Ein Déjà-Vu

Geschrieben von am 26. Januar 2022 in Allgemein

Hurra! Die Sport-Quads sind zurück! Importeur Michael Leeb beschert der Szene mit der Access Enduro 480 endlich wieder ein heckgetriebenes Quad mit Einzylinder und Schaltgetriebe. Ganz entgegen dem Trend. Das Fahrzeug geht mit bekannten Tugenden ins Rennen.

Offroad-Tour: Mit einer Enduro geht einfach mehr.

Es gibt Dinge, die kommen einfach nicht aus der Mode. Sie sind und bleiben begehrenswert. Werden diese Dinge seltener oder sind nicht mehr so einfach verfügbar, blickt man gerne zurück und besinnt sich ihrer Vorzüge. Doch mit der Mode ist das so eine Sache: was gut war, kehrt irgendwann zurück. Mit den Sport-Quads ist das ähnlich. Die „Heckschleudern“ mit Starrachse bereiteten der Szene den Weg zum Erfolg. Von 200 bis 700 Kubik, meist in einem, manchmal in zwei Zylindern verpackt, war alles zu bekommen, was das Herz eines sportlichen Fahrers begehrte. Die Markenvielfalt war lange Zeit kaum überschaubar. Heute ist sie das schon. Außer Yamaha und einigen Kleinserien-Herstellern, bietet kaum noch jemand Sport-Quads an. Die Premiummarken konzentrieren sich auf die vielseitigen ATVs, nahmen ihre Quad-Modelle nach und nach vom Markt. Dabei erfreuten sich doch vor allem die 450er großer Beliebtheit. Das tun sie immer noch.

Neuauflage eines Klassikers: Die Enduro von Access bringt Michael Leeb zurück in die Szene.

Grund genug für die Michael Leeb Trading, seines Zeichens Importeur für die taiwanesische Marke Access, einem Klassiker neues Leben einzuhauchen. Das hier vorgestellte Quad ist uns nämlich schon als Triton in die Hände geraten, aber auch unter dem eigenen Label Access. Schon seinerzeit machte der robuste Motor von Fuji auf sich aufmerksam. Selbigem bescheinigten wir bereits zu verschiedenen Gelegenheiten ordentlich Schub in allen Lebenslagen. Die Ingenieure bei Access überarbeiteten den Eintopf gemeinsam mit dem Motorenhersteller und verpassten ihm im Laufe der letzten Jahre mehr Drehmoment aus dem Keller. Einst ein Manko, braucht er aktuell nur noch etwas Drehzahl am Anfang als Ansporn, will man zügig in Schwung kommen. Der Motor verfügt über eine offene Leistung von etwa 40 PS und zeichnet sich durch ein breit nutzbares, lineares Drehzahlband aus. Michael Leeb bietet das Quad mit einer LoF-Zulassung an. Geblieben ist der Hubraum von 449 ccm, wenngleich die Modellbezeichnung 480 lautet.

Never change a running system

Es gibt noch mehr Bewährtes zu finden. Die klare Linienführung und die Integration der Beleuchtung in das Erscheinungsbild ist gelungen. Zu meckern gibt es bei der Ausstattung und der Verarbeitung nicht viel. Die Serienausstattung besteht aus pulverbeschichtetem Rahmen, Offroad-Bereifung, Aluminium Nerfbars, absperrbarem Tank und der obligatorischen Nebelschlussleuchte sowie einer Anhängerkupplung. Drei Wave-Scheibenbremsen verzögern den Vortrieb. Die Stahlflexleitungen und kräftige Zangen erzeugen gute Bremsleistungen. Alu-Nerfbars mit Fersenschutz runden das sportliche Bild ab. Das Design der Verkleidung kann als sportlich und eigenwillig beschrieben werden. Der Hauptscheinwerfer wurde zugunsten der Ellipsoid-Leuchten entfernt, was der Optik guttut. An der Schwinge gibt es nichts Neues zu entdecken. Hier greift man auf Altbewährtes zurück. Suzuki lässt grüßen. Das in Kastenbauart gehaltene Fahrwerksteil findet sich 1:1 in der bekannten LTZ 400 wieder. Ein Digitaldisplay informiert den Fahrer über die Geschwindigkeit, Drehzahlbereich und den Tankstand. Den Käufer wird sicherlich freuen, dass ihm der Griff ins Zubehörregal erspart bleibt und nur Zeit in die individuelle Einstellung des Fahrzeugs investiert werden muss. Eine Enduro hat im Quadsport einen Rückwärtsgang. Dieser wird an einem Hebel am linken Lenkerende per Seilzug aktiviert. Ersten Gang einlegen – Hebel drücken und nach unten schalten – das war’s! Im Display zeigt das „R“ die gelungene Gangwahl an. Beim Hochschalten ist dann automatisch wieder der erste Gang eingelegt. Die Anordnung dieses Schalters ist sehr praktisch, da man die Hand nicht vom Lenker nehmen muss. Das Ganze funzt butterweich.

