Der Chef im Ring

Geschrieben von am 28. März 2020 in Allgemein, Test + Technik, Yamaha

Yamaha verkauft keine Sport-Quads – sie schenken uns Legenden! Banshee, Warrior und schließlich auch der Raptor sind alles andere als nur Fahrzeuge. Der „Rappen“ ist jetzt auch schon über 18 Jahre im Rennen, die Anziehungskraft ungebrochen. Zeit, seine Geschichte zu erzählen.

Er bildet einfach die beste Basis. Der Raptor eignet sich wie kein anderes Sport-Quad für alles, was man als Fan, Freak oder auch Vernunftmensch mit einem Quad anstellen könnte. „Es gibt kein besseres Quad“, sagt Sebastian Jornitz, Chef und genialer Kopf von EXEET, einer der angesagtesten Customizer in Deutschland. Er wählt grundsätzlich den „Rappen“ – wie Yamahas Flaggschiff von den Fans genannt wird – als Basis für seine Umbauten und Kreationen. „Der Kühler ist vorne – Klasse! Der Rahmen baut hoch genug für den Tausch von Motoren – optimal. Hohe Qualität schon in der Serie – bemerkenswert.“ Der pfiffige Konstrukteur ist voll des Lobes, was den ersten 660er und auch den 700er betrifft.

In der Szene angekommen

Diese Begeisterung teilt er offenbar mit der Szene, in der sich über die Jahre eine breite Fanbase für Yamahas YFM bildete. Die unglückliche Buchstabenkombination blendet diese aus. Offiziell ist es aber die Bezeichnung des Sportlers, denn in Europa war Raptor schon von einem Helmhersteller und von Cagiva für eines ihrer Motorräder besetzt. Dem Fan ist das egal: „Das Ding heißt Raptor! Fertig!“ Heiko Debus von der Raptor-Community lässt keinen Zweifel aufkommen, dass der Name allein schon für sportliches Fahren auf vier Stollen- oder Straßenreifen steht. Sein Freund Andreas Baron geht noch einen Schritt weiter: „Ich kann behaupten das der Raptor mein Leben auf Links gedreht hat. Ich habe Maurer gelernt und hatte keinen Plan von der Technik. Mittlerweile repariere ich Motoren und programmiere gerade meinen eigenen Bordcomputer für die Yamaha.“

Schrauben am Rappen ist für viele Fans ohnehin das Größte. Das kernige Design des Quads inspirierte in den 16 Jahren seiner Präsens unzählige Fahrer und eben Customizer zu teilweise waghalsigen Ideen. Kein Treffen, keine Ausfahrt, wo nicht atemberaubende Varianten zu sehen sind. Die Fans legen Hand an alle Teile des Fahrzeugs, je nach Geschick und Geschmack. Besonders beliebt ist das Verpflanzen von Zwei- und Vierzylinder-Motoren, die dem guten Chassis mehr Laufruhe verpassen als der Eintopf. Doch auch der ist äußerst standfest und verzeiht dank seiner elektronischen Einspritzung (700er) auch artfremden Einsatz auf Asphalt. Denn – auch wenn man es bei Yamaha nicht so gerne hört – rollen die meisten Raptoren auf der Straße. „Bei entsprechender Pflege und Hingabe, kannste da locker zehn Jahre mit der geilen Maschine abbratzen“, begeistert sich Jens Gebhardt und lässt die Laufleistung seines Raptors von 65.000 Kilometern für sich sprechen. Ähnliches berichten auch die Freunde in der Community und loben selbst die kleineren Raptoren mit 250 und 350 ccm. Die sollen nicht vergessen werden, heißt es in der Szene. Auch diese Modelle profitieren vom Nimbus des Flaggschiffs und wurden zwischenzeitlich diesem in Design und Ausstattung angepasst. Schließlich sind sogar Yamaha’s Kinder-Quads vom Raptor beeinflusst.

Enormes Potential

Gepflegt hat auch der Hersteller das Modell, sein Potential früh erkennend. Als 2002 der erste Rappen als YFM 660 R rauskam, hatte der eigentlich nicht viel weniger Hubraum als der heutige YFM 700 R. Über 660 ccm verfügte der erste Einzylinder, an dem zwei Jahre später eine neue CDI-Einheit verbaut wurde mit geändertem Zündzeitpunkt für einen besseren Leerlauf. Der 700er bietet echte 686ccm Hubraum und eine elektronische Einspritzung statt des Vergasers. Das bescherte dem Quad ein noch besser zu kontrollierendes Drehzahlband und Durchzug. Selbst schaltfaule Fahrer können die Kraft aus dem Drehzahlkeller noch umsetzen. Das und den leichteren Alu-Rahmen genießen die Kunden seit 2006. Yamaha hat auch hier immer wieder Verbesserungen vorgenommen, zuletzt den Rahmen und das Sekundärluftsystem geändert. Der Motor bekam einen neuen Zylinderkopf und eine neue Nockenwelle nebst Kolben und Pleuel. Im Zuge dessen wurde 2015 – der Zeitpunkt der letzten Maßnahmen – auch die Ausgleichswelle getauscht. Limited Editions und Sondermodelle – mit und ohne einstellbare Fahrwerke – extravagante Farbgebung. Die Palette ließe sich noch fortsetzen. Von einem Rückgang der Verkaufszahlen merken die Yamaha-Händler in Bezug auf den Raptor nichts. „Das ist immer noch das Zugpferd im Stall“, sagt Norbert Schatten aus Geldern, einer der größten Quadhändler hierzulande. Seiner Meinung nach liegt das nicht alleine daran, dass die Mitbewerber nichts mehr im Angebot haben oder die LoF-Zulassung noch möglich ist.

