Klassik-Test: Cectek Quadrift 500

Selten wurde die Markteinführung eines taiwanesischen ATV mit so großer Spannung erwartet, wie die der Quadrift 500 und des ähnlichen Modells Gladiator 500. Mittlerweile stehen einige dieser Fahrzeuge auf dem Gebrauchtmarkt zum Verkauf.

Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2008. Die Veröffentlichung dient in erster Linie der Unterhaltung und eventuellen Interessenten von Gebrauchtfahrzeugen dieses Modells.

Hier steht mit der Quadrift ein Fahrzeug vor uns, für das die Bezeichnung ATV einfach nicht richtig erscheint. Vielmehr wähnt man sich im ersten Wagen einer echt scharfen Achterbahn. Hat Cectek den ultimativen „Ride“ geschaffen? Quadwelt hat ein Ticket gelöst und nimmt Euch mit auf einen Trip der besonderen Art.

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Mal ganz ehrlich, auch bei uns in der Redaktion war die Spannung bis zur Übergabe eines Testmodells kaum auszuhalten. Und schon am ersten Tag war klar, dass die Quadrift die geregelten Abläufe eines Testdurchlaufs gehörig durcheinander wirbeln würde. Schon beim Verladen auf unseren Transporter wurden wir vor Probleme gestellt. Passte die 500er gerade so zwischen die Radkästen, geriet die sonst eher lässige Auffahrt über die Laderampen zum Kraftakt. Die niedrige Bodenfreiheit über das komplette Chassis lies die Quadrift aufsetzen. Da mussten dann kräftige Hände ran, um das Quad über diese Hürde hinweg zu heben. Normalerweise führt die erste Fahrt schnurstracks zur Tankstelle um das Spritfass für die Verbrauchsmessung zu füllen. Danach sollte es mit noch sauberem Fahrzeug zum ersten Fotoshooting gehen um Stand- und Detailfotos in den Kasten zu bekommen. Pustekuchen! Die September-Sonne tat Ihr Übrigens dazu, das die Quadrift umgehend in den Testbetrieb versetzt wurde. Am Ende dieses Tages standen gut 250 Kilometer mehr auf der Uhr und der Stopp an der Tanke war schon wieder fällig. Für den Testablauf ein verlorener Tag. Die Quadrift hat es geschafft all meine Aufmerksamkeit für die sonst üblichen Analysen im Hirn auszuschalten. Stattdessen stand der Fahrspaß und das herantasten an Grenzen in Kurven aller Güte an erster Stelle. Der Fahrtwind, das geile Asphaltband, wärmende Sonnenstrahlen und dieses tolle Fahrzeug unter dem Hintern, ließ mich an diesem Tag meine Pflichten vergessen. Und noch viel schlimmer, ich habe mich unverhältnismäßig oft in Ortsdurchfahrten und auf belebten Straßen wieder gefunden. Posen und Cruisen, die Quadrift lässt alle guten Vorsätze sich nicht solchen Eitelkeiten hinzugeben vergessen. Es war schon lange dunkel als die Quadrift nach dieser ersten Tour die Garage mit ihrer Motorwärme aufheizte und ich langsam den Verstand wieder erlangte. Jetzt musste ich schon etwas über meine vorherigen Gedanken schmunzeln, dieses Ding auf der Terrasse zu parken, damit ich es mir noch in aller Ruhe ansehen kann. Das war der Zeitpunkt wieder zur Vernunft zu kommen.

Spritzig: Die Quadrift versprüht Charme, der Brunnen dahinter nur Wasser.

