Klassiker im Test: All inclusive von Can-Am

Geschrieben von am 11. Mai 2016 in Allgemein

Das Quad war 2008 die kanadische Antwort auf die starke Konkurrenz in der 450er-Klasse der Sportgeräte, welche seinerzeit und bis heute von Yamaha’s YFZ dominiert wird. Die Xmx-Version war und ist eine Maschine für den Moto-Crosser. Und das von der Stange.

Überflieger: Leider seit 2015 aus dem Portfolio von Can-Am gestrichen.

Überflieger: Leider seit 2015 aus dem Portfolio von Can-Am gestrichen.

 

Immer mehr Hersteller lieferten Quads, die für ihren zugedachten Einsatz serienmäßig bereits fix und fertig sind. Die Meßlatte legte seinerzeit KTM mit seinen XC und SX Quads
hoch. Diese werden jeweils hochwertig ausgerüstet und rennfertig ausgeliefert. Can-Am folgte dieser Strömung und legte 2008 die „X“-Version der DS nach, um diese kurz darauf noch weiter für Moto-Cross bzw. Enduro zu optimieren. So gibt es neben der Basisversion 450 EFI zwei weitere unterschiedliche Modelle. Seit 2010 wurde nur noch die DS 450 X mx als einzige Version des Sportlers nach Deutschland gebracht. Vom breiten und einstellbaren Fahrwerk bis zu Nerf-Bars mit Heel-Guards und Leichtbau-Rahmen ist alles drum und dran an der DS, sogar Handprotektoren.

Die Xmx: Zuletzt die einzige Version des kanadischen Sportlers.

Die Xmx: Zuletzt die einzige Version des kanadischen Sportlers.

„Moto-Crosser schätzen sie wegen Fahrstabilität und Kontrollierbarkeit. Ähnlich ist es für den Straßenfahrer, dem eine ordentliche Breite zudem als Basis für die Tieferlegung
dient. So war aus Sicht des Herstellers der Import der MX-Variante die logische Reaktion auf den hiesigen Markt. Schade nur, dass die interessante Maschine nicht mehr in Deutschland lieferbar ist. 2015 stellte BRP Germany den Import ein.
1270 Millimeter misst das Quad an den A-Arms. Damit entspricht es dem Standart im Moto-Cross-Rennsport. Nachlauf und Sturz sind ebenso simpel einstellbar, wie die Kayaba-Dämpfer. Zug- und Druckstufe sowie die Vorspannung der beiden Federn mit unterschiedlichem Härtegrad sind individuell anzupassen. Damit dürfte die DS den meisten Anforderungen im Einsatz gerecht werden. Auch gesteigertem Anspruch wird das Paket gut gerecht. So sind die Stoßdämpfer übrigens beschichtet, um die Reibung und damit Hitze während der Arbeit zu verringern. Das Ansprechverhalten und der 272 Millimeter Federweg sind so durchgängig nutzbar, d.h. ohne Verluste. Ein Highlight des Fahrwerks ist die verstellbare Hinterachse. Crosser mögen’s hinten gewöhnlich etwas schmaler als vorne, wegen des Handlings. Mittels Abstandhaltern von je 13 Millimetern, kann der Pilot zwischen 1168 und 1270 Millimetern variieren und damit das Quad noch besser seinem Fahrstil und den Verhältnissen vor Ort anpassen. Zusätzlich ist die Achse hohl gebohrt, um weniger Masse an die Hinterhand zu bringen. An den „Ecken“ des Quads finden wir ITP-Felgen. Track Lock heißen die hinteren mit Verstärkung („beadlock“) und wurden wie die vorderen T-9 genannten Alus für Moto-Cross konzipiert. Die passenden ITPCross-Pellen – vorne neun und hinten acht Zoll – gehören seit jeher zur ersten
Wahl.

In der homologierten Version stellte Can-Am bisher die mx alternativ auf Kenda Speedracer – 21 x 7R-10” vorne und 20 x 11 x 9” hinten. Was bietet der Racer noch? Da ist zunächst der vibrationsarm aufgehängte Alu-Lenker zu nennen, der an erhöhten Aufnahmen befestigt ist. Der Kauf einer höheren Lenksäule ist dadurch überflüssig. 178 Millimeter Sitzhöhe sprechen ebenfalls für die MX-optimierte Geometrie. Fast wie selbstverständlich sind Stahlfelxleitungen zu den Wave-Bremsscheiben verlegt. Vorne liegen diese im „inneren“ der Radnabe. Dadurch konnten die Kugelköpfe günstiger zur Mitte angebracht  werden, was präziseres Lenken ergibt und einen besser kontrollierbaren Bremsvorgang. Ins Auge sticht der vom Basismodell übernommene Rahmen. Diese pyramidenförmig aufgebaute Baugruppe aus Aluminium ist verschraubt und gilt als leichtester der Quadklasse. BRP greift dabei auf eine Konstruktion aus der Luft- und Raumfahrt zurück und garantiert hochfeste Verbindungen sowie hohe Stabilität. Herzstück
bildet aber der Rotax-Motor im so genannten Free-Flow-Design. Er verfügt über größere Kolbenbohrung, Drosselklappen und Einlassventile als die Konkurrenz. Er ist sicher mehr als nur die halbierte Version des 1000er V-Zweizylinders, welcher unter anderem in der Aprilia RSV seinen Dienst verrichtet. Einem höchst potenten Straßen-Motorrad.

