Klassik-Test: Kubota

Geschrieben von am 1. Januar 2020 in Allgemein, Test + Technik, Utility

Die Kubota Corporation ist nicht jedem sofort ein Begriff. Jeder der eine Beziehung zu Landwirtschaft oder Baumaschinen hat, kennt die meist orangefarbenen Produkte aber umso besser. Bagger, Transporter, Traktoren, Motoren aller Art, damit hat sich die Firma weltweit einen Namen gemacht.

Die Messe Demopark in  Eisenach war im Juni 2013 genau der richtige Ort für die Vorstellung der neuen RTV-Side-by-Side-Reihe des japanischen Herstellers. Wir konnten die brandneuen Fahrzeuge schon ausprobieren.

Kubota – For Earth, For Life! Ein Werbeslogan mit enorm hohem Anspruch, den sich die japanische Corporation zum 120-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2010 hat einfallen lassen.  Schaut man sich die Firmenhistorie genauer an, scheint es aber den Kern zu treffen. Maschinen für die Landwirtschaft und Rohrleitungen und Pumpensysteme für Trinkwasser waren seit jeher die ganz großen Betätigungsfelder. Mittlerweile agiert Kubota weltweit und zählt zu den ganz Großen der japanischen Marken wie Mitsubishi, Suzuki, Nintendo oder Sony. Ähnlich wie die Amerikaner bei John Deere im Laufe der Entwicklung der Traktoren und Landschaftspflegemaschinen zwangsläufig auch geländegängige Transportfahrzeuge bauten, ist das Side-by-Side auch bei Kubota schon einige Jahre ein Verkaufsschlager.  Und genau wie auch John Deere hat man bei Kubota diesen Produktbereich jetzt erheblich erweitert. Erstmals auf der Messe Demopark in Eisenach wurden im Juni diesen Jahres gleich drei komplett neue Modelle der bei Kubota als „Mehrzweckfahrzeuge“ bezeichneten Vehikel vorgestellt. Dem bisher alleinigen Modell RTV 900 stehen jetzt zwei etwas kleinere und ein größeres Schwestermodell zur Seite. RTV 400, RTV 500 und RTV 1140, so die Namen der Fahrzeuge. Optisch passen die RTV-Modelle allemal in die aktuelle Side-by-Side Kategorie der bekannten Hersteller wie Yamaha, John Deere, Polaris, Kawasaki, oder Kymco. Technisch geht Kubota allerdings teilweise andere Wege. Extreme Belastbarkeit insbesondere in Bezug auf Transportkapazität  und Ausdauer hat oberste Priorität. So setzt man beim Antriebssystem auf die Kraft des Öls. Dieses strömt in einem hydrostatischen Getriebe und sorgt für hohe Zugkräfte über den gesamten Drehzahlbereich des Motors. Alle Modelle bis auf den RTV 400 verfügen über diese Antriebstechnik.  Der kleine 400er muss mit einem klassischen CVT-Automatikgetriebe auskommen.

Hydrostatischer Antrieb

Wie funktioniert der Antrieb bei Kubota´s Mehrzweckfahrzeugen ab dem RTV 500? Hydrostatische Fahrantriebe werden hauptsächlich im Bereich von Baumaschinen und Landmaschinen eingesetzt, also da, wo hohe Zugkräfte über einen großen Drehzahlbereich benötigt werden. Das kraftübertragende Medium ist Öl, das in einem Kreislauf umgepumpt wird. Im Gegensatz zu Keilriemen in einem Variomatikgetriebe, gibt es in Hydrostatgetrieben nahezu keinen Verschleiß. VHT – Variable Hydrostatic Transmission, so bezeichnet Kubota das selbstentwickelte Antriebssystem. Grundsätzlich treibt der Verbrennungsmotor eine Ölpumpe an. Diese Ölpumpe ist als verstellbare Axialkolbenpumpe ausgeführt.  Das heißt, die Fördermenge kann über das Gaspedal von 0 Liter bis zur maximal möglichen Fördermenge Öl im Kreislauf geregelt werden. Dieser einstellbare Öl-Volumenstrom treibt einen Hydraulikmotor an, der die so entstehende Drehbewegung an das mechanische Getriebe  weiterleitet und somit auch die Geschwindigkeit des Fahrzeugs bestimmt. Nach diesem Prinzip arbeiten fast alle Fahrzeuge und Maschinen mit hydrostatischem Antrieb. Kubota wartet hier allerdings mit einer Besonderheit auf.  Bei ansteigender Last steigt auch der Druck im Ölkreislauf des Hydrostaten. Abhängig von diesem Druck wird lastabhängig ein zweiter Ölmotor zugeschaltet. So kann durch das größere Durchflussvolumen von jetzt zwei Motoren ein größeres Drehmoment übertragen werden, so dass der Antriebsmotor immer im optimalen Drehzahlbereich arbeitet. Mit welchen Motoren die einzelnen Modelle arbeiten und über welche Ausstattung sie verfügen, zeigen wir Euch am jeweiligen Modell.

