Die Eroberung der alten Welt

Geschrieben von am 19. April 2020 in Allgemein, Herkules

Adly schickt einen neuen Eroberer in die westliche Hemisphäre und der deutsche Importeur, die Herkules Motor GmbH & Co. KG in Fuldatal sorgt für die Voraussetzungen, dem hiesigen ATV-Fan die Qual der Wahl mit Einführung der Conquest 700 EFI noch schwerer zu machen.

Trotz schlechter Nachrichten, insbesondere Schreckensmeldungen bezüglich der Zulassung von Quad und ATV wird das Angebot stetig größer. Da steht jetzt also auch Adly nicht mehr länger nach und schickt über den deutschen Importeur Herkules ein neues Flaggschiff in den Ring, das sich unserer Einschätzung gemäß im oberen Mittelfeld bezüglich der Hubraumgröße einsortiert. Der Conquest 700 EFI ist dabei rein optisch eigentlich ein alter Bekannter, das Modell bereichert seit einigen Jahren als 600er auch den europäischen Markt. Dies allerdings noch mit alter Vergasertechnik, welche die aktuelle Euro 4 Norm nicht mehr erfüllen kann. Auch aus diesem Grund war also ein Update dringend angesagt. Da man heute das Rad kaum noch wirklich neu erfinden kann, lassen auch die Taiwanesen bei Adly die Kirche im Dorf. Der neue Conquest zeigt sich also in bekanntem Outfit, was auf keinen Fall negativ auffällt. Denn die 600er war schon ein durch und durch ordentlich designtes Fahrzeug. Die 700er ist trotzdem mehr als nur eine Modellpflege. Durch die neue Einspritztechnik und die Hubraumerweiterung ist die Leistung in allen Situationen deutlich verbessert. Hubraum ist ja bekanntlich eh durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Hubraum. Die Leistungsspritze von rund vier auf nun 34 kW macht den Conquest lässiger in allen Lebenslagen. Die Einspritzung sorgt natürlich ebenfalls für einen völlig neuen Eindruck im Einsatz. Ansonsten kann auch der Neue mit einer recht vollständigen Ausstattung glänzen.

Voll auf der Höhe

Der große Einzylinder bietet beste Voraussetzungen für den harten Geländeeinsatz, aber auch für ausgedehnte Touren über Land. Die CVT Automatik arbeitet wie man es erwarten kann, die Fahrstufen lassen sich butterweich anwählen. In der Klasse obligatorisch sind der zuschaltbare 4×4-Antrieb, ein sperrbares Differenzial an der Vorderachse und eine Geländeuntersetzung. Die Conquest wird ausschließlich mit einer LoF-Zulassung angeboten, deshalb gehört natürlich auch eine Anhängerkupplung zur Serienausstattung. Vorn findet sich eine elektrische Seilwinde, die wahlweise per Knopf vom Lenker oder mit einer Funkfernbedienung angesteuert werden kann. Außerdem verfügt das neue Modell auch über LED-Tagfahrlicht und Doppelscheinwerfer. Ein wirklich informatives Digitalcockpit sorgt für allerlei Wissenswertes zum Zustand des Fahrzeugs. Die Anzeige lässt sich auch von Sonneneinstrahlung nicht beirren.

Eine klassische Gepäckbrücke aus Stahlrohr am Heck nimmt nötiges Zubehör, Werkzeug oder sonstiges auf. Für Kleinkram gibt’s auch ein abschließbares Staufach in der Frontverkleidung, in dem sich neben der rechtsseitig am Fahrzeug angebrachten Steckdose noch eine weitere befindet. Handschützer komplettieren das gute Ausstattungsniveau. Unter der Sitzbank findet sich der Luftfilterkasten, der sich ohne Werkzeug öffnen lässt und über einen Papierfilter verfügt. Ebenso wird der Blick frei auf die sauber verbaute Elektrik. Darunter verläuft auch der Auspuff, der in einen mittig sitzenden Endtopf mündet und so einen weiteren optischen Akzent setzt. Die Handschützer am Lenker sind ein sinnvolles Zubehör um im Gelände den unerwünschten Kontakt mit Ästen oder ähnlichem zu mildern. Aber auch bei reinem Straßenbetrieb, halten diese den Wind oder Regen von den Händen des Fahrers ab.

Was kann man erobern mit dem Eroberer?