Das Auge fährt mit

Auch wenn der Drang einfach loszudüsen immer reizt, werfen wir doch einen Blick auf und unter das Kunststoffkleid und erkunden die Details und technischen Lösungen der Cectek. Motor, Antrieb und Chassis sind baugleich mit dem Brudermodell Gladiator, die wir bereits in der Quadwelt Ausgabe 04/2008 vorgestellt haben. Die Quadrift muss lediglich auf den zuschaltbaren Allradantrieb verzichten. Bei der extremen Auslegung des kompletten Fahrwerks für den reinen Straßenbetrieb lässt sich das aber gut verschmerzen. Dämpfer und Federn sind entsprechend kürzer und härter ausgelegt. Die A-Arms weisen einen schon negativen Sturz auf, das heißt die Federwege sind ziemlich begrenzt. Die Öldruckdämpfer sind voll einstellbar. Optional bietet Importeur Herkules Motor GmbH & Co. KG auch Gasdruckdämpfer an. Die Rahmenkonstruktion ist äußerst stabil ausgelegt. Das schlägt sich auch im recht hohen Gewicht nieder. Die Bremsanlage kann dem aber Paroli bieten. Die vorderen Scheiben messen 250 mm im Durchmesser, die hinteren immerhin noch 190. Der komplette Unterbau ist mit Stahl- und Kunststoffplatten geschützt. Von Leichtbau keine Spur. Die derzeit einzig angebotene VKP-Version mit 15 kW hat mit dem Gewicht zu kämpfen. Die Zulassung mit offener Leistung von bärenstarken 30 kW steht noch aus, soll aber in Kürze realisiert werden. Die üppige Verkleidung verbirgt den größten Teil der inneren Werte, lediglich das Heck lässt den Blick zu auf die hintere Antriebsachse, Fahrwerk und Bremsanlage. Dieser Anblick macht einen großen Teil der Faszination der Quadrift aus. Bullig und brutal. An der Front wird der kraftvolle Auftritt durch die tief gezogene Verkleidung und die doppelten Linsenscheinwerfer fortgesetzt.

Low Rider: Tiefer Schwerpunkt, breite Reifen, hoher Fahrspaß.

Der serienmäßige Einsatz von Niederquerschnittreifen auf einem Quad ist wohl auch ziemlich einzigartig. Die von Cectek selbst produzierten Speichenfelgen aus Aluminium tragen sicher einen großen Teil zur ansprechenden Optik der Quadrift bei. Optisch auch ein Leckerbissen und sehr informativ zeigt sich die Tachoeinheit. Der schon von der Gladiator 500 bekannte Drehschaltknopf kommt auch an der Quadrift zum Einsatz. Leider lässt der sich auch genau so störrisch bewegen. Hier muss dringend am Feinschliff gearbeitet werden. Sehr praktisch und sauber dagegen die Lösung des Zündschlosses, das zusätzlich als Sitzbankentriegelung und Lenkradschloss dient. Zwei Staufächer bieten Platz für die nötigsten Utensilien. Der Gepäckträger an unserem Testmodell ist Zubehör. Den gibt es auch für die Front. Befestigungsmöglichkeiten sind schon vorhanden. Die Verarbeitungsqualität geht rundum in Ordnung. Die kleinen und zahlreichen Plastikschrauben die die Verkleidung fixieren sind allerdings nicht für die Ewigkeit gemacht. Der Deckel des vorderen Staufachs könnte ein gefragtes Ersatzteil sein, nur all zu leicht ist die nämlich mit einem Finger zu entfernen. Und entfernen heißt nicht öffnen, sondern tatsächlich entfernen. Gelegenheit macht Diebe, heißt es. Quadwelt empfiehlt den Deckel mit einem kurzen Sicherungsseil fest mit der Verkleidung zu verbinden.

El Dorado: Serpentinen sind das richtige Revier für die Cectek.

Probieren geht über studieren

Bei rund 800 gefahrenen Kilometern in zwei Wochen haben wir natürlich nach anfänglicher Euphorie wieder zu unserer analytischen Sichtweise zurück gefunden. Kurz nach Übernahme des Testfahrzeuges haben wir uns schon etwas gewundert. Die Quadrift war zugelassen als VKP. Das heißt, eigentlich gedrosselt auf 15 kW bei einer  eingetragenen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Unser Testquad lief laut Tacho aber fast 120 km/h. Somit war klar, dass die Drosselung irgendwie auf dem Weg zu uns verloren ging. Nun, uns sollte es recht sein, zumal Importeur Telsnig mit Hochdruck an der Zulassung als LoF (Zugmaschine) arbeitet. Wahrscheinlich wird mit Erscheinen dieser Ausgabe der Quadwelt die offene Zulassung schon möglich sein. Ob und wie man den Kunden der ersten ausgelieferten Quadrift-Modelle bei der nachträglichen Änderung der Zulassungsart unter die Arme greifen kann, wird derzeit überlegt. Wir bewegen also eine offene Version. So oder so, unsere Aufmerksamkeit wird auf viele verschiedene Aspekte gelegt. Dazu gehört vor allem der Fahreindruck und zwar ohne irgendwelche abstrakten Messdaten eines Prüfstandes zu analysieren. Los geht´s. Der Motor startet elektrisch und ohne Mucken. Einspritzung sei Dank. Zur Not ist auch ein Seilzugstarter an Bord. Die Bedienelemente liegen gut erreichbar für Fahrer aller Größen. Lediglich die vorgeformte Sitzmulde passt vor allem bei Großgewachsenen nicht immer. Die Haltung ist, wie vielleicht auf dieser Maschine auch richtig, sehr sportlich. Auf Dauer aber auch anstrengend. Die Drehschaltung macht wie schon bei der Cectek Gladiator Mucken. Aber nur bei kaltem Motor. Hier hilft nur Geduld, oder viel Muskelkraft. Das System an sich ist eigentlich recht simpel (siehe Newspunkt), es fehlt wohl noch am Feinschliff. Die Seilzüge der Mechanik sind sehr lang, da besteht eben die Gefahr, das mal was hängt. Der 500er Motor legt einen Klangteppich in die Umgebung, der einem eine Gänsehaut verpasst. Hier haben wohl Sounddesigner Hand angelegt. Der Endtopf aus Edelstahl ist auch was fürs Auge.

Grauzone: Auf glattem Asphalt fühlt sich die Quadrift wohl.

Der Daumengashebel ist sehr leichtgängig und ermüdet die Hand nicht. Bei schnellem durchdrücken dieses Hebels in Richtung Anschlag reagiert die Quadrift ohne Denkpause. Sofort dreht der Motor hoch und setzt die Fuhre knackig flott in Bewegung. Bis etwa 5500 Umdrehungen zieht die Cectek fast linear mit gleich bleibender Geschwindigkeitszunahme an. Erst danach ebbt der Vortrieb etwas ab. Dennoch, es geht recht zügig in Richtung Endgeschwindigkeit. Die erreichen wir bei dauernd leuchtendem Warnlicht (ab 6.500 U/min blinkt eine rote Warnleuchte) bei angezeigten 118 km/h. Nicht schlecht. Allerdings ergibt eine Vergleichsmessung per GPS und vier verschiedenen Referenzfahrzeugen eine enorme Abweichung von der Realität. Leider nach unten. Mehr als 102 km/h zeigt keiner der Vergleichstachos an. Zwar immer noch genug, aber die versprochenen 120 km/h (offen) sind einfach nicht drin. Dennoch, die Quadrift verfügt in fast allen Lebenslagen über genug Leistung. Ausgesprochen Laune macht vor allem die Fahrt über kurvenreiche, glatt asphaltierte Landstraßen. Der Name des Quads ist hier Programm. Aber erst bei gesperrtem Differenzial hinten. Dann lässt man mit Mut und Körpereinsatz schwarze Streifen auf der Straße.

Wie auf Schienen…ist sicher kein guter Vergleich. Tatsächlich hebt die Quadrift in schnell gefahrenen engen Ecken schon mal die Räder. Gibt man dem Differenzial per Schalter am Handgriff den automatischen Schlupf, liegt die Cectek wie das sprichwörtliche Brett. Allerdings macht das die Rückmeldung vom Zustand des befahrenen Untergrunds nicht besser. Bei Straßen dritter Ordnung wird die Lenkung sehr nervös. Die Quadrift läuft dann gerne jeder Spurrinne nach. Hier muss der Fahrer die Zügel fest in der Hand halten. Das Fahrwerk ist ziemlich straff abgestimmt. Schlaglöcher werden zwar gut pariert, aber man wird nicht über mangelnde Investitionen in das deutsche Straßennetz im Unklaren gelassen. Hier hilft vor allem, die Einstellmöglichkeiten der Dämpfer und Federn auszunutzen. Das zusätzliche Gewicht eines Passagiers ist zum Beispiel gut  im veränderten Fahrverhalten auszumachen.

Masse konzentriert: Wie das Objekt im Hintergrund hat auch die Quadrift einen zentrierten Schwerpunkt.

Ein verändertes Fahrverhalten macht sich auch auf nasser Straße bemerkbar. Selten sind wir so gerne im Regen gefahren wie mit der Quadrift. Der Funfaktor erhöht sich enorm, wenn man in jeder Kurve quer steht. Was vorher nur mit viel Körpereinsatz möglich war, ist