RTV 400 Ci

Der Baby-Kubota ist nicht wirklich klein. Und schon gar kein Leichtgewicht. Dafür passt aber die Zuladung von 480 Kilogramm und anhängen darf man auch eine halbe Tonne. Preislich ist der 400er RTV natürlich der Einstiegskandidat in die Welt der Kubota-Side-by-Side. Allerdings verfügt er auch über eine ganze Reihe Alleinstellungsmerkmale, die ihn zumindest technisch von den Schwestermodellen abheben. Zunächst wäre da der Antrieb zu nennen. Der für die Klasse eigentlich üblich aus einem CVT-Getriebe besteht. Bei Kubota heißt das dann CVT Plus und so funktioniert es: Anders als bei einem Standardantriebe bleibt beim CVT-Plus-Getriebe der verstärkte Antriebsriemen unter konstanter Grundspannung und unterliegt so geringerem Verschleiß. Eine vorgeschaltete Fliehkraftkupplung sorgt für ein gut dosierbares Anfahrverhalten. Die Kombination mit einer Freilaufkupplung ermöglicht bergab im Schiebebetrieb eine effektive und sichere Motorbremse. Auch beim Motor geht Kubota mit dem Kleinen eigene Wege. Oder besser gesagt, begibt man sich auf fremdes Terrain, denn das Einzylinder-Kraftwerk kommt vom Zulieferer Subaru, deren Motoren ja schon in vielen ATV Modellen anderer Hersteller zuverlässig den Dienst verrichten. Die obenliegende Nockenwelle sorgt in Verbindung mit der Ausgleichswelle für gute Drehfreudigkeit, Haltbarkeit und vibrationsarmen Motorlauf. Außerdem verfügt der neu entwickelte Motor über eine elektronische geregelte Kraftstoffeinspritzung (EFI). Im Gegensatz zu anderen Maschinen mit einfacher Vergasertechnik bietet hier z. B. die Kaltstartautomatik mehr Komfort und sicheren Betrieb, die exakte Kraftstoffdosierung ermöglicht geringen Verbrauch. Der RTV 400 verfügt über einen hochfesten Stahlrahmen mit integriertem Überrollschutz. Fahrwerkstechnisch bietet der Kubota eher Durchschnitt. Vorn Mc-Pherson-Aufhängung, hinten eine Muli-Gelenk-Achse, jeweils mit hydraulischen Dämpfern. Dem Fahrer bietet sich ein recht bequemer Arbeitsplatz. Die wenigen Bedienelemente sind logisch angeordnet und einfach zu handhaben.  Die eben ausgeführte Fahrerplattform ermöglicht einfaches Ein- und Aussteigen und bietet gute Beinfreiheit bei kompakten Abmessungen. Ansonsten geht es im Cockpit eher spartanisch zu. Eine 12-Volt-Steckdose und zwei Getränkehalter sind aber noch Serie. Das der 400 Ci aber ein echtes Arbeitstier ist, zeigt sich beim zuschaltbaren Allradantrieb und der Differenzialsperre für die Hinterachse. Mit entsprechender Bereifung kann der Zwerg einen auch schon aus dem größten Schlamassel retten. Die  40 km/h Höchstgeschwindigkeit empfehlen den RTV 400 Ci allerdings nicht als Fluchtfahrzeug.