Man fühlt sich gleich wohl wegen der ergonomisch gut getroffenen Sitzposition. Und der Conquest wirkt vertraut, alleine schon, weil er uns in anderen Tests unter die Hände kam. Allerdings ist das ATV sehr breit und zwischen eng stehenden Bäumen hat man bisweilen zu tun beim Durchfahren. Dabei macht sich der relativ hohe Wendekreis bemerkbar. Wir wünschen uns die Servolenkung der EPS-Version herbei, denn die Lenkkräfte am Testfahrzeug sind doch recht hoch. Montiert sind Duro Power Grip Reifen. Diese entwickeln einen tollen Grip, sind den bekannten Maxxis Bighorn nicht unähnlich. Die krallen sich also in den Untergrund und helfen, die Kraft des Einzylinders umzusetzen. Deutlich mehr Drehmoment als seine Vorgänger legt der an den Tag. Es steht ordentlich Leistung parat. Aus dem Drehzahlkeller geht es steil nach oben mit dem Kraftverlauf, der bis in die Spitzen nicht abreißt. Auf losem Schotter macht so die eben noch monierte Breite richtig Laune und der Conquest mutiert zum Sportgerät. Da wirkt nichts unkontrollierbar und das ATV folgt willig der Körpersprache seines Piloten. Aus Kehren zieht das Vierrad sauber an. Kraftschlüssig greift die CVT nach den Pferdestärken. Straffer als bisher geben sich die Federbeine, was in der augenblicklichen Situation zupass kommt. Im Trial auf dem Trail wirkt die neue Abstimmung etwas steif. Dennoch gleichen sie Wellen, Schlaglöcher und Wurzelwerk gut aus. Vor Hindernissen machte der Conquest eine gute Figur. Ar… nach hinten, Hahn auf und der Bolide lupft kontrollierbar die Vorhand. Sehr schön. Die herausragenden Bremsen schaffen das nötige Vertrauen in das Fahrzeug für eine flotte Gangart. Beste Werte lassen sich erzielen, der Eroberer steht auf den Punkt. Per Fuß gemeinsam, per Hand unabhängig, sind die drei hydraulischen Stopper zu betätigen.

Im reinen Straßenbetrieb kann der Conquest ebenfalls punkten und begeistern. Die bequeme Sitzposition erlaubt eine ermüdungsfreie Fahrt. Die Reifen entwickeln auch auf Asphalt einen guten Grip. Lediglich bei Regen will das Gas dosiert eingesetzt werden, da man sonst schnell ungewollt driftet. Als Touring- und Freizeitfahrzeug mit einem leichten Schwerpunkt in Richtung Straße und leichterem Gelände kann uns der Conquest voll überzeugen. Als Trial-Maschine im Offroad-Einsatz könnte – wie bei den Vorgängern – etwas mehr Bodenfreiheit nicht schaden. Denn mit dem EFI-Motor ausgestattet und dessen Leistung spürend, kann man durchaus auf die Idee kommen, eine der gängigen Rennveranstaltungen in Angriff zu nehmen. Okay – an die Leistung der Tausender Boliden kommt der Conquest nicht heran, aber die Erfahrung zu machen, klingt verlockend. Denn so, wie Importeur Telsnig uns den Neuzugang präsentierte, ließe sich selbst ein MX-Track ganz gut meistern – Verzeihung – erobern. Und dort ist kontrollierbare Power meist besser als brachiale Gewalt. Also einfach mal alles ausprobieren. Der Conquest ist dabei.

Text und Fotos: Ralf Wilke; Frank Meyer

Adly Conquest 700 EFI

Motor: Einzylinder-Viertakt, flüssiggekühlt, Hubraum: 695 ccm, Leistung:  34 kW / 46,2 PS, Kraftstoffversorgung: Einspritzung, Startsystem: elektrisch, Getriebe: CVT-Automatik, H / L / N / R / P,  Antrieb: 4×4, Kardan, Radaufhängung: vorne doppelte A-Arms, hinten doppelte A-Arms, Bremsen: vorne 2 hydraulische Scheibe, hinten 1 hydraulische Scheibe, Reifen: vorne 25 x 8 – 12, hinten 25 x 10 – 12, Maße: Länge 2.150 mm, Breite 1.280 mm, Höhe 1.250 mm, Radstand 1.364 mm, Bodenfreiheit 275 mm, Zuladung: vorne 40 kg, hinten 75 kg, Gewicht: 360 kg, Tankinhalt: 14 Liter, Farbe: schwarz, weiß, Garantie/Gewährleistung: 2 Jahre

Preis:   ab 8.399,00 Euro zzgl. LoF-Zulassung

Herkules Motor GmbH & Co KG, Dörnbergstraße 27-29, 34233 Fuldatal-Ihringshausen,

Tel. +49(0)561/98186-0, www.herkules-motor.de

Magazinbeitrag aus 04/2017

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