Bodenhaftung für Boliden

Geschrieben von am 27. März 2020 in Allgemein, Test + Technik

ATV-Rennen werden zunehmend populärer und erfreuen sich in der Szene höchster Beliebtheit. Immer mehr sportlich orientierte Fahrer finden mit ihren Boliden den Weg an die Startgatter der Rennserien. Damit wächst der Bedarf an leistungsfähigen Fahrwerken.

Sport-Quads können mit zahlreichen Produkten auf individuelle Einsätze optimiert werden. Insbesondere Fahrwerke spielen dabei eine bedeutende Rolle. Dass die um einiges schwereren ATVs hier ebenfalls Nachhilfe gebrauchen können, liegt auf der Hand. Scrambler-Pilot Jürgen Gröpl aus Österreich bringt es auf den Punkt: „Wer sich nicht nur auf Feldwegen oder Wiesen tummelt, merkt schnell, dass nach dem Sprung oft die Bodenplatte aufsetzt. Oder Du spürst nach jeder zweiten Welle das ATV im Rücken.“ Auf der Suche nach einem renntauglichen Fahrwerk für ATV-Racing wurde er –  trotz Recherche etwa auf der EICMA – nicht fündig. Keiner der bekannten Hersteller konnte reagieren. Auf Lager war schon gar nichts. In solchen Fällen helfen kleine Betriebe weiter, welche die Möglichkeit haben, auf Kundenwünsche einzugehen. Oft sind die Chefs und Mitarbeiter rennerfahren. In den Niederlanden findet sich mit TFX ein Vertreter dieser Gattung Hersteller.

Das kriegen wir hin

Hans-Dieter Fischer, der Chef von TFX Suspension, kennt die Fahrwerkstechnik, aber auch die Schwierigkeiten der Offroad-Fahrer aus dem Effeff. Er trifft sich grundsätzlich mit seinen Kunden, um deren Leistungsniveau, Fahrstil und auch deren Wünsche zu erörtern. „Nur so kann man das optimale Fahrwerk bauen, welches für den Fahrer auch einsetzbar ist, ihn voranbringt.“ Denn auch die vielseitigsten Verstell- und Einstellmöglichkeiten bringen nichts, wenn man a) nicht weiß, was man verändert und wie, oder b) fahrerisch noch Luft nach oben hat. Jürgen Gröpl jedenfalls mutierte auf seiner Dinli zum Jäger der „großen Marken“, „weil ich endlich ein Fahrwerk hatte, dass meinem Fahrstil und den Strecken entsprach.“ So war klar, dass mit dem steigenden Erfolg, der wachsenden Schnelligkeit und dem Umstieg auf Polaris Scrambler auch wieder ein TFX-Fahrwerk zum Einsatz kommt.

Das vergleichsweise hohe Gewicht der teils 800 bis 1.000 Kubik starken Boliden ist das eine, die Kraftentfaltung das andere Problem, welches der Fahrer händeln muss. Ein gut eingestelltes Fahrwerk ist dabei das A und O. Die meisten Sportler brauchen dazu noch eines, welches eine breite Palette an Streckenprofilen und Einsatzmöglichkeiten abbildet. Auf frisch geschobenen Pisten sind viele sehr schnell. Aber kommen erst die Löcher, Gruben und Rillen, dann wird es lustig. Viele Fahrwerke werden mit der Belastung zu heiß und das hieße Öl verfälscht das Setup. Andere Dämpfer beginnen sogar erst nach 15 Minuten richtig zu arbeiten. Es gibt so viele Handicaps, die vom Fahrwerk ausgehen. Fahrer von Serien-Ausrüstung sind – trotz mancher Justiermöglichkeit – ahnungslos auf sich gestellt. Hans-Dieter gibt Fahrwerks-Interessenten mit auf den Weg, dass „ein durchschnittlicher Pilot niemals mit der Fahrwerksabstimmung eines Top-Piloten klarkommen wird. Dazwischen liegen Welten. Aber auch der unerfahrene Hobby-Racer soll auf seinem Niveau eine Verbesserung verzeichnen können“, so der Anspruch des Experten. Anders herum, kommt aber kaum ein anderer Fahrer als der Besitzer mit einem individuellen Fahrwerk zurecht. So kompliziert kann es sein, aber wiederum auch so einfach.

Im Ergebnis

Wartung ist wichtig, folgt man der Empfehlung von Jürgen Gröpl. Regelmäßig einen Service vornehmen und die Stoßdämpfer reinigen und pflegen nach jedem Einsatz. Egal ob Training oder Wettkampf. Er ist überzeugt, nicht der beste Fahrer zu sein. „Aber der mit dem besten Paket. Die Polaris in Verbindung mit dem TFX-Fahrwerk macht es mir möglich schnell zu sein und dabei das Risiko kalkulierbarer zu machen bzw. zu minimieren.“ Basierend auf den Federbeinen aus dem Hause TFX, die sich seit 2010 in der Rennszene einen Namen machen. Quads, ATVs, Motorräder, aber auch Snowmobile – kurz alles was Dämpfer braucht wird von Hans-Dieter versorgt. Für Furore sorgte TFX 2014 mit der Präsentation eines elektronisch verstellbaren Fahrwerks. Zeit, die wirklich brauchbaren ATV-Dämpfer vorzustellen.

Was die – neben den Einstellmöglichkeiten zu leisten vermögen – zeigen drei Beispiele aus der Praxis. Bei der Endurance Masters in Fürstenwalde stellte Jürgen sein Heck im Low Speed-Bereich weicher um den Scrambler vorne besser rausheben zu können. Das ermöglicht ihm das „Wellenreiten“, ähnlich der leichteren Sport Quads. Bei der Endurance Master in Groß Glienicke gab es nach einem Auffahrunfall einen beschädigten Dämpfer hinten zu beklagen. Man drehte den verbliebenen rechten Dämpfer auf „hart“ und Jürgen fuhr mit nur einem hinteren Dämpfer – der echte Höchstarbeit verrichten musste – weiter bis auf Platz 2. Schlamm: Statt schweren Modder-Pellen vertraute Jürgen in Schefflenz seinen Fedima Straßenreifen. Beim Start auf der schlammigen Wiese noch schlingernd, fuhr er seinerzeit im GCC-Rennen einen Vorsprung raus. Wie geht das? „Man muss manchmal Grip abbauen um Grip zu haben“, behauptet der Rennfahrer. Die Maßnahme: Das TFX-Fahrwerk hart einstellen und den Straßenreifen etwas Luft ablassen. Damit nahm man das Rutschen über Anlieger und Spurrillen in Kauf, ähnlich eines Rallye-Autos. Das Ganze erfordert aber viel Gewichtsverlagerung und Körpereinsatz. Im Ergebnis brachte die richtige Abstimmung des Fahrwerks den entscheidenden Vorteil.

 

Text: Ralf Wilke, Jürgen Gröpl – Fotos: TFX, Gröpl Racing, Ralf Wilke

Magazinbeitrag Ausgabe 03/2016

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