Fahrpraxis

Alltagstauglich: Zügig von A nach B.

Das Fünfganggetriebe schaltet sich exakt, neigt aber unter extremer Belastung bisweilen etwas zum Hakeln. Ein großer Kühler mit dahinter liegendem Ventilator sorgt bei großer Anstrengung für moderate Temperaturen im Motorblock. Starten lässt sich der Triebling per E-Starter. Die Federelemente sind recht straff abgestimmt. Sie erfüllen ihren Zweck im als Allrounder konzipierten Quad und decken ein recht breites Spektrum ab. Das Serien-Setup ist für moderate Einsätze endurotauglich. Im Gegensatz etwa zu einem 450er-MX-Quad entfaltet der Motor seine Leistung konstant. Keine brachiale Power zerrt an den Armen und damit an der Kondition. Das kommt dem Fahrer entgegen, der mit hobbymäßigem Wettkampfeinsatz oder gelegentlichen Ausflügen auf die Crosspiste liebäugelt. Für solches Tun müsste aber letztlich doch Hand ans Fahrwerk gelegt werden. Im Alltag stehen Fahrten zur Arbeit oder die Feierabend-Tour auf der Agenda. Der Mix aus Enduro, Off- und On-Road machen schließlich den Allrounder aus. Das heißt aber, dass wir auch die Straße meistern müssen. Auf Asphalt liegt der Sportler recht gut auf der Straße, verlangt aber etwas Körpereinsatz in schnellen Kehren. Durch seine Breite bleibt die 450er grundsätzlich sicher und spurstabil. Nervig sind die unglaublichen Abrollgeräusche der Geländebereifung.

Eine echte 450er: Flotte Gangart auf dem Enduro-Kurs.

Die greift aber dafür zackig in den losen Untergrund des MX-Tracks und während der Enduro-Tour, die wir im Zusammenhang mit den Testfahrten absolvierten. Man kann das Quad bei mittlerer Drehzahl gut beherrschen, nach oben raus sind noch Reserven vorhanden. Diese können bei unerwarteten Hindernissen und aus Kurven oder Kehren heraus freigesetzt werden. Ein beherzter Griff zum Daumengas und ab geht’s. Die Vorhand lässt sich ganz gut lupfen. Buckelpiste im Wald, enge Bäume, Wurzeln – läuft. Grenzen setzen da eigentlich nur die Seriendämpfer. Die Starrachse, das sportliche Handling und der Motor ermöglichen Driften ohne Ende. Einzig die Bodenfreiheit hinten unter dem Kettenrad ist nicht überwältigend.

Fazit: Reanimation gelungen!

Danke Michael Leeb! Mit der Access Enduro 480 ist ein Quad zurück, das leicht zu handhaben, sportlich zu bewegen und dabei recht robust ist. Die Serienausstattung ist top. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Tuning-Potential liegt im Fahrwerk, wenn der Besitzer mit entsprechender Fahrerfahrung die sportlichen Grenzen verschieben möchte. Wer ausschließlich auf der Straße unterwegs ist, dem bietet die Access Enduro 480 eine gute Basis zum Umbau – oder man holt sich gleich die Super-Moto-Version. Aber das ist eine andere Geschichte.

Text: Ralf Wilke
Fotos: Ralf Wilke; Michael Leeb Trading

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