Rein ins Vergnügen

Es gibt viele Dinge, die man im Leben einmal gemacht haben muss. Ein 1.000er Sport-UTV fahren gehört definitiv dazu! Can-Am und Polaris liefern zwei Exemplare für ein solches Vorhaben. Wir ließen uns auf einen Ritt ein. 

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Das will ich auch! Ein kraftvolles UTV sollte man mal gefahren sein.

 

Es sind schon so ein paar Dinge im Leben, die man mal machen möchte. Wo bei dem Einen vielleicht ein Bungee-Jump auftaucht oder ein Abenteuer, stehen auf den Wunschlisten vieler Motorsport-Fans oder Offroadern Dinge etwa die Teilnahme an berühmten Rennen, extremen Touren oder der Besitz außergewöhnlicher Fahrzeuge. Ganz oben auf der Hitliste der verrücktesten Veranstaltungen steht zum Beispiel das „Zwarte Cross – das schwarze MX-Rennen“ im niederländischen Halle. Das vereint gleich mehrere Dinge, die man mal gemacht haben muss. Vom getunten Rollstuhl über von Motorrädern gezogene römische Streitwagen bis hin zu rollenden Sofas und Crossmaschinen dürfen allerlei ‚Verrückte‘ über die Piste bügeln. Es gibt beinahe für alles und jeden eine Klasse, um sich um den Parcours zu schinden. Zurück geht die Veranstaltung auf illegale Offroad-Rennen in den 1960er Jahren und wurde von 1997 bis 2005 auf der ehemaligen WM-Strecke im Gelderland ausgetragen. Genau das richtige Umfeld für unsere Sport-UTVs.

 Can-Am

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Can-Am Maverick: Aggressives Design, starker Motor und ein beeindruckendes Fahrwerk.

Der Maverick macht schon was her! Sein aggressives Design erinnert an MadMax und dessen utopische Vehikel. Die massive Front, der üppige Innenraum und der mächtige Überrollkäfig lassen ihn größer erscheinen als den Mitbewerber von Polaris.  Der Motor passt dazu, wie die faust auf’s Auge: Ein kraftvoller Zweizylinder mit 976 ccm Hubraum und vier Ventilen pro „Pott“. 101 PS entlockt das Einspritzsystem mit 54er Drosselklappen dem Boliden. Damit ist der Motor baugleich dem des 1.000er Commanders, wobei der im Maverick höher verdichtet. Die elektronische Steuereinheit wurde angepasst und größere Ein- und Auslassventile verbaut. Mit rund 600 Kilo Gewicht und knapp über 100 Pferdestärken sollte man so ziemlich alles aus dem Weg schaffen können, was abseits der Straße oder auf einer Rennpiste wartet.

Das muss aber auch auf den Boden gebracht und kontrolliert werden. Dazu wurde der Kanadier ebenfalls vom Feinsten ausgerüstet. An der Front arbeiten einstellbare FOX-Podium-Dämpfer mit enormem Federweg. Diese rein für Sportfahrten ausgelegten Stoßdämpfer verfügen über eine Doppelgeschwindigkeitsdämpfung, Rückstoß und eine einstellbare Vorspannung, sodass sie an jedes Terrain angepasst werden können. Die Bohrung mit einem Durchmesser von 63,5 mm ermöglicht ein höheres Dämpfungsvermögen, verringert gleichzeitig die beim Stoß entstehenden Temperaturen und sorgt so für weniger Fading. Hinten arbeiten die gleichen Dämpfer, jedoch an den so genannten Torsional Trailing A-Arms -TTA – die an fünf Punkten aufgehängt sind und optimalen Bodenkontakt ohne Durchschlagen gewährleisten. Auf die robusten Beadlock-Felgen wurden die bestbekannten Maxxis Bighorn montiert, in den Größen 27 x 9-12 vorne und 27 x 11-12 hinten. Eingeklemmt ins Felgenbett kann der Reifen mit vergleichsweise geringem Druck gefahren werden, was zusätzliche Traktion bringt.

3-Punkt-Gurte „fesseln“ Fahrer und Beifahrer in den Schalensitz. Sportlich und mit festem Seitenhalt geht es voran durch die Pampa. Was abgeht verrät ein Mix aus analogen und digitalen Instrumenten. Sie geben Auskunft über die Fahrstufe im Display, was manchesmal hilfreich ist. Denn sowohl im 4×2 wie auch im 4×4 Modus geht der Maverick gut um die Kehren. Die breitere Spur bemerkt man kaum. Lediglich bei eng gefahrenen Kurven oder in schmalen Trails. Spaß ist garantiert. Den Ausschlag dafür gibt der zugedachte Einsatzzweck. Für Rally Raid oder Baja Veranstaltungen im ruppigen Gelände und Geröll wist der getestete  Xrs bestens zu empfehlen. Für schnelle, enge Trails und Waldwege eignet sich eher die „Enduro-Version“, der Xxc. Einfache Bedienung, gute Verarbeitung, stimmige Armaturen, bequeme Sitze und ein toll in der Hand liegendes Lenkrad haben uns am Maverick besonders gut gefallen. Den Vergleich zum direkten Konkurrenten Polaris RzR braucht er sicher nicht zu scheuen. Gut, dass wir gleich einen vor Ort haben.

