Grip vom Fass

Geschrieben von am 5. April 2020 in Allgemein, Zubehör

Traktion auf weichem Untergrund gerät manchmal zum Problem. Wenn es richtig weich wird, haben es viele Reifen – trotz Stollen – schwer. Es gibt Hilfen. Wir haben einen Lösungsvorschlag von Atraxion ausprobiert.

Wollte man für jede Gelegenheit gerüstet sein, so müsste man wohl mehrere Radsätze zum Wechseln in der Garage bereithalten. Breite Reifen mit viel Auflagefläche für die Straße, schaufelartiges Profil für den Sand, griffige Stollen für die Enduro-Tour. Darum fahren die meisten ATV-Fahrer gerne Allround-Reifen, die einen großen Bereich abdecken. Wenn der Untergrund aber matschig, lehmig und beinahe bodenlos zu werden droht, wünscht man sich breite Schluppen mit möglichst knackigen Stollen, wie sie die Mud-Bogger benutzen. Schlingernd gleitet man irgendwie durch die Pampe und hofft das rettende Ufer oder das Ende der Passage zu erreichen. Danach sinnt man auf Abhilfe.

Atraxion hat die SMS-Wheels genannt sollen sie uns auf Sand, Matsch und Schnee (Sand, Mud, Snow) weiterhelfen. Es handelt sich dabei quasi um Radverbreiterungen aus hartem Kunststoff. Mittels eines Adapter-Systems passen die „Fässer“ auf jedes gängige ATV-Rad. Auf dem Boden weisen die Verbreiterungen mehrere Löcher auf, die sich auf die gängigsten Lochkreise anpassen lassen. Mit ein wenig Geduld oder einem Messschieber hat man bald die Position ermittelt. Zwei Radmuttern lösen und durch die beiliegenden Bolzen ersetzen. Diese weisen wiederum ein Gewinde auf, wo die beiden langen Befestigungsschrauben angesetzt werden können. Zwei Bolzen müssen pro Rad montiert werden. Die Verbreiterung wird mittels Mutter gekontert. Fertig. Beim ersten Mal muss man noch ein wenig rumprobieren, aber ab dann sollte die Montage an allen vier Rädern insgesamt in zirka 15 Minuten erledigt sein. Das Ganze erinnert stark an die bekannten J-Wheels aus den USA, ist aber ein anderes Konzept.

Rein in die Suppe

Wir montierten das Atraxion-Kit auf eine 300er Brute Force von Kawasaki. So können wir zugleich ausprobieren, ob ein 4×2-ATV von dem Traktionsplus profitiert. Das Fahrzeug rollt auf der Lauffläche der Reifen ganz normal voran. Das Lenken ist nicht beeinträchtigt. Allerdings schubberten die vorderen Fässer an der Verkleidung unseres Versuchskaninchens. Bei einer Renegade an der wir das System zuvor probeweise befestigt hatten, war dies nicht der Fall. Das ATV ist also um die Breite der Anbauten erweitert, was in engen Passagen zu berücksichtigen ist. Ebenso das Verschränken auf Bodenwellen erfordert mehr Fingerspitzengefühl und Umsicht.

Nun aber völlig absichtlich in eine lehmige Pfütze. Tagelanger Regen hat den Untergrund förmlich in Brei verwandelt. Mit herkömmlicher Bereifung kamen wir zuvor nur mäßig bis gar nicht voran. Zweiter Anlauf mit montierten Fässern. Die Reifen verlieren irgendwann den Vortrieb, je mehr wir uns der Mitte des „Gewässers“ nähern. Doch durch die Breite und die scharfkantigen Rillen, findet man „Halt“ und das ATV ackert sich wacker durch die Soße. Man hat ein wenig das Gefühl von Auftrieb, was am besten das neue Fahrverhalten beschreibt. Kurven lassen sich in dieser Situation präziser durchfahren, vor allem mit einem Hecktriebler wie unsere 300er. Der Antrieb schiebt nicht die eingelenkten Vorderräder einfach geradeaus. Diese greifen in den Lehm und helfen so, die Passage zu überwinden. Danach in eine noch tiefere Pfütze, welche schon mal Kaulquappen gesehen hat. Da ist allerdings Schluss mit lustig. Das Phänomen, dass sich das Heck eingräbt kennen wir alle und das kann auch Atraxion nicht verhindern. Das ATV mutiert mit dem Kit noch nicht zum Mud-Bogger.

Warum also das Ganze?

Wenn man weiß, es wird feucht, nass und modrig, kann man das System getrost anbauen. Die Radbolzen als Mutter-Ersatz kann man auch einfach dran lassen oder vormontieren. Will heißen: Zum Beispiel im Offroad-Park sind die Dinger schnell montiert und sorgen für erhöhten Fahrspaß im feuchten Element. Zum dranlassen und herumfahren sind sie nicht zu empfehlen.

Heckgetriebenen Quads und ATVs verhilft man mit dem Kit zu etwas mehr Vortrieb, schränkt sich aber gleichzeitig auf den Trails ein. Für Anwender im landwirtschaftlichen Bereich ist das System auf feuchten Wiesen und Äckern einsetzbar, vor allem in der kalten, nassen Jahreszeit. Preislich stehen 499,- Euro plus Mehrwertsteuer zu Buche.

Mehr unter www.atraxion.com

Text: Ralf Wilke

Fotos: Kerstin Wilke, Ralf Wilke

Magazinbeitrag aus 01/2017

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