Das Gebirge im Meer

Korsika ist schon ein ganz besonderes Reiseziel. Die heute zu Frankreich gehörende Insel wartet mit einer wechselvollen Geschichte, einer einzigartigen Landschaft und sehr speziellen Bewohnern auf.

Was den echten Korsen ausmacht, ist die Liebe zur Heimat, dem einzigartigen Käse, dem wohlschmeckenden Wein und den wild lebenden Hausschweinen, die man nur zu gern in exquisite Wurstwaren verwandelt. Für Lutz Kanbach und Andreas Brand aus der Nähe von Heilbronn ein guter Grund für einen Besuch, zumal die Straßenverhältnisse auf Korsika einem ATV sehr entgegenkommen. Lutz macht uns mit seinem Reisebericht schon mal Lust auf die neue Saison.

„Im Sommer 2013 musste ich meine erste geplante Reise nach Korsika leider wegen einem schweren technischen Defekt an meiner TGB 525 mitten in Italien abbrechen. Mein Plan war aber nur aufgeschoben, ein Jahr später ging es also mit großem Vertrauen in meine mittlerweile modifizierte TGB, zusammen mit Andy und seiner Suzuki LTZ 400, wieder auf Achse. Bei bestem Reisewetter ging es am 21. Juli 2014 recht früh los. Weil der Weg auch schon das Ziel sein kann, haben wir uns für größtmögliche Autobahnvermeidung entschieden. Über schönste Landstraßen gelangten wir bis zum Abend nach Altdorf in der Schweiz. Den dortigen Campingplatz, den ich schon von früheren Touren kannte, nutzen wir für eine erste Übernachtung. Gut ausgeruht ging es am nächsten Tag weiter Richtung Italien. Erste Herausforderungen waren der Klausen-Pass mit 2100 Metern und der alte Gotthard-Pass, der uns auf 2300 Meter Höhe brachte. Da sich die Suche nach einem vernünftigen Campingplatz im Norden Italiens als schwierig entpuppte, haben wir uns für eine „wilde Nacht“ an einem Flüsschen außerhalb jeglicher Zivilisation entschlossen. Gute Entscheidung. Wir konnten unsere Kochkünste schon mal ausprobieren und die absolute Ruhe bescherte eine erholsame Nacht. Ein weiterer Tag mit vielen Kilometern erwartete uns. Unser Etappenziel Savona, von wo aus wir die Fähre nach Korsika gebucht hatten, war überraschend schnell erreicht. Ein guter Platz direkt am Meer für eine weitere Übernachtung war zum Glück schnell gefunden. Wir kamen dort mit ein paar Franzosen ins Gespräch, die ebenfalls auf Ihre Fährpassage warteten. Die Jungs waren auf dem Weg zu einer Afrika-Rally und waren auch schon voller Vorfreude auf die kommenden Tage“.

Korsika in der Nase

„Erst spät am Tag reihten wir uns ein in die Schlange der Fahrzeuge für die Fähre von Savona nach Bastia auf Korsika. Die Vorfreude war so groß, dass wir den würzigen Geruch der Insel schon ganz deutlich riechen konnten. Vielleicht war es aber auch nur die Abgase der betagten Sattelzüge neben uns. Für die etwa 10-stündige Nachtüberfahrt haben wir uns sogenannte Pullmannsitze reserviert, die lassen sich zu Liegen umklappen. Eine tolle Sache, allerdings war die Klimaanlage auf Minus 10 Grad Celsius eingestellt, weshalb wir uns freiwillig in einem abgelegenen Schiffsgang einquartierten. Dort bekamen wir dann doch noch eine Mütze Schlaf. Vier Tage volles Programm auf Korsika lagen vor uns. Nach ein paar wirklich schönen Touren wurden wir in der zweiten Nacht auf der Insel von einem Unwetter heimgesucht, das den Campingplatz überflutete. Ich hatte dabei mehr Glück als Andy. Mein Zelt hat absolut dicht gehalten, Andy stand seit halb drei in der Nacht im Toilettenhaus und schaute seinem Zelt beim Absaufen zu. Der folgende Tag ging deshalb für ihn komplett mit Trocknen der Klamotten und sämtlicher Papiere drauf. Ich hab mich mit dem Quad in die Berge verzogen und bin meinem missgelaunten Mitstreiter erst mal aus dem Weg gegangen.

