins Hotel zurück, merkte aber schon das es vorn schwammig ist und ich schaute mir die Reifen an. Ein Dorn, nicht mehr lange und der Reifen ist platt. Also gleich machen solange der Reifen noch straff auf der Felge sitzt. 20 min später war der Reifen geflickt und aufgepumt und jetzt geht es an den Pool bis zum Abend. Da bin ich dann noch in die Wüste zu Fuß gegangen, die Dünen hoch geklettert… Wouuu, was für ein Bild. Sandberge bis zum Horizont und Karawanen. Wie im Märchen aus 1000 und eine Nacht. Aber es waren immer noch 38 Grad und die Sonne ging langsam unter. Abends 21:30 zurück im Hotel gab es dann das Dinner. Es wird nach Sonnenuntergang gegessen, dann aber richtig und sehr lecker. Einen orientalischen Salat, eine Suppe und dann der Hauptgang, Am nächsten Morgen hieß es Abschied von der Wüste nehmen. Mein Weg führte mich zurück nach Erracidia und weiter durch ganz Marokko über den Hohen Atlas, wo mein Quad bei einer Pause von Affen besetzt wurde. Zündschlüssel und alle losen Sachen sichern. Als ich weiter wollte, war ein Affe (Größe eines Schimpansen) der Meinung, es sei jetzt wohl sein Quad, und wollte nicht runter. Ich musste ihn nachdrücklich vom Gegenteil überzeugen. Ich fuhr bis nördlich von Rabat in Kentira an die Atlantikküste. Es war schon dunkel und ich suchte mir direkt am Strand einen Platz zum Campen. Die Meerespriese und das Rauschen des Meeres ließen mich schlafen wie ein Murmeltier. Oder lag es daran das ich 700 km bei 39 – bis 42 Grad gefahren war? Ich habe gegessen, mich ins Zelt gelegt und war weg. Morgens gut ausgeschlafen schaute ich erst mal wo es mich im Dunkeln am Vorabend hin verschlagen hatte. Das passt, ein guter Platz und erst mal ein wenig frisch machen und die Füße, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, im Meer vertreten.

Ich fuhr dann weg vom Atlantik in Richtung Al Hocheima an die Mittelmeerküste und dort blieb ich zwei Tage an der Küste. Nochmal am Geröllstrand übernachten und am nächsten Morgen 10:00 Uhr war ich an der Grenze in Melila. Vor mir standen in drei Reihen ca 300 Autos, die in die spanische Enklave wollen. Geschätzte Wartezeit 24 Stunden. Ich hielt gleich Ausschau nach einen Schleuser. Es funktionierte reinwärts, also vielleicht auch raus aus Marokko. Kaum ausgedacht und schon tippte mir einer auf die Schulter und meinte „du bist hier falsch in der Reihe da stehst du zwei Tage“. Er sprach fließend Deutsch (geboren in Darmstadt) und sagte „ich bring dich rüber“. „Klar, mach mal“ sagte ich. Er sagte „du fährst jetzt hinter mir her ich laufe vor dir“. Er räumte Absperrungen weg, drückte eine Reihe mit Leuten lautstark auseinander und ich fuhr an den ganzen Autos bis zum Grenzposten vorbei. Dort checken wir meine Papiere, was ich alles brauche und er sagte, dorthin mit dem Pass, dann dort hin mit den Quadpapieren und den Zettel für das Fahrzeug und da ein Stempel und und und. In 45 min war ich durch. Voll der Hammer. Er wollte einen 20er, dafür ich gab ihm 25 €. Was ich aber in der knappen Stunde dort alles erlebt habe. Von Verhaftungen, über Schlägereien unter den Berbern, Geschrei, und ein Polizist mit gezogener Waffe, der einen Marokkaner in Schach hielt und wo permanent Leute an der Grenze abgewiesen werden. Da möchte ich keinen Tag bleiben und sah zu das ich hier weg kam. Ich war 12:00 Uhr im Hafen von Melila holte mir für das nächste Schiff ein Ticket und eine Stunde später ging es auch schon aufs Schiff. Optimaler geht es nicht. Abends in Almeria angekommen fand ich gleich einen kleinen Campingplatz mit normalen Preisen und der auch recht leer war, obwohl er am Strand lag. Der nächste Weg führte mich in die Sierra Nevada in die ich über El Ejido einfuhr. Ich hörte ungewohntes Rasseln und machte einen Stopp um zu sehen wo es herkommt. Na ja, mein Auspuff war gerade dabei sich in seine Bestandteile aufzulösen. Die Halteschrauben sind komplett herausgerüttelt und es klaffen große Löcher im Endtopfblech.

Ich habe ihn dann mit Draht aufgehängt und verzwirbelt. Egal wie, muss halten die nächsten 2000 km und die Rücklichter habe ich schon in Marokko aufgegeben, eins gibt es gar nicht mehr. Ich suchte mir später dann einen Platz abseits von der Straße an einem Berg, wo ich übernachten kann. Ich hatte gerade alles aufgebaut und die Spagetti kochten, da kam der Eigentümer von dem Land mit dem Jeep vorbei. Er schaute, lächelte hob den Daumen was ich erwiderte und er fuhr weiter den Berg hoch zu seiner Plantage. So verbrachte ich wieder eine sehr ruhige Nacht ohne Campingplatz-Getöse. Das sind immer die besten Nächte und ich mag das sehr. Schnell war dann auch die französische Grenze erreicht und es ging der Rhöne entlang in Richtung Deutschland.
Einfach eine geile Tour und jeder Zeit würde ich wieder Marokko bereisen.

Gefahrene Kilometer: 7300 km

Tage: 18

Fahrzeug: Adly Herkules 500

Videos und weitere Bilder gibt es für alle auf meiner Hp : www.lk-racing.de

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