Fels in der Brandung

Geschrieben von am 5. April 2020 in Allgemein, Cectec

Ein Paukenschlag, damals auf der Intermot im Jahr 2006. Mitten in den Boom der Quadszene hinein stellt ein neuer Hersteller zwei fahrfertige Modelle auf die Weltbühne. Cectek war der Name, den man wohl nie korrekt ausspricht. Als deutscher Importeur stellte sich die Herkules Motor GmbH & Co. KG hinter den taiwanesischen Produzenten. Von Anfang an stand das Modell Quadrift 500 im Fokus, das bis heute nach wie vor polarisiert. Wir blicken zurück auf zehn Jahre Drift und fahren das Editionsmodell „BlackRock“.

Ein klassisches Déjà-vu, das uns Herkules Motor vor Kurzem bescherte. Diesmal war es allerdings nicht die Intermot, sondern die 2016er Ausgabe der EICMA in Italien, auf der Herkules Motor den exklusiven Import der Fahrzeuge eines völlig unbekannten Herstellers verkündet.

Troxus, so der Name, ist ein Ableger des chinesischen Großkonzerns FEISHEN. Ein fettes 900er ATV und ein gleich motorisiertes Sport-SxS sollen ab Mitte 2017 den deutschen Markt bereichern. Aber das wird sich zu einer ganz eigenen Geschichte entwickeln, die wir zu gegebener Zeit natürlich wieder aufgreifen. Womit wir aber auf den Hauptdarsteller in dieser Geschichte zurückkommen. Zehn Jahre erfreuen wir uns jetzt also schon an der „Drift“, wie die Fans das ungewöhnlich designte Fahrzeug gerne nennen. Als Quadrift 500 erblickte das Fahrzeug von Cectek das Licht der Welt. Mit Herkules stand von Anfang an ein kompetenter Importeur für den deutschsprachigen Euro-Raum an der Seite der Taiwanesen. Firmenchef Kai Telsnig hat sich bereits früh intensiv auch direkt in die Entwicklung eingebracht und den Asiaten die europäischen Ansprüche an Qualität und Funktionalität vermittelt. Auf dieser Basis hatte sich bereits das Erscheinungsbild der Messemodelle von der Intermot bis zur Auslieferung der ersten Kundenfahrzeuge in Deutschland verändert. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit dauert bis heute an und ist der Garant für die ständige Weiterentwicklung der Quadrift, des direkten Schwestermodells Gladiator und auch der beiden Folgemodelle Kingcobra, sowie Estoc. Wobei letztgenanntes aktuell leider nicht mehr im Programm zu finden ist. Das Design war vielleicht doch einen Tick zu extrem.

Grenzen ausloten

Das war bei der Präsentation der ersten Quadrift auf der Motorradmesse Intermot in Köln ein wichtiger Aspekt. Das Feedback der Kundschaft in Spe war für die Design-Abteilung bei Cectek unbezahlbar. So wurden bis zur Serienfertigung nur minimale Änderungen vorgenommen. Insbesondere mussten EU- konforme Leuchten gefunden werden. Die Lösung mit den Linsenlampen hat der Optik noch mal einen ganz anderen, besonderen Aspekt verschafft. Und auch die Lichtausbeute war schon damals beeindruckend. Außerdem wurde die Sitzbank auf den in Europa zulässigen Zweipersonenbetrieb angepasst und entsprechend abgestuft.  Unser erstes Testfahrzeug verfügte dann auch schon nicht mehr über den zuschaltbaren Allradantrieb, wie noch der Prototyp von der Messe. Aber den haben wir von Anfang an nicht wirklich vermisst, denn die Drift hatte von Geburt an alle Offroad-Gene abgelegt. Ein absolutes Novum war die Schaltung mit dem Dreh. Über einen drehbaren Knopf wurden die Fahrstufen und die Untersetzung eingelegt. Wie unser Test zeigte, war das zwar optisch eine tolle Lösung, aber leider gestaltete sich die Bedienung mitunter schwer. Manchmal wollten die Gänge einfach nicht einrasten, was uns regelmäßig zum ausrasten brachte. Lange haben Cectek und Importeur Herkules an dem Problem gearbeitet, aber eine zufriedenstellende Lösung wollte sich nicht einstellen. Ansonsten war der Fahreindruck schon ein ganz besonderer. So konsequent auf den reinen Straßenbetrieb konstruiert und ausgestattet war damals kein anderes Serienquad auf ATV-Basis.

In den Folgejahren wurde immer mehr Zubehör für dieses einzigartige Fahrzeug entwickelt, was insbesondere die Tourentauglichkeit verbessern sollte. Ein vollständig ausgestattetes Modell hat auf der Intermot 2008 allerdings nicht jeden Geschmack getroffen. Ein Jahr später rollte dann wieder ein Update-Modell zu einem Test an. Die Drift hat in einem halben Jahr gut 8.000 Kilometer abgerissen. Wir konnten dem Fahrzeug exzellente Langstreckenqualitäten bescheinigen. Das Fahrwerk war schon damals ein Quell der Freude, das Handling entsprechend der harten Grundeistellung recht knackig. Vom großen Zubehörpaket blieben am Testfahrzeug der bullige Frontspoiler, die formschönen Handguards und die kleine Schutzscheibe. Alles Tip-Top. Wir haben die Quadrift im Dauerbetrieb wirklich nicht geschont. Im Testzeitraum musste zweimal der Antriebsriemen erneuert werden. Auf unserer damalige Kritik wurde umgehend reagiert und der Riemenlieferant gewechselt. Das hat tatsächlich Wirkung gezeigt, wie wir im Jahr 2012 feststellen konnten. Ein umfangreiches Modell-Update hat die Quadrift auf ein neues Level gehoben. Wir konnten die hubraumerstarkte Drift mit dem Kürzel T6 ebenfalls ausführlich auf Herz und Nieren testen.

