Made in USA

Geschrieben von am 7. April 2020 in Allgemein, Test + Technik

Walsh aus den USA steht für reinrassige MX-Quads. Beste Entwicklung, durchdachte Komponenten und lange Haltbarkeit überzeugen. Wir zeigen Euch ein echtes und seltenes Sport-Quad.

Drift: Dank der Fahrwerksgeometrie ist das Fahrzeug gut beherrschbar.

Sandy fährt seit 2009 Rennveranstaltungen mit und ist regelmäßiger Teilnehmer der GCC und anderen Rennserien. 2013 stieg er von seiner Kawasaki 450R auf seine erste Walsh um. Er sagt dazu: „Man schaut schon immer, was im Quadsport-Bereich besonders in den Staaten so gefahren wird. Und Walsh war da immer wieder in irgendeiner Art dabei. Als dann nach und nach immer mehr Marken die Herstellung ihrer Sportquads einstellten, stellte sich für mich die Frage, auf welches Fahrzeug ich umsteige. Da hat mir Quad Briel angeboten, eine Walsh Honda CRF450R zu fahren.“ Matthias lieferte dann auch alle Teile des neuen Fahrzeugs und half mit tatkräftiger Unterstützung. Ganz ohne einen guten Händler geht es nicht bei solch außergewöhnlichen Fahrzeugen. Schließlich muss die Walsh komplett aufgebaut werden. Sie ist ein Bausatz.

MX-Geometrie mit tiefem Schwerpunkt: Die Walsh saugt sich im Stand schon förmlich am Boden fest.

Zusammengefügt

Der Motor, die Motorhalterungen, die Einspritzanlage und der Kabelbaum stammen vom Solomotorrad Honda CRF450R. Von einer Suzuki LTR450R werden alle Anbauteile wie z.B. das Plastik, Luftfilterkasten, Exzenter mit Achse, Front Bumper, Nerfbars, Hinterachse, Bremsanlage usw. übernommen. Auch der Tank hätte von der LTR übernommen werden können, bei Sandys Walsh ist aber ein von Quad Briel handgeschweißter Walshtank verbaut, damit die Einspritzpumpe von der CRF eingebaut werden konnte. Von RP wird eine Auspuffanlage angeboten, die extra für die Walsh angefertigt wird. Diese ist bei Sandys Maschine ebenfalls verbaut. Rahmen, Heckrahmen, A-Arms, Schwinge mit Link, Kickstarterverlängerung sind originale Walsh-Teile. Dazu kommen noch Fahrwerk und Lenkungsdämpfer.

Das Triebwerk des Motorrads – der Honda CRF450R – blieb seitens des Herstellers nach dem Modelljahrgang 2015 unverändert. Letztes Jahr wurde es nämlich umfangreich modifiziert. Dabei war die Kraft- und Drehmomententfaltung des 449 ccm-Viertakt-Einzylindermotors verbessert worden, wobei besonderer Wert auf optimierte Fahrbarkeit sowie auf verbesserte Traktion bereits aus niedrigen Drehzahlen gelegt worden war. Gleichzeitig überarbeitete Honda den Zylinderkopf und optimierte die Mappings für die Benzineinspritzung. Modifikationen an Motorgehäuse, Kolben sowie Detailveränderungen am Getriebe verbesserten die Zuverlässigkeit. Diese Tugenden hat das Quad natürlich mitbekommen, wobei in das vierrädrige Chassis die Motoren ab Baujahr 2009 verbaut werden können. Wer also auf dem Gebrauchtmarkt eine komplette Honda aus dieser Zeit, oder einen Motor erwerben kann, ist schnell bei seinem Renn-Quad angelangt. Denn Quad Briel startet mit dem Rahmenset bei 8.000 Euro.

Feuerwerk: Auf der Strecke liegt die Walsh extrem stabil.

Einsatzgebiet

Die Walsh wurde extra für den Rennsport entwickelt und gebaut. Genau das unterscheidet sie von dem Großteil der Serien-Quads, die lediglich auf- oder umgerüstet werden können. Der Rahmen ist aus Chrom-Molybdän-Stahl gefertigt und basiert auf der Geometrie des LTR-Rahmens, ist aber wesentlich leichter und stabiler. Der Heckrahmen ist höhenverstellbar. Dadurch kommt das gesamte Fahrzeug mit der Sitzposition und somit auch der Schwerpunkt tiefer. Die Hebelübersetzung der A-Arms und der Schwinge sind enorm, was traumhafte Werte im Handling bzw. das Arbeiten der Stoßdämpfer angeht.

Fahreindruck

Die Walsh ist sehr flach und erlaubt so eine höhere Geschwindigkeit in den Kurven. Auf langen Geraden läuft das Quad sehr ruhig. Als ob sie sich am Boden festsaugt. Trotzdem besteht jederzeit die Möglichkeit, sie per Gasstoß vorne aus den Löchern zu „heben“. Am allerbesten ist aber das Handling in der Luft. Sie ist leicht und lässt sich dadurch einfach drücken und auch korrigieren. Mit einem guten Elka-Fahrwerk verzeiht sie auch Sprünge ins Flat. Das Klischee besagt, dass eine Walsh in der Anschaffung sehr teuer ist. Aber, wenn man ein Serien-Quad kauft und dieses zu einem Renn-Quad umbaut, kostet das am Ende genauso viel wie eine Walsh aufzubauen. Auch in der Unterhaltung nimmt sie sich nicht viel im Vergleich zu Serien-Quads. Außerdem ist die Walsh pflegeleichter.

Höhenluft: Im Sprung lässt sich das Fahrzeug sehr gut kontrollieren.

Der Viertakt-Einzylindermotor glänzt mit satter, linearer Kraftentfaltung und lässt sich ausgesprochen feinfühlig dosieren. Im oberen Bereich steht dank Drehfreude und hoher Spitzendrehzahl jede Menge Leistung zur Verfügung. Das weit gespreizte Drehzahlband erlaubt es, in bestimmten Passagen, auf zusätzliche Schaltmanöver zu verzichten.

Entwicklung

Mike Walsh entwickelte zusammen mit Matthias Briel das erste Fahrzeug. 1999 baute Mike die erste YZ400 für Harold Goodman und eine DRZ400 für Doug Gust. 2001 hatte Briel die Idee, einen Hybrid mit KTM 510 Motor auf Basis der TRX250R zu bauen. Dieses Projekt wurde immer weiter entwickelt bis auf die heutige Basis der LTR450. Das Quad wurde für den Rennsport entwickelt, das heißt, es sind nur die Teile verbaut, welche auch im Rennsport gebraucht werden. Durch seine Hybrid-Bauweise kann man die benötigten Anbauteile relativ günstig erwerben. Sandys Walsh wurde weiter verändert. Gemeinsam mit Quad Briel und Mike Walsh wurde die Schwinge und Link so weiterentwickelt, dass das Fahrzeug auch im Endurobereich einsatzfähig ist. Zusätzlich wurde ein Dynojet Power Commander 5 verbaut. Das ermöglicht es, auf dem Motorenprüfstand die Leistung des CRF-Motors optimal einzustellen und abzustimmen.

Mehr: http://www.quad-briel.com/
Text & Fotos: Martin Zink; Honda

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