John Deere Gator XUV 825i

Aufrüsten im Wald

John Deere stellt seine neue Gator-Reihe vor. Die Side-By-Side schaffen den Spagat zwischen Arbeitsgerät und Spaß-Fahrzeug. Nix mehr mit behäbig, jetzt geht’s zügig durch’s Gehölz. Wir fuhren exklusiv die neuen Modelle.

Bereits 1987 stellte der amerikanische Hersteller von landwirtschaftlichen Fahrzeugen sein erstes, ATV-ähnliches Gerät vor. Seinerzeit wie heute galt der Slogan „Nothing runs like a Deere“, wobei „running“ eher auf die Zuverlässigkeit der Maschinen abzielte, als auf deren atemberaubendem Tempo. Es geht auf dem Acker halt nicht um Geschwindigkeit.

So sind auch die bisherigen Side-By-Side-Fahrzeuge der Amis eher arbeitstechnische Highlights, als das die den Freizeit- oder gar Wettbewerbsfahrer vom Hocker gerissen hätten. Obwohl es über die Ausstattung nichts zu meckern gibt. Alles da, alles dran, was man braucht, um in unwegsamen Gefilden voran zu kommen.

Jetzt der leichte Kurswechsel: JD stellt seine neuen XUV vor. Das Kürzel im Modellnamen steht für „crossover utility vehicle“, womit der Einsatzbereich eigentlich schon immer auf beide Bereiche ausgedehnt war. Ab sofort – mit dem neuen Gator XUV 825i – deutlicher als bisher. JD sieht in dem 812 Kubik starken Einspritzer die beste Kombinationsmöglichkeit aus Agilität und Arbeitsfähigkeit. Wir schauen gerne hin, ob der Hirsch (Deere) nun näher an’s Nashorn (Rhino) gerückt ist.

Neue Hirsche – echte Krokodile?

Drei Zylinder in Reihe, flüssig gekühlt, Einspritztechnik und vier Ventile pro Topf. Klingt ziemlich nach Auto-Motor. Ist im Falle des neuen Gators auch tatsächlich so: Das Triebwerk stammt aus China, wo es in einem Kleinwagen von Chery International tausendfach Dienst leistet. So auch in Autos, wo man es kaum vermuten würde. Buggy-Fahrer kennen die Motoren des Herstellers von Borossi.

50 PS lautet die werksseitige Leistungsangabe von JD, was den Gator auf rund 70 Klamotten pro Stunde beschleunigen soll. Mit 739 Kilo Gewicht ist das Side-By-Side gute 90 kg schwerer als der Klassendurchschnitt. JD selber sieht den neuen Gator etwas beim Kawasaki Theryx angesiedelt, der dem Neuen am ähnlichsten sein soll.

Im Cockpit das Standartbild: Die leichtgängige CVT-Automatik wird über einen Wahlschalter – rechts – in die Fahrstufen H-L-N-R gesetzt.

Neues gibt’s auch bei der Diesel-Variante des Gators für 2011: Aus dem 850er wird ein 855er mit 25 PS und einem angegebenen Tempo von 51 km/h. Damit wäre er das schnellste Arbeitsgerät mit Dieselantrieb in der Side-By-Side-Klasse. Die vergleichsweise dennoch geringen Leistungswerte sind den US-Umweltvorschriften geschuldet.

Zusätzlich kommt nächstes Jahr auch ein 625i, der den Gator XUV 620i ersetzen wird. Allen Modellen ist das Chassis gleich, welches an allen vier „Ecken“ 209 Millimeter Federweg bietet. Hinten helfen Stabilisatoren dem Fahrwerk um die Kurven, die Federbeine sind in der Vorspannung einstellbar. Die Scheibenbremsen verfügen über zwei Kolben, welche griffig an die jetzt vergrößerten Scheiben packen. Ein unabhängig arbeitendes Parkbremssystem hindert den Alligator am Ausbrechen ohne Dompteur. Will der losfahren, mahnt ein Hupton das Lösen der Bremse an.

An einigen Modellen fanden wir schweren Unterfahrschutz aus Metall. In grobem Gelände, so JD, ein Vorteil, der den damit verbundenen Kraftverlust wettmacht. An die Sicherheit des Piloten dachte man, als man das Anschnallzeichen für den Dreipunktgurt integrierte.

