UNTERWEGS – Mecklenburg-Vorpommern

Geschrieben von am 29. Dezember 2016 in Allgemein, Unterwegs

Schotterstraßen, tiefe Sandspuren, sumpfiger Morast – all das kann Euch auf einer Tour durch Mecklenburg unter die Räder kommen. Wir sind unterwegs.

Manchmal scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Deutschlands Nordosten war nie dicht besiedelt und die DDR-Führung sorgte dafür, dass es so blieb. Große Gebiete an den Außengrenzen waren Sperrgebiet. Natürlich hat sich viel verändert und es ist einiges erreicht worden in den letzten 26 Jahren, was eine gute Infrastruktur betrifft. Aber zwischen manchen Dörfern „da oben“ ist oftmals ein Wald- oder Feldweg immer noch die einzige Verbindung. Für den ATV-Fahrer bedeutet das, hier sein Fahrzeug artgerecht und vor allem legal bewegen zu können. Ein wahres Eldorado an Wegen ergibt sich rund um Boitzenburg, wo unsere Tour startet. Dennoch tut man gut daran, einem Tourguide zu folgen.

Der Guide kennt sich aus: Auch darin, wo das Gewässer überquert werden kann.

Der Kodex und die Wege

Legale Wege, die man ohne Guide kaum findet.

Den stellt uns Endurofuntours  zur Verfügung. Der Veranstalter ist bestens aufgestellt. Seit über fünfzehn Jahren fahren die Spezialisten mit Endurofreunden an Orte, an die Quad- und Motorradfahrer normalerweise nicht kommen. Seien es Lehmpisten mit Pfützen und Hügeln in Mecklenburg-Vorpommern oder die karge, steinerne Welt im Süden Europas. In eigens dafür gestalteten Kursen, zeigen Jungs rund um Chef Jochen Ehlers, wie man seine Geländemaschine in (fast) jeder Lage beherrscht oder eben artgerecht ausführt. So auch auf unserer Fahrt durch die reizvolle Landschaft, für die Guide André eine Grundregel bekannt gibt: „Wenn ich abbiege, bleibt der Fahrer der direkt hinter mir fährt stehen und weist den anderen die Richtung. Hinter dem letzten reiht er sich wieder ein. Alles klar?“ Klar! So bleibt niemand zurück und das Feld zieht sich dennoch angenehm auseinander. Befreit von Navigationsaufgaben lässt sich dabei die Landschaft und das Fahren im Gelände genießen.

Idyllisch: Die Dörfer haben ihren eigenen, ursprünglichen Charakter bewahrt.

Das die Methode Vorteile hat, zeigt sich auf den Sandwegen, die schon bei geringer Trockenheit ziemlich stauben. Eine große Gruppe, die  zügig unterwegs ist,  würde dem Einzelnen und den teils vorkommenden Spaziergängern neben der Sicht auch den Atem rauben. Was André zur zweiten Regel bringt, die da lautet Fußgänger und Radfahrer langsam zu passieren und dabei freundlich zu winken. „Das hat sich auch bewährt. So stören sich die wenigsten an uns.“ Der erfahrene Vorfahrer fordert uns auf „Botschafter der Quadszene“ zu sein. Machen wir gerne, denn niemand will, dass dieses Kleinod der Fahrfreuden bald von Verboten und Schranken unpassierbar gemacht wird. Im Tourentempo geht es also los auf den zweispurigen Feldstraßen zu einigen Abenteuern.

Schlamm und Wasser

Am Ende einer Sackgasse: Teamarbeit ist angesagt!

André kennt zum Glück auch Wege, die weniger staubig sind. Auf Graswegen neben Kanälen geht es teils durch lichte Wälder und Seenlandschaft. Entsprechend matschig wird es teilweise. Manchmal recht tief und man schlingert das eine oder andere Mal schon quer durch. Sauber bleiben? Keine Chance! Am Ende einer Sackgasse treffen wir eine echte Moddergrube. Ob André nicht wusste wo es lang geht und wir „aus Versehen“ hier gelandet sind, lässt er grinsend offen. Spaß macht das allemal. Später wollen wir noch über einen Wiesenweg und durch eine Furt. Schön, wie man hier Wasserspielchen treiben kann. Zum Beispiel Querungen ohne Brücke. Ja, auch das geht. Hier kann das Wasser
aber schon mal etwas tiefer sein, als man zunächst meint, was erklärt warum die Einheimischen mit ihren Autos zumindest während unserer Reisezeit diese Gegend meiden.

Im Frühjahr kann das Ganze in eine Bootstour ausarten. Aber – wer ein ATV unter dem Hintern hat, der wagt sich ran, hoffend die Spur zu halten – und den Lufteinlass über Wasser! Schließlich erreichen wir alle das rettende Ufer. Die mit Schlamm bedeckten Fahrzeuge sind wieder einigermaßen sauber, erhalten aber auf den Staubpisten eine körnige Patina, die recht gut haftet. Aber wer will während der Tour schon ans Putzen denken? Ans Essen schon eher, was wir an einer rustikalen Tankstelle erledigen. Bockwurst, Bratwurst, Mecklenburgische Spezialitäten – keiner möchte zu viel wertvolle Fahrzeit bei einem Restaurantbesuch verplempern.

Schön: „Wasserstraße“ wörtlich genommen.

Dann wieder Sand. Tiefer Sand. Mit heftigen Lenkbewegungen und hart am Gas muss jeder in unserer Kolonne sein Gefährt auf Kurs halten. Am besten nicht nachlassen, denn sonst taucht die Nase tief ein und bugsiert einen mal hier hin, mal dort hin. Spaß macht das wie Sau!

Die Waldwege Mecklenburgs

Kleinod für Offroader: Legal in Deutschland abseits der festen Wege. Das geht noch in Mecklenburg.

Auch auf dem letzten Teil der Reise hält André einige nette Herausforderungen für uns bereit. Die erste begegnet uns in Form eines schmalen Pfades durch einen Kiefernwald. Es queren mehrere kleine Bachläufe unsere Spur, manchmal fahren wir ein Stück durch das Flussbett wenn es breit genug ist. Hier haben Hecktriebler mal leichte Schwierigkeiten, wobei die 4×4-Fahrzeuge gerne helfen. Die Allradfahrer haben scheinbar eine heimliche Freude daran, den Quads behilflich zu sein. Sicher ein wenig das Salz in der Wassersuppe. Auf dem Weg zum Hotel haben wir die Wahl: Sand oder Schlamm. Schlamm! – Die Mehrheit entscheidet. Wer hätte das gedacht?? Also durch die „Sümpfe“, weiterkommen, sich gegenseitig ziehen, wieder stecken bleiben. So erreichen wir dann die Unterkunft. Alle sehr zufrieden, vor allem, wenn die Kellnerin das Glas Weizenbier auf den Tisch stellt. Benzin reden und darüber, dass ein ehemaliges Sperrgebiet seine eigenen Reize hat.

Text: Peter Ansorgh, Ralf Wilke Fotos: Peter Ansorgh

Das all diese Fahrfreuden und der -spaß auch in einer „Mix-Tour“ aus Zwei- und Vierradfahrern hervorragend funktioniert, zeigt unsere aktuelle Reise „kreuz und quer durch Mecklenburg“, die wir Euch in der neuen Ausgabe der Quadwelt vorstellen. Ab dem 4. Januar ist die Nr. 1-2017 am Kiosk und ab Seite 98 geht’s auf Tour.


Mehr zur Ausgabe 01-2017

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