Einsatzgebiet: Der MX-Track.

Einsatzgebiet: Der MX-Track.

Auf die Strecke

Jedoch wurde der Einzylinder des Cross-Gerätes aus diesem Triebwerk entwickelt und auf den Einsatz abgestimmt. Offen liefert es rund 34 kW, also etwa 45 PS. Diese Leistung entfaltet der Motor elektronisch gesteuert. Ein Microchip überwacht die verzögerungsfreie Leistungsentfaltung. Mit der Entwicklung der X mx hatte Can-Am sowohl den erfahrenen und ambitionierten, wie auch den Amateur-Piloten im Auge.  So engagieren sich die Kanadier im US-amerikanischen Rennzirkus mit einem Team. Für Aufsehen sorgt dabei stets Jeremie Warnia, ein Franzose, welcher den Amis regelmäßig um die Ohren saust. Mit ihm hatten wir Gelegenheit, die Crossmaschine von Can-Am zu testen. „Die bietet schon eine gute Ausgangsposition“, erklärt der Fahrer glaubhaft und bescheinigt dem Modell herausragende Qualitäten. Auf einem weitläufigen Kurs, stellen wir fest, was das heißt. Waschbretter, Einfach- und Doppelsprünge, lang gezogene Kehren und enge Kurven mit Anliegern. Griffiger Boden und feinstes Wetter, Crosser, was willst Du mehr? Also los: Anlasser ohne Gas betätigt und schon brummt der Rotax. Die Ergonomie erweist sich als sehr angenehm. Der Fahrer sitzt „in“ der Maschine und fühlt einen zentralen, tiefen Schwerpunkt. So ist die DS leicht lenkbar, was der beschriebenen Geometrie und den Kontruktionsmerkmalen zugeschrieben werden kann. Die an den Innenseiten der vorderen Bremsscheiben liegenden Sättel konzentrieren gemeinsam mit den zentrierten Kugelköpfen der A-Arms das Gewicht derart auf die Räder und damit nach außen, dass weniger Schläge den Lenker erreichen. Gut gemacht.

Flugs um die Ecken.

Flugs um die Ecken.

In der Praxis sieht das so aus: Druck auf’s Daumengas und der warmgelaufene Motor hämmert los. Kräftig und von unten heraus. Das geringe Gewicht des Quads schont die
Kondition. Erste Kurve – anbremsen! Die Fuhre taucht kaum ein. Rein und rum – Gas auf. Fast wie von selbst, zieht sich das Quad wieder in eine grade Position. Dazu ist erstaunlich wenig Körpereinsatz erforderlich. Nächste Kehre im Drift. Und wieder: Gas auf, Hintern raus, rum, weiter geht’s. Der Rotax entwickelt enorme Kräfte, bleibt aber beherrschbar. Der Vergleich zum Zweirad drängt sich auf, so spielerisch fegt das Quad über die Strecke.

1-A-Handling ist die Stärke der Kanadierin.

1-A-Handling ist die Stärke der Kanadierin.

Zur Dämpfung: Die schluckt wirklich was weg und schlägt auch nach weiten Sprüngen nicht gleich durch. Das gesamte Fahrwerk ist sehr komfortabel ausgelegt und ist grade in Waschbrettern okay. Eine Einstellung findet jeder Fahrer schnell nach ein paar Trainingsrunden. Insgesamt verzeihen der Motor mit langen Stehzeiten im jeweiligen Gang gepaart mit den guten Shocks manchen Fahrfehler. Damit wäre die DS 450 Xmx auch durchaus dem Hobby-Sportfahrer zu empfehlen, der seine ersten Rennen bestreiten will. Er hat mit dem Quad ein ausgezeichnetes Gerät mit Potential für fahrerische Entwicklung. Der flotte Pilot schätzen das ultraleichte Fahrgefühl und das Verhältnis zwischen Kraft und Gewicht. So sollte „race ready“ sein. Alles was darüber ist nennt man „Custom“ oder „Werksrenner“.

Ja oder nein?

Jetzt zugreifen: Quad-Briel hat noch welche! Neue!

Jetzt zugreifen: Quad-Briel hat noch welche! Neue!

Die Antwort lautet Ja! Denn insgesamt bietet Can Am mit der X mx eine hervorragende Crossmaschine an der alles dran ist. Spart Euch den Griff ins Zubehörregal uns lotet das Potential aus. Den einen oder anderen Punkt für Individualität findet man dann schon noch. Vielleicht mal ein Auspuffsystem oder so. Schade ist wie gesagt, dass Can Am die Fahrzeuge nicht mehr bringt! Trost für die deutschen Fans spendet Quad Briel aus dem hessischen Frankenau. Der Quad-MX-Profi hat noch neue 2015er Xmx lieferbar.

Text: Ralf Wilke
Fotos: Can-Am, Ralf Wilke, Tony Nash

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