„Er ist einfach die beste Enduro!“ So begründet Quadwelt-Redakteur Erik Pohl den Erfolg des Raptors. Erik blickt auf viele Jahre im Enduro-Sport zurück und scheuchte, wie Norbert Schatten auch, eine 700er mehrfach durch die Dünen von Le Touquet. „Der Motor entfaltet einfach viel Kraft und zieht Dich aus den Kehren raus wie ein Katapult. Seine Endgeschwindigkeit kann man lange aufrecht halten, ohne dass man Angst haben muss, es fliegt einem gleich alles um die Ohren.“ Das ist wohl auch der Grund dafür, dass so viele Raptoren bei Langstrecken-Rennen im Einsatz sind. Die erfolgreichsten Quad-Fahrer der Dakar beispielsweise, sind auf ihnen unterwegs. Enduro, Rallye, Shorttrack, Supermoto und sogar Moto-Cross – am Rappen kommt man kaum vorbei. Irre Umbauten erschaffen sich die Amis als Sand-Dragster. Diese unglaubliche Präsens weltweit ruft natürlich die Ausrüster und Zubehörhersteller auf den Plan. Es gibt für kaum ein anderes Quad so viel Teile und Zubehör wie für den Saurier aus Iwata.

Echte Freunde

Aber fast noch wichtiger sind die vielen Freundschaften, die wegen der vielen Raptoren entstanden. Andreas Finger zum Beispiel will „die super Gemeinschaft und den tollen Zusammenhalt unter den Quadfahrern nicht mehr missen“, sagt der 660er-Fahrer und findet breite Zustimmung unter den Fans. Was das Raptor Fieber auslöst? Jens Müller beantwortet die Frage ganz einfach mit dem Reiz auf was Besonderes. Er und seine Frau erfüllten sich mit ihrem 700er einen lang ersehnten Traum und fanden sich in einer tollen Gemeinschaft wieder. „Das ist das i-Tüpfelchen, neben den spontanen Ausfahrten zu jeder Zeit.“ Das Paar fiebert jedem weiteren Ausflug und den Treffen entgegen. In beinahe jedem Quad-Club finden sich Raptor-Fahrer und einige Vereine sind ihm ganz und gar gewidmet.

Einer der aktivsten ist die Raptoren-Community, welche unter der Webseite www.die-raptoren.de zu finden ist.  Die Gemeinschaft wurde 2008 von drei Quadfahrern ins Leben gerufen, die selbst einen Yamaha Raptor ihr Eigen nennen. Mit der Gründung des Internetforums suchten sie Gleichgesinnte für ihr Hobby und bieten seitdem eine Plattform zum Austausch. Im Verlauf der letzten Jahre meldeten sich über 9.000 Mitglieder an. So haben sich seit dem Bestehen viele Informationen und Fachwissen angesammelt.

Versprechen gehalten

Yamaha verspricht mit seinem Werbetext zum Raptor nicht zu viel: Wenn Sie den YFM700R zum ersten Mal gefahren haben, wollen Sie nicht mehr absteigen. Die gesteigerte Motorleistung und das präzise Handling sorgen für atemberaubende Action in jedem Gelände. In Verbindung mit der ausgeklügelten Zylinderkopfform sorgt der Kolben für ein hohes Verdichtungsverhältnis und die kennfeldgesteuerte Einspritzung bietet im Zusammenspiel mit der scharfen Nockenwelle enorme Leistungsreserven. Nach der ersten erlebnisreichen Fahrt wollen Sie dieses Quad in ihrer Freizeit nicht mehr missen.

Dem ist fast nichts mehr hinzuzufügen. Außer noch mehr Abenteuer und Geschichten rund um der Deutschen und Europäer liebstes Quad. Das tun wir auf unserer Webseite, wo wir die tollsten Fotos und Erlebnisse der Szene präsentieren. Wer möchte, kann uns gerne auf Facebook seinen Rappen zeigen. Schließlich lieben wir Legenden.

Text: Ralf Wilke

Fotos: Archiv Quadwelt, Yamaha, Privat

Magazinbeitrag aus 02/2018

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