Reiß Dich am Riemen!

Geschrieben von am 1. Juni 2020 in Allgemein, Test + Technik, Zubehör

Antriebsriemen im ATV / UTV: Kraftüberträger für die Motorleistung, aber zugleich ein Schwachpunkt am Fahrzeug. Was tun, um den wichtigen Gurt am Leben zu halten? Wir schauen genauer hin.

Das CVT-Getriebe, als Medium zwischen Motor und den drehenden Massen, also den Rädern, hat sich bei allen Herstellern von ATV und Konsorten durchgesetzt. Warum? Weil die Technik an sich recht simpel und günstig ist. Darüber hinaus kann ein CVT-Getriebe auch die Motoreffizienz steigern und ermöglicht dem Fahrer eine enorme Vereinfachung der Bedienung. Also nur Vorteile mit einer „Continuously Variable Transmission“ wie das stufenlose Zugmittelgetriebe auch genannt wird? Nun, wie so oft im Leben gibt es auch hier einen Haken. Schwachpunkt der Konstruktion ist das im Fachjargon als Umschlingungsmittel bezeichnete Bauteil, das wir aber einfacher als Keil- oder Antriebsriemen kennen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um formgezahnte Keilriemen, die sich als besonders robust erwiesen haben. Die Riemen bestehen aus hochmodernen Kunststoffen, die die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen müssen.

Tausendsassa

Obwohl heute fast alle Antriebsriemen gleich aussehen, es gibt doch gewaltige Unterschiede. Insbesondere durch die enormen Anforderungen der immer leistungsstärkeren Motoren von UTV und ATV müssen die Antriebsriemen heute gewaltigen Kräften standhalten. Dazu zählt in erster Linie die Konstanz in Bezug auf Länge und Breite. Dabei bestehen besondere Anforderungen an die Flanken des Riemens, weil diese den Kraftschluss zwischen Riemen und Riemenscheiben bilden. Dabei muss der Riemen aber auch hochflexibel beim Rundlauf sein. Hier hat sich der formgezahnte Riemen als besonders geeignet etabliert. Die Verzahnung nimmt dabei die extremen Materialstauchungen beim Umlaufen der Riemenscheiben auf und sorgt zusätzlich für stabilen Rundlauf. Ein zusätzlicher Effekt, den man nicht unterschätzen darf: Durch die Verzahnung wird im Getriebegehäuse ein Luftzug erzeugt, der kühlende Luft ansaugt und durch die Reibung erhitzte Luft wieder abführt. Die Seiten des Riemens müssen die Druckkräfte der Riemenscheiben und der Kupplungen aushalten und dabei nicht gestaucht werden. Mittlerweile sind Motoren mit mehr als 100 PS keine Seltenheit mehr und auch Drehzahlen von bis zu 9.000 U/min malträtieren den Riemen. Auch der übliche starke Wechsel zwischen Vollgas und Bremsung gerade im Gelände stellen hohe Anforderungen. Dazu zählt auch die Bremswirkung des Motors, die ebenfalls durch den Antriebsriemen erzeugt wird. Nicht zuletzt muss der Riemen zwischen Temperaturen von minus 30 Grad C bis hin zu plus 100 Grad C seinen Job erledigen. Nicht wenig für ein Stück Gummi.

Echtes Verschleißteil

Auch wenn moderne CVT-Riemen heute schon wahre Wunder der Technik sind, die Hersteller sind dennoch ständig gefordert noch bessere Qualitäten zu finden. Denn es ist kein Geheimnis, dass es ATVs gibt, die als echte Riemenfresser bekannt sind. Klar, meistens handelt es sich dabei um die Maschinen mit richtigem Bums. Der ständige Schlupf und der enorme Druck denen ein Riemen zwischen den Scheiben ausgesetzt ist, sorgen irgendwann für den Exodus. Meist passiert das unangekündigt und mitten in der Pampa. Dabei kann man tatsächlich aktiv dazu beitragen, das Leben des Riemens zu verlängern. Was man wissen muss: Hitze ist des Riemens Tod. Die Hersteller haben in unzähligen Tests ermittelt, dass ein guter Riemen rund 100 Grad C noch ganz gut wegsteckt. 200 Grad C kann ein Riemen vielleicht noch kurzfristig aushalten, allerdings ist der Verschleiß da schon überdurchschnittlich hoch. Es gibt auch High-Performance Riemen, die in Fahrzeugen für den Rennsport eingesetzt werden, die manchmal 400 Grad C und mehr aushalten müssen. Hier werden aber auch schon zusätzliche Kompressoren ein gebaut, die Kühlluft in das Getriebegehäuse pumpen. Reibungshitze ist also das größte Problem für den Riemen, aber wie kriegt man das am Besten in den Griff? Nun, durch Vermeidung oder Reduzierung. Das Getriebegehäuse verfügt über Ein- und Auslasskanäle zur Belüftung, oft auch noch über Filter. Jede Veränderung dieser Kanäle, zum Beispiel durch die heute so beliebten Umbauten für extremen Mud-Einsatz (Schnorchel), beeinflusst die Riemen-Temperatur. Allerdings würde auch eindringender Schmutz oder Wasser die Leistung des Getriebes mindern, weshalb ein höher gelegter Lufteinlass das kleinere Übel darstellt.

Aber auch Eingriffe an der Maschine, die zum Beispiel die Motorleistung erhöhen, das Montieren von größeren Reifen, oder auch zusätzliches Gewicht durch Unterbodenschutz oder Koffer können sich auf die Getriebetemperaturen auswirken. Profis kümmern sich bei tiefgreifenden Fahrzeug-Mods auch um Anpassungen der CPU und der Kupplungen im Getriebe. Wir empfehlen aber nur ganz versierten Schraubern sich der Thematik selbst anzunehmen. Das gilt auch für einen weiteren Pflegetipp, die Reinigung der Kupplung und das Nachschleifen der Kupplungsbeläge. Der Riemen erzeugt Abrieb, der sich mit der Zeit auch auf die Kupplungsbeläge setzt. Das vermindert geringfügig die Funktionsfähigkeit und führt schließlich wiederum zu höheren Temperaturen. Es gibt aber noch weitere Umstände, die einen erhöhten Verschleiß verursachen. Dazu gehört auch das Fahren bei geringer Geschwindigkeit und hoher Motordrehzahl. Das passiert meist im schwierigen Gelände oder wenn die Reifen sich im Schlamm festbeißen. Die Antriebskupplung dreht beim Gas geben, aber der Riemen kann die Kraft nicht auf die Räder übertragen, der Riemen rutscht und verbrennt quasi an einer Stelle. Der Riemen wird zwar nicht sofort kaputt gehen, aber der Verschleiß ist dabei enorm und bei nächster Vollgasfahrt macht sich die Unwucht des Riemens bemerkbar und macht dann unerwartet und plötzlich schlapp.

Ein wenig Zuwendung

Der Normalfahrer wird in der Regel kaum in die Verlegenheit kommen, einen Riemen zu wechseln. Meist wird das in der Fachwerkstatt im Rahmen der Wartung erledigt. Mit ein wenig Schrauber-Blut ist das aber kein Hexenwerk. Wer sich aber schon mit größeren Umbauten an seinem Fahrzeug befasst, sollte dann auch die Getriebekupplungen nicht außer Acht lassen. Der Handel hält entsprechende Tuning-Kits vor. Gute Werkstätten können auch Empfehlungen geben, welcher Riemen für welche Einsatzzwecke am besten geeignet ist. Eine regelmäßige Kontrolle insbesondere der Zu- und Abluftkanäle des Getriebegehäuses und die penible Reinigung aller Komponenten tragen wesentlich zur Lebensverlängerung des Riemens bei.

Text: Frank Meyer

Fotos: Shadow-Quad, Can-Am, Yamaha, Ralf Wilke, Parts Europe

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