Fast Forward

Geschrieben von am 17. Mai 2020 in Allgemein, Test + Technik

Die exquisiten Umbauten von Sebastian Jornitz und auch dessen Eigenkreationen unter dem Namen Exeet bekannt, sind allesamt einem gemeinsamen Ziel unterworfen – schnell vorwärts! 

Das ist also traditionell auch eine der wichtigsten Eigenschaften der neuesten Kreation aus dem Hause SJ Racing. EX Viper ist die Typbezeichnung und nicht zum ersten Mal ist ein Yamaha Schneemobil die Basis für ein ganz besonderes Quad.

Noch kein Jahr ist es her, da stellte uns Sebastian Jornitz ein ziemlich abgefahrenes Quad zur Testfahrt zur Verfügung. Ein mit Rädern ausgestattetes Schneemobil – das war selbst für uns eine heftige Überraschung. Die Überraschung war allerdings noch viel größer, als wir feststellten, dass diese Konstruktion nicht nur enormen Fahrspaß erzeugt, sondern auch technisch überzeugt. Nicht zuletzt auch durch unseren Fahrbericht hat sich eine rege Nachfrage entwickelt, die sich jetzt mit weiteren Umbauaufträgen konkretisiert. So ist auch die neueste Kreation ein Kundenauftrag. Als Basis dient wieder ein Yamaha-Schneemobil. Grundsätzlich könnte Sebastian Jornitz auch mit den Motorschlitten anderer Hersteller arbeiten, aber die Yamaha-Modelle können den Perfektionisten in Bezug auf Qualität und hochwertige Verarbeitung überzeugen. Diesmal hat sich die Exeet-Schmiede in Absprache mit dem Kunden für ein im Schneemobil-Bereich schon extremes Kraftpaket entschieden. SR Viper S-TX DX heißt der Schlitten und bedient die gehobenen Bedürfnisse der oberen Mittelklasse insbesondere im Bereich Touring.

Sledge Hammer

Punch wie ein Vorschlaghammer hat dieser Schlitten. Das durften wir wieder einmal bei einer exklusiven Testfahrt selbst erfahren. Dazu trägt vor allem der Yamaha Dreizylinder-Motor mit mehr als 1.000 ccm Hubraum und einer Leistung von 135 PS bei. Der intern mit „Genesis“ bezeichnete Motor ist fast baugleich mit dem Dreizylinder im aktuellen Sport Side-by-Side YXZ 1000R, ist für den Einsatz im Schneemobil aber insbesondere beim Ansaugtrakt und dem Einspritzsystem angepasst worden. Den Antrieb übernimmt eine CVT-Automatik, die auch über einen R-Gang verfügt. Ein großer Vorteil des Schlitten-Bodys als Quad ist die besonders einfache Zugänglichkeit zu allen wichtigen Bauteilen für die Wartung. Auch die CVT ist mit einem Handgriff an der seitlichen Abdeckung freigelegt. Auch alle Baugruppen für die tägliche Wartung sind allesamt easy zu erreichen. Wie schon beim ersten Schneemobil-Umbau aus dem letzten Jahr wurde auch diesmal das Fahrwerk komplett erhalten. Das hintere Federbeinduo hat die eigens konstruierte Schwinge gut unter Kontrolle. Vorn kommen Hochdruckgasdämpfer von FOX mit 254 mm Federweg zum Einsatz, die natürlich in der Härte auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt werden können. Eine Besonderheit an den vorderen A-Arms ist, dass die schon werkseitig in der Vorspur einstellbar sind. Das kommt der Verwendung am Quad extrem zugute. Die Konstruktion der Schwinge und der Hinterachse ist aus dem Hause Exeet und bringt das Fahrzeug mit den 225er Reifen auf eine Breite von 1,50 Meter. In Verbindung mit dem Radstand von 1.700 mm entsteht eine Straßenlage, die ein übliches straßentaugliches Quad kaum erreicht.

Der von Sebastian Jornitz designte Querträger am Heck erfüllt mehrere Aufgaben. Zum einen findet die Anhängerkupplung dort ihren Platz und zusätzlich dient die stabile Strebe als Halter für die eleganten Radabdeckungen. Die fehlen übrigens an unserem Testfahrzeug noch an der Vorderachse, werden aber genauso dezent in das Design integriert, wie jetzt schon die winzigen Beleuchtungsteile. Die Frontscheinwerfer wurden aufwendig in der originalen Optik durch E-geprüfte Linsenscheinwerfer ersetzt. Eine Besonderheit an der Viper ist die Auspuffführung. Das Schneemobil kommt mit einem kompakten Sammler direkt unter dem Motor aus, die Abgase werden im unteren Bereich kurz hinter der Vorderachse ins freie entlassen. Einer der Kühler musste beim Umbau aus dem Motorbereich nach hinten ins Heck verpflanzt werden. Der obere Heckträger wurde ebenso von Jornitz speziell entwickelt. Hier finden, falls gewünscht, auch Koffer oder Top-Cases für die große Reise ihren Platz. Ebenfalls fehlt noch eine Scheibe vor der gut ablesbaren zweiteiligen Tachoeinheit, hier hat der Kunde das letzte Wort bezüglich der Größe.

