Rage Buggy – Colin McRaes Erbe

Die Quadwelt wurde exklusiv nach Bedfordshire in der Nähe von London eingeladen und testete als erstes deutsches Magazin direkt in England die hochmotorisierten Buggies von Rage Motorsport. 140 PS, Automatikgetriebe und Colin McRaes Gene im Rage Hurricane?

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Begehren

Wenn sie losgelassen und im Schlamm des legendären Millbrook-Offroad-Testtracks nach Traktion gieren, reißen 140 PS so brachial am Dasein des auserwählten Fahrers, dass der menschliche Verstand nur zögerlich reagiert und in den Grenzen seines Horizontes nach Verständnis sucht. Zögerlich reagiert der Fahrer auf das Wirkende und seine Gefühle taumeln im Sog der g-Kräfte – der martialischen Beschleunigung. Sie, die Gefühle, geraten ins Schleudern und der Magen, mit heftigen Schlägen traktiert, schreit nach Mehr. Und das Mehr ist zum Greifen nah, explodiert es doch förmlich im Rücken des Piloten. Dichter, extremer, leistungsfähiger – Rage Motorsport baut den ultimativen Racer.

Onroad: auch eine Straßenversion des Rage ist verfügbar

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Erfahrung

Anthony erklärt uns warum. Wenn Anthony von seinen Fahrzeugen spricht, ist er nicht aufgeregt, er spricht ruhig und kontrolliert, weiß was er sagt. Sein Verständnis, sein Gefühl zu den Fahrzeugen ergab sich nicht aus der Lektüre von Literatur oder aus dem Geschwätz von Anderen, sondern im direkten Kontakt zu den Buggies. Eine Verbindung, die sich in tausenden Kilometern Fahrerfahrung ergab und spürbar wird, sobald er von seinen Buggies erzählt. „2007 habe ich mir einen Buggy gekauft, einen R140. Ab da ließen mich die Buggies nicht mehr los.“ sagt Anthony, Managing Director von Rage, und man glaubt ihm. Er ist ein Experte, kein Schwätzer und bewies es später auf dem Testtrack. Anthony konnte nicht mehr loslassen von Fahrzeugen, die in Handarbeit entstehen und so meisterlich verarbeitet sind, dass die britischen Zulassungsbehörden keine Fehler fanden und den Extrem-Sportler eine Straßenzulassung genehmigten. „Ich war zuerst ein Kunde, aber ich wurde zum Begeisterten.“ setzt Anthony überzeugt fort. Im Grunde ist solchen Aussagen nichts entgegenzusetzen, sind seine Erfahrungen doch in den ersten Sekunden des Erlebens der Buggies sofort nachvollziehbar. Kann ein Fahrzeug mit nur minimalistischer Technik, die so kraftvoll wie nur wenig vergleichbares erscheint, wirklich derartig faszinieren? Ja. Erfahrungen ermöglichten bei der Entwicklung des Fahrzeuges das Auslassen von Fehlern, die zu einer Reduzierung des Fahrspaßes beitragen würden und das Fahrzeug im Nebel des Wettbewerbs hätte verschwinden lassen. Und so existiert die Marke Rage seit 2003. Eine berechtigte Existenz.

Speed

Eng ist alles – der Sitz, das Chassis, der Platz. Auch Raum ist nicht vorhanden. Raum nach oben, denn der Rage Buggy steht ganz oben auf der Liste der Highperformance-Fahrzeuge. Festgekrallt durch 5-Punkt-Gurte, bewegt sich der Fahrer wenig. Er bewegt nur das Notwendige. Arme und Beine sind im Dauereinsatz, will der Pilot den Buggy-Boliden auf der Ideallinie halten. Automatisch wird die Kraft verteilt, ein Schaltgetriebe sucht man vergebens. Was einst als Möglichkeit gesehen wurde, körperlich Behinderten den Traum nach Offroaderleben zu ermöglichen, ist diese heute wohl einzigartige Kombination aus Leistung und Leichtigkeit das Geheimnis von Rage. Der Fahrer konzentriert sich auf das wesentlich – die Strecke, die Linie, die Ideallinie. Er kann sich nicht verschalten, der Buggy schließt Fehler aus. Die Technik ermöglicht die Konzentration auf den Fahrspaß und die Leistung des 140 PS Motors. Wenn er in Wallung gerät, beschleunigt er das Fahrzeug nicht, er katapultiert es in Richtung Ziel, in Richtung der Träume vieler Enthusiasten. Man kann nicht anders, man denkt an Racing, man denkt an Wettbewerb. Dakar, Rally, Speed.

Colin McRaes Spirit

Von ungefähr, von allein kommen diese beeindruckenden und fesselnden Eigenschaften nicht. Colin McRae, zu jung verstorben, begeisterte sich für Rage und die Buggies aus der Manufaktur der Engländer. Er war eins mit ihnen, verkörperte wie kein anderer das Rallyleben und spendete den Buggies seine DNA. Beeinflusst von jahrzehntelangen Erfahrungen im Sport seines Lebens, Rally, sorgte er dafür, dass die Buggies sind was sie sind: extrem, minimalistisch, schnell und brachial. Man sitzt in ihnen und weiß nicht, was passiert. Laues Lüftchen oder Sturm im Schatten von Colin McRae? Unwissenheit die in den wenigen Bruchteilen noch weniger Sekunden Vergangenheit ist und durch Erfahrung ersetzt, Gewissheit weicht.

Drive the line

Man kann nicht anders als es zu lieben. Dieses Gefühl mit dem Buggy verschmolzen zu sein, in ihm zu sitzen. Leicht eingelenkt, schwenkt das Heck wie selbstverständlich ein, zieht sich gerade, bleibt in der Spur. Kein Ansatz von unkontrollierbaren Eigenschaften, doch umso mehr den intensiven Fahrspaß fühlend, wird Runde um Runde abgespult. Ohne an das Ende, freilich durch den Tankinhalt vorherbestimmt, zu denken, hört das Erlebnis nicht auf. Es strömt aus jedem Bauteil des Buggies, ausschließlich in England produziert, durch den festgeschnallten Körper des Fahrers. Wir haben die Ausfahrt genossen, wir haben das Fahrzeug verstanden. Ohne diese ausgiebige, lange und intensive Fahrt kann man der Kraft und Faszination die dem Buggy inne wohnt, nicht folgen. Eine Fahrt im Rage Hurricane und der Geist von Rage bleibt lange in Erinnerung.

Text und Fotos: Martin Zink / faszination@quadwelt.de

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