Polaris

Renngerät par excellence: Mit dem 1000er RZR lässt's Polaris krachen.

Renngerät par excellence: Mit dem 1000er RZR lässt’s Polaris krachen.

Der RZR – was alles so aus einem Arbeitsvehikel werden kann. Was die Amerikaner einst mit ihren Ranger-Modellen zum Arbeiten begannen, gipfelt in dem Sportler RZR XP 1000. Im Jahr 2007 erschien der erste RZR mit 800 Kubik und 1.270 Millimetern Fahrzeugbreite. 2008 folgte ein sportlicherer 800 S, dessen Breite bereits auf 1.540 mm angewachsen war. Wegen des großen Erfolges – Side-By-Sides hatten inzwischen eigene Rennklassen – legte man den RZR 900 XP nach, der sich fahrwerkstechnisch grundlegend von seinen Schwestermodellen unterscheidet. Dessen Parallel-Twin bewegt ein 1.620 mm breites Chassis mit 88 PS.

Und hier nun der XP 1000! 107 Pferdchen macht der aus 999 ccm locker und treibt ein 1.626 mm breites Geschoss an. Das Modell verfügt fahrwerksseitig somit über eine breite Spur, lange Federwege und einen niedrigen Schwerpunkt um die Agilität des Renners deutlich in der Vordergrund zu stellen. Das geringe Fahrzeug-Eigengewicht gepaart mit satter Motorleistung ergibt eine rasante Beschleunigung und atemberaubenden Topspeed. Nicht von ungefähr machte ein solches Leistungspaket von sich reden und führte dazu, dass vier von fünf verkauften Sport-UTVs den Polaris-RZR Schriftzug tragen. Wie beim Konkurrenten sorgen enorme Maxxis Bighorns für Gripp: 29×9- 14 vorne und für 29×11-14 hinten. Sie werden am Boden gehalten durch die imposanten 2 „(2,5“ hinten) Walter Evans Schocks. Diese Dämpfer verfügen über besondere Shims und Düsen, die ein Durchschlagen unmöglich machen sollen. Wie beim Can-Am ist die Dämpfung und die Federspannung einstellbar. Vorne stehen 406 mm und 457 mm hinten als Federweg parat um die Schlaglöcher förmlich aufzusaugen. Vorne arbeiten doppelte A-Arms und im Heck finden sich zwei große einzelaufgehängte Querlenker.

Im Fahrgastraum geht es im RZR ein wenig enger zu als im Can-Am Maverick. Aber zugleich auch etwas sportlicher, was spartanischer und härter bedeutet. 4-Punkt-Gurte schnallen die Insassen in unserem Testfahrzeug an. Anschnallen ist auch angesagt, da 80 Prozent der Motorleistung bereits bei 3.500 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Mittig gibt das einfache Instrument Auskunft über das Wichtigste. Fahrend gibt sich der RZR etwas ausgeglichener als der Kanadier und geht kerniger zur Sache. In engen Kehren kommt er besser rum und hinterher etwas knackiger aus den Hufen. Das gilt auch für den Anzug. Überzeugend ist die Bodenfreiheit des neuesten RZRs.

Dinge, die man mal gemacht haben muss

Was macht man mit rund 26.000 bis 27.000 Euro? Was „Unvernünfziges“, wie zum Beispiel einen unserer Testkandidaten kaufen und damit über eine Crosspiste bügeln oder Rallyes bestreiten. Alleine ist man dann nicht, es gibt inzwischen genügend Verrückte, deren „Löffel-Liste“ – jene Aufstellung der Dinge, die man erledigt oder erlebt haben will bevor man den „Löffel abgibt“ – das UTV-Fahren aufweist. Mit dem RZR geht das eine Spur sportlicher als mit dem Maverick, mit diesem dagegen etwas bequemer. Wer’s mag – wir sind nun im Bereich der persönlichen Geschmäcker.

Beim „Zwarte Cross“ kann man übrigens auch mitmachen. Das Event ist nach Lichtenvoorde umgezogen, aber immer noch verrückt genug für Eure persönliche Liste. Guckst Du hier: http://www.zwartecross.nl/
Also – nix wie rein ins Vergnügen.

Mehr Infos zu den beiden UTVs: 
http://polarisgermany.de/atv-ranger/rzr/rzr-xp-1000/spezifikationen.html
http://de.brp.com/off-road/side-by-side/maverick/maverick-x-rs-dps/technische-daten.html

Weitere Bilder

Can-Am Maverick X rs DPS 

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Polaris RZR 1000 XP

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Text: Jurgen van Son; Ralf Wilke
Fotos: Maurice van Oosten

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