Eiskalt erwischt

Wie bei Sebastian Jornitz schon gewohnt, ist unser Fototermin kurzfristig verabredet und das Objekt der Begierde steht mit roter Nummer fürs Roll-Out bereit. Nach dem die Bilder im Kasten sind, dürfen wir das kostbare Einzelstück selbst übers Land scheuchen. Und schon geht’s los. Aber wie! „Mein lieber Herr Gesangsverein, was ist das für eine Rakete“ – solche oder ähnliche Gedanken werden dem Piloten unweigerlich eingeimpft. Aber eins nach dem anderen. Nach dem Dreh am Zündschlüssel brabbelt der Dreizylinder fast ruhig vor sich hin. Wobei der Sound schon einzigartig ist, mit nichts zu vergleichen. Bevor sich die Räder in Bewegung setzen, dauert es einen Moment, die Anfahrdrehzahl liegt schon ziemlich hoch. Über 3.000 Umdrehungen müssen auf der Uhr stehen, damit die Fuhre sich in Bewegung setzt. Also wenn die Maschine es braucht, dann soll sie es kriegen. Den breiten Daumengashebel beherzt durch- gedrückt und ab geht’s. Wie schon gesagt, vehement katapultiert die Viper nach vorn. Man muss sich richtig am Lenker festhalten, um nicht abgeworfen zu werden. Etwas Gewöhnung braucht die erhöhte Sitzbank und der breite Lenker. Alles in allem beschert die Kombination aber eine tourentaugliche und sehr entspannte Körperhaltung. In der ersten richtigen Kurve macht sich der lange Radstand bemerkbar. Es braucht spürbar Kraftaufwand um das Fahrzeug von der Geraden abzubringen. Was ebenfalls auffällt, die Viper folgt der nötigen Linie wie eine Eisenbahn. Egal welche Radien, niemals zuckt das Quad auch nur im Ansatz. Hier stellt sich vor allem der breite Lenker als unverzichtbar heraus.

Um es noch mal zu erwähnen, das Fahrzeug verfügt über 135 PS, bei einem Gewicht von 340 Kilogramm. Selbst mit Passagier, der übrigens auch ausreichend Platz zur Verfügung hat, kann man die Leistung auf der Landstraße kaum abrufen. Hier zeigt sich eindeutig die Tourentauglichkeit, denn die Viper kann deutlich über 180 km/h und liegt wie ein Brett auf der Straße. Ebenfalls trägt dazu ein Tankvolumen von fast 38 Litern bei. Der Heckträger kann locker einen großen Koffer tragen, darüber hinaus denkt Sebastian Jornitz noch über seit­liche Koffersysteme ähnlich wie man sie von dem Schweizer GG-Quad kennt nach. Geschmacksache. Keine Geschmacksache sind allerdings die Bremsen der Viper. Die vorderen zwei Scheiben sind konstruktiv nachgerüstet und machen einen guten Job. Ein wenig Feinschliff wird ihnen aber noch gewährt. Die hintere Einzelscheibe sitzt direkt auf der Getriebeausgangswelle. Ganz ehrlich, wie die zupackt, das haben wir noch an keinem serienmäßigen Quad erlebt. Mit wenig Kraftaufwand und ganz klarem Druckpunkt kann man das Fahrzeug allein mit der hinteren Bremse kontrollieren. Da macht sich die Abstammung vom Motorschlitten wirklich positiv bemerkbar.

Cooler Look

Wie schon beim ersten Motorschlitten-Umbau von Exeet wird sich auch an der neuen Kreation die Quadszene reiben. Vieles ist natürlich Geschmacksache, vor allem was die Optik angeht. Die fette Front die fast an einen Can-Am Spyder erinnert, sowie die enorme Länge über alles sind jedoch vom Spender vorgegeben. Sebastian Jornitz beweist beim Umbau aber sehr viel Fingerspitzengefühl und kann dennoch dem Fahrzeug seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken. Die Fahrleistungen sind fern jeglicher Kritik, da können sich selbst die beliebten Vierzylinder-Umbauten auf Basis der Yamaha Raptor noch was abschauen. Wobei die EX-Viper 1000 hier gar nicht in einen Wettbewerb treten will. Allein das Automatikgetriebe lässt einen Vergleich schon gar nicht mehr zu. Jedenfalls hat Sebastian Jornitz mit dem neuen Exeet-Modell bewiesen, dass die Quadszene noch sehr viel Potenzial hat, trotz der verschärften Zulassungsnormen. Interesse geweckt? Kontakt unter www.exeet.de, Sebastian Jornitz freut sich auf neue Herausforderungen.

Text und Fotos: Frank Meyer

Magazinbeitrag aus 03/2017

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