Next Generation

T6, das ist die Zusatzbezeichnung der aktuellen Baureihe und macht auf zwei Dinge aufmerksam. Zum Einen bleibt die stetige Modellpflege der letzten Jahre weiterhin von außen kaum sichtbar, zum anderen wurde mit der Ausbaustufe T6 erstmals auch der Motor überarbeitet. Allerdings auch von außen nicht zu sehen. Über 25 Kubikzentimeter mehr Hubraum verfügt der T6-Motor von da an. Seit dem ersten großen Update gehören auch die eigentlich innovativen Drehschalter der Cectek-Fahrzeuge der Vergangenheit an. Am Testfahrzeug findet sich eine als klassisch zu bezeichnende Knüppelschaltung ohne Parkstellung. Fürs Parken befindet sich am Lenker eine zweite mechanische Feststellbremse, die auf der rechten Lenkerseite gute Arbeit leistet. Die Feststellmechanik am linken Bremshebel ist nach wie vor vorhanden. Da unsere letzte Begegnung mit einer Quadrift schon eine Weile her ist, können wir weitere Unterschiede zwischen früheren und dem aktuellen Modell nur anhand von unserem alten Fotomaterial in Erfahrung bringen. Dennoch, die ganz aktuelle Sonderedition „Black Rock“ hat nichts an Reizen eingebüßt. Ganz im Gegenteil, findet das Auge nach intensivem Studium immer wieder Details, die der Drift eigentlich nur noch besser stehen.

Die kleinen Hinterradabdeckungen sind nach wie vor ein genialer Einfall. So unauffällig hat kein anderer Hersteller die gesetzlich vorgeschriebenen Radabdeckungen realisiert. Am neuen Modell wurde wohl aus rein optischen Gründen auf die hintere Gepäckbrücke verzichtet. Ganz klar, dem Design kommt das zugute, der Transportfähigkeit natürlich nicht. Die kurze Scheibe über dem Lenker hält wirkungsvoll den Wind von der Brust, die Handguards halten insbesondere im Winter die beißende Kälte von den Händen fern. Den besonderen Reiz machen kleine Details insbesondere bei der Farbgebung aus. So wird die Grundfarbe schwarz dezent durch rote Streifen am Grill, den Felgenrändern und durch einen Keder an der Sitzbank unterbrochen. Edel könnte man das auch bezeichnen. Die bewährten Linsenscheinwerfer in Verbindung mit den LED-Angel Eyes kommen am Sondermodell besonders zur Geltung.

Knappe Kiste

Importeur Herkules hat sich mächtig ins Zeug gelegt, damit wir schnellstmöglich eine der ersten „Black Rock“ in Deutschland zum Test erhalten. Dennoch wird es Ende Januar und wir haben nur ein paar Tage Zeit bis Redaktionsschluss. Der Winter hat eigentlich gerade erst Einzug gehalten, was ausführliche Testfahrten nicht einfacher gestaltet. Außerdem hat das Fahrzeug gerade mal zwei lächerliche Kilometer auf der Uhr. Wir wollen also zumindest die empfohlene Einfahrphase einhalten. Unsere erste Runde geht entsprechend gemäßigt vonstatten. Aber die grundsätzlichen Eigenschaften lassen sich auch so schnell auf den Punkt bringen. Die Quadrift fährt sich wie seit Jahren gewohnt sehr direkt und handlich. Die Lenkung hat leicht nervöse Tendenzen, was aber dem kurzen Radstand und den extrabreiten Reifen geschuldet ist. Die satte Straßenlage hat sich ebenfalls nicht verändert. Der Motorstart selbst bei Minustemperaturen funktioniert einwandfrei. Am Mapping hat Herkules anscheinend intensiv gearbeitet. Die Schaltung flutscht besser denn je, von der störrischen Art der früheren Getriebe ist nichts mehr zu spüren. Die volle Motorleistung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt beurteilen, aber der Sound macht auch bei Dreiviertelgas schon an.

 

Text: Frank Meyer

Fotos: Birgit Meyer, Frank Meyer

 

Herkules Quadrift T6 525 ix

Motor: Einzylinder 4-Takt, flüssiggekühlt, Hubraum: 525 ccm, Leistung:  30 kW / 40,8 PS, Kraftstoffversorgung: Einspritzung, Startsystem: elektrisch, Getriebe: CVT-Automatik, H / L / N / R,  Antrieb: 4×2, Kardan, Radaufhängung: vorne doppelte A-Arms, einstellbare Dämpfer, hinten doppelte A-Arms, einstellbare Dämpfer, Bremsen: vorne 2 hydraulische Scheibe, hinten 2 hydraulische Scheiben, Reifen: vorne 195 x 45 – 15, hinten 205 x 55 – 15, Maße: Länge 2.180 mm, Breite 1.240 mm, Höhe 1.180 mm, Radstand 1.295 mm, Bodenfreiheit 137 mm, Gewicht: 330 kg, Tankinhalt: 19 Liter, Farbe: schwarz (Sonderedition), Garantie/Gewährleistung: 2 Jahre

Preis:  8.899,- Euro

Herkules Motor GmbH & Co. KG, Dörnbergstraße 27–29, 34233 Fuldatal-Ihringshausen,

Tel. +49(0)561/98186-0, www.herkules-motor.de

Magazinbeitrag aus 02/2017

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