Transportieren könnte man schon eine ganze Menge. Hirsche oder Alligatoren eingeschlossen. Denn mit 0.46 m3 Größe bzw.  453.6 kg Kapazität lässt sich einiges weg schaffen Simpel sind die Bordwände des Gators zu entfernen, so dass dann sogar eine Palette auf die entstandene Plattform passt! 21 Befestigungspunkte sind zum Verzurren vorgesehen und vorhanden.  Insgesamt kann ein Gator 635 Kilo befördern und 680 ziehen. Mit einer langen Liste an Zubehör begegnet man nahezu allen erdenklichen Anforderungen des Arbeitslebens. Das meiste davon mit dem „Quick Clamp“ System ohne Werkzeug montierbar. Boxen, Gewehrhalter, Bumper, verschiedene Rad-/ Reifenkombinationen – alles wird abgedeckt um den individuellen Wünschen der JD-Kundschaft zu helfen.

Hirsche in freier Wildbahn

Arbeit, Sport und Spiel – die beiden letzten Dinge stehen oftmals im Vordergrund. Bei all der Arbeitswilligkeit gilt es heraus zu finden, ob man mit dem Gator auch Freude hat bei der Freizeitgestaltung. Also, ab in den Off-Road-Park mit Trails und Waldpassagen, offenen Wegen und Steilauf- und abfahrten. An einem der ersteren, steigen wir mit dem 825er auf, der den Auftrag mit erstaunlichem Drehmoment und Vehemenz annimmt. Die Reifen krallen sich in den Untergrund und die Maschine zieht sauber aufwärts. Das Ganze in angenehmen Sound aus drei Pötten. Jäger dürften den dennoch als zu laut empfinden. Der zugestopft und klein wirkende Luftfilterkasten könnte den Gator von mehr Kraftentfaltung abhalten, so dass ein Blick zum Zubehör sinnvoll erscheint.

Der 625er hat im Vergleich zum großen Bruder deutlich weniger Durchzug, schafft aber seine Aufträge ebenfalls mit Bravour und ohne nennenswerte negative Kritik. Alles nur ein wenig gemächlicher und weniger aggressiv. Starten lässt sich übrigens keiner der Gatoren mit eingelegter Fahrstufe. Neutral ist die Position, aus der man den Motor zum Leben erweckt. Mit Heckantrieb geht’s vorwärts, die Vorderräder helfen mit, wenn diese durchdrehen. Dazu wählt man den Modus AWD. So ist man dauerhaft als Heckschleuder unterwegs. Eine Sperre für das Frontdifferential ackert durch noch größeres Ungemach. Die Motorbremse kommt eigentlich nur bei steilen Abfahrten zur Geltung. Das muss der Fahrer wissen, wenn er vor Kurven nur leicht verzögern will. Dafür packen die Scheiben 1A.

In Kurven lässt sich der Gator präzise steuern. Sowohl der 825er als auch der Kleinere. Nur in schneller Fahrt hadert man bisweilen mit dem großen Lenkeinschlag. Da „rudert“ man schon ganz schön. Die angekündigte elektronische Lenkhilfe – Power-Steering –  wird da wohl helfen. In zwei Prototypen, die wir ebenfalls testen konnten, funktionierte das schon klasse. Die Gators sind 50 Millimeter breiter geworden und damit auch breiter als die meisten Konkurrenten. Aber – und hier ist der Vorteil des Lenkeinschlags – dreht sich das Teil fix wie ein Quad. Der Ritt ist weich und entspannend, das Fahrwerk dementsprechend. Bei harter und aggressiver Fahrweise kann der erfahrene Pilot es an die Grenze bringen. Okay, hier liegt der Kompromiss mit dem Arbeitstier. Jedenfalls läuft die Fuhre lange nicht den Spurrillen nach. Als Zubehör werden bald schon voll einstellbare Fox-Dämpfer erhältlich sein, so JD.

 

Und damit schließt sich der Kreis. JD ist er gelungen, der Spagat zwischen Sport und Arbeit. Letzteres kann er besser, das andere aber auch mit viel Vergnügen. Jedenfalls haben sich die Konstrukteure viel einfallen lassen, um attraktive Fahrzeuge zu präsentieren. Die Balance ist gut.

Text und Fotos: Bill „WBGO“ Lanphier

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