RTV 500

Ebenfalls ein komplett neues Modell und im Gegensatz zum 400er ein echter Kubota, der RTV 500. Auf den ersten Blick sind die zwei Neuen allerdings kaum zu unterscheiden. Ein Blick unter die Ladebox offenbart die Gene. Hier verrichtet ein echter Kubota-Motor seinen Dienst. Der Zweizylinder liefert 11,7 kW (15,9 PS) und bietet mit Wasserkühlung und obenliegender Nockenwelle aktuellste Motorentechnik für ruhigen Lauf und lange Haltbarkeit. Die elektronische Einspritzung garantiert gute Leistung und sparsamen Betrieb. Auch Antriebstechnisch kommt das oben beschriebene Hydrostatische Getriebe zum Einsatz. Die Vorteile noch einmal kurz zusammengefasst, das Getriebe ist für höchste Belastungen ausgelegt, es verfügt über einen großen Übersetzungsbereich, ist nahezu verschleißfrei und kann deshalb nicht überlastet werden. Außerdem wirkt das Getriebe als Motorbremse. Äußerlich gibt sich der RTV 500 lediglich durch die silbernen Lampenmasken an der Front und durch die etwas hellere Sitzbank zu erkennen. Im Cockpit bietet sich bei beiden Modellen die gleiche Optik. Der Tacho und die Temperaturanzeige an unserem 500er Testmodell sind schon optionales Zubehör. Fahrwerkstechnisch sind die zwei kleinen Kubotas absolut identisch. Allerdings ist die Zuladungsmöglichkeit  beim 500er durch den schwereren Zweizylinder-Motor sogar noch etwas geringer als beim 400er. Bei der Endgeschwindigkeit sind beide wieder gleichauf. Welches Modell für welchen Einsatzzweck das Beste ist, bleibt bei so viel gleichen Merkmalen schwierig zu sagen. Der RTV 500 hat sicher mehr Drehmoment und ist durch das hydrostatische Getriebe stärker belastbar. Ein wenig agiler erscheint der RTV 400 und wird in der Praxis auch etwas sparsamer im Verbrauch sein.

RTV 900

Kubota´s Erstschlag in Sachen UTV, oder Mehrzweck-Transportfahrzeug, wie man das Vehikel selbst bezeichnet, war der RTV 900. Fast schon als Kommunalfahrzeug zu bezeichnen, hat sich das dieselbetriebene Arbeitsgerät aber auch schnell im Privatbereich durchgesetzt. Sehr beliebt bei Landwirten, Winzern, Pferdewirten, aber auch im reinen Hobbyeinsatz. Für ausreichend Leistung sorgt der hauseigene Dreizylinder-Diesel-Motor. Der stemmt zwar nur 21,6 PS, aber mit einer durchaus ansprechenden Drehmoment-Welle kann der 900er richtig was wegschaffen. Dazu verhilft natürlich auch das hydrostatische Getriebe, das wie bereits beschrieben, höchsten Belastungen standhält. Beim 900er findet sich zusätzlich noch eine dritte Fahrstufe vorwärts. Der RTV 900 ist in verschiedenen Versionen erhältlich, je nach Einsatzzweck. Darunter auch eine EC-Variante mit Straßenzulassung. Die verfügt dann anstelle der durchgehenden Sitzbank über zwei einstellbare Einzelsitze. Ausstattungsbedingt ist die Zuladung bei der EC-Version mit 695 kg etwas geringer als bei der als G-Modell bezeichneten Modellvariante mit fetten 790 kg. Um aber mal deutlich zu machen, was der 900er tatsächlich bewegen kann, rechnen wir für die Zulassungsversion mal zusammen. 925 kg Fahrzeuggewicht, 695 kg Zuladung und 1000 kg Anhängelast, das sind über 2,6 Tonnen Gewicht, die durch die Landschaft fahren. Ziemlich viel Zeug für ein UTV. Der RTV 900 hat aber insbesondere in der Zulassungsversion noch mehr zu bieten. Damit Fahrer und Beifahrer optimal geschützt sind, ist das RTV mit einem für höchste Beanspruchungen ausgelegten Überrollschutz (ROPS) in Übereinstimmung mit den EU-Bestimmungen ausgerüstet.