An dieser Stelle ein Tipp für Korsika-Besucher: Wildscheine, Kühe und Ziegen liegen sehr gern hinter scharfen unübersichtlichen Kurven auf der Straße und sonnen sich. Viel Auslaufzone findet sich selten, meist geht es ohne Leitplanken ein paar hundert Meter abwärts, teils direkt ins tosende Meer. Also stets Aufmerksam und angepasst fahren! Tags darauf waren wir dann wieder gemeinsam auf Achse. Unser Weg führte uns von der Westküste nach Ajaccio an der Ostküste. Dabei passierten wir die höchsten Berge der Insel. Der Monte Cino ist mit 2.706 Metern der größte Klotz davon. Insgesamt finden sich auf Korsika 50 Zweitausender, die den Alpen in nichts nachstehen. Auf dem Rückweg sind wir im Zentrum der Insel bei Corte noch ins Restonica-Tal abgebogen. Die enge Straße führt auf 15 Kilometern über 1000 Höhenmeter nach oben. Das Gebiet ist auch bei Wanderern und Bergsteigern sehr beliebt, weshalb der Verkehr in der Saison stark reglementiert ist. Am Ende eines heißen Tages hatten wir rund 400 Kilometer mehr auf der Uhr. Zum Glück ist der Strand immer schnell erreichbar. Schwimmen, etwas chillen und am Abend WM-Fußball in der Campingplatz-Kneipe, so kann ein Tag auf Korsika auch ausklingen“.

Die Heimat ruft

Auch der schönste Urlaub geht irgendwann zu Ende. Unser Weg nach  Hause führte uns von Bastia nach Nizza zurück aufs französische Festland. Die Überfahrt am Tag war wesentlich entspannter, wir genossen die Zeit auf dem Sonnendeck. Nach einer weiteren Übernachtung führte unser Weg über den Col de la Bonette, dessen Passhöhe immerhin bei 2715 Metern Höhe liegt. Weiter ging es dann durch den Nationalpark Mercantour, der in den französischen Seealpen eingebettet ist. Unsere Quads erklommen die 2900 Meter hohe Passstraße nur mit großen Mühen. Meine TGB hatte mit Zündaussetzern zu kämpfen, ich musste den Motor mit hohen Drehzahlen halbwegs bei Laune halten. Andy hatte in der Höhe Probleme mit Kopfschmerzen. Wir fuhren entlang des Lac de Serre Poncon, einem Stausee, der von Europas höchstem Erddamm mit 123 Metern im Zaum gehalten wird. Das Panorama entschädigte uns für alle Anstrengungen. Bei einem kurzen Abstecher nach La Plagne, einem Skigebiet in den Savoyen, konnten wir unter anderem die größte Personenseilbahn der Welt bewundern. 200 Leute passen in die zweigeschossige Gondel, die ohne Zwischenstützen rund 1800 Meter überbrückt. Faszinierende Technik.

Bis zum Abend erreichten wir den Lago Maggiore in Italien. Die Nacht auf dem Campingplatz am See brachte einen Vorgeschmack auf den anstehenden Wetterwechsel. Vom Lago fuhren wir durch die gesamte Schweiz im strömenden Regen. Um uns waren nur noch Nebel und Grau. Schade um die atemberaubende Schönheit des Landes, zumindest für dieses mal. Kurz vor Konstanz riss die Wolkendecke auf und die Sonne ließ sich wieder blicken. Sehr spontan entschlossen wir uns noch zu einem Besuch bei dem bekannten Quad-Globetrotter Gerry Mayr, der in Konstanz neben einer Werkstatt auch ein Hostel für Fernreisende mit liebevoll eingerichteten Zimmern unterhält. Nach einer letzten Übernachtung und nettem Benzingespräch mit Gerry machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf den finalen Heimweg Richtung Heilbronn. Eine tolle Tour, die Andy und mir noch lange in lebhafter Erinnerung bleibt. Uns geht dabei aber auch schon die nächste große Tour durch die Köpfe. Mal sehen wo es uns dann hin verschlägt“.

Videos dieser und weiterer Reisen von Lutz Kanbach sind auf seiner Webseite www.lk-racing.de abrufbar.

Abonnieren

Wenn Sie diesen Artikel mochten, abonnieren Sie hier, um mehr zu diesem Thema zu empfangen.

per RSS-Feed abonnieren

Kommentarfunktion abgeschaltet

Top