Für die Sicherheit beim Fahren auf öffentlichen Straßen ist das Modell außerdem mit einem vollen Beleuchtungssystem, inklusive Scheinwerfern, Fahrtrichtungsanzeigern, Rückspiegel und Reflektoren ausgestattet. An dem am Heck befindlichen Kennzeichenhalter lässt sich das Kennzeichen schnell und einfach anbringen. Auch das Ziehen eines Anhängers mit der robusten Anhängerkupplung ist kein Problem. Für die enormen Belastungen vor allem auf der Hinterachse kommt an dem Kubota RTV 900 eine spezielle Hinterradaufhängung zum Einsatz. An jedem der Hinterräder arbeitet ein DeDion-Verbundlenker, eine Blattfeder und der Stoßdämpfer gemeinsam, wodurch Stöße beim Fahren in unwegsamem Gelände so klein wie möglich gehalten werden. Gebremst wird an allen vier Rädern über gekapselte Scheibenbremsen im Ölbad. Das verspricht Langlebigkeit und auch bei hoher Belastung geringer Verschleiß. Ebenfalls zur Sicherheit trägt die hydrostatische Lenkung bei. Das System arbeitet ähnlich wie der Antrieb mit einer Ölpumpe und unterscheidet sich von den elektrischen Lenkhilfen der Mitbewerber. Für die Ladepritsche lässt sich der RTV 900 mit einer optionalen hydraulischen Hebevorrichtung ausrüsten, die vom Fahrersitz aus bequem bedient werden kann. Die Instrumentierung ist im Vergleich zu den beiden kleineren Modellen schon als üppig zu bezeichnen. Ein Tacho, Temperatur- und Tankanzeige sind Serie. Zuschaltbarer Allradantrieb und die Differenzialsperre an der Hinterachse sind natürlich ebenfalls an Bord. Der massive Rammschutz an der Front ist allerdings nur optional, also gegen Aufpreis erhältlich. Ansonsten präsentiert sich der RTV 900 als echtes Arbeitsgerät mit guten Genen auch für den Hobbyeinsatz.

RTV 1140 CPX

Ein genialer Streich, der neue Kubota RTV 1140. Das Teil hat die Bezeichnung Mehrzweckfahrzeug mehr als verdient. Technisch basiert der große Kubota auf dem 900er, verfügt allerdings über einen größeren Motor. Zum Einsatz kommt ein Dreizylinder-Diesel mit 1123 ccm und leistet 25,2 PS. Die volle Leistung steht bereits bei 3000 Umdrehungen pro Minute an, das verspricht eine hohe Drehmomentkurve bereits aus dem Stand. Bei einem Leergewicht von über 1000 Kilogramm ist das auch nötig. Trotzdem ist der Neue ein echter Lastesel. Eine Tonne Anhängelast und 740 Kilogramm Zulademöglichkeit, das ist eine Hausnummer. Der Clou ist allerdings die Wandlungsfähigkeit. Entweder lässt sich der RTV 1140 als Transporter auch für größere Ladung einsetzen und bietet dabei zwei Personen einen bequemen Sitzplatz, oder man baut das Fahrzeug mit wenigen Handgriffen zum Taxi für bis zu vier Personen um und hat immer noch reichlich Platz für Transportgut zur Verfügung. Wir haben es ausprobiert, ohne Vorkenntnisse und ohne Werkzeug war der Umbau in weniger als 30 Sekunden erledigt. Ein echtes Multitalent. Eine Europalette auf der Ladefläche unterzubringen, ist übrigens eine leichte Übung, kaum ein anderes UTV auf dem Markt schafft das. Ausgestattet mit dem hydrostatischen Getriebe, dem kraftvollen Dieselmotor, den gekapselten Ölbad-Scheibenbremsen und dem zuschaltbaren Allradantrieb lässt sich der RTV 1140 durchaus auch in schwerem Gelände einsetzen. Der Kubota ist kein Renner, aber er zieht recht souverän seine Bahnen. Auch die hydrostatisch betriebene Lenkung ist dabei sehr hilfreich. Die Ladebox lässt sich wie auch beim kleineren 900er per Hydraulik mühelos anheben. Ein wenig rustikal wirken die Blattfedern an der Hinterachse, aber das Chassis muss eine ganze Menge einstecken, da wären einfache Federbeine schnell überfordert. Im Cockpit geht es schon etwas luxuriöser zu als bei den kleineren Kubotas, viel von der Ausstattung ist dann auch schon serienmäßig.

Das volle Programm

Kubota hat sich ordentlich ins Zeug gelegt. Mit der neuen Modellpalette können sich die Japaner sicher weiter etablieren im Markt der UTV. Geländegängig sind alle RTV, wie wir bei unserer ausführlichen Testrunde beim Kubota-Händler Buchen in Olpe (www.buchens.de) selbst erfahren konnten. Alle Modelle sind grundsätzlich zulassungsfähig für den Straßenverkehr umzurüsten. Beste Voraussetzungen also, für den gewerblichen, als auch privaten Einsatz. Je nach Zweck lassen sich die Kubota UTV auch noch ganz speziell ausrüsten. Auch wenn die Endgeschwindigkeit es nicht vermuten lässt, im Gelände machen die Fahrzeuge richtig Spaß. Kubota könnte seine aktuelle Firmenphilosophie also eigentlich nach unserem Beitragstitel anpassen in: Kubota – For Earth, For Life, For Work, For Fun!

 

 

Text und Fotos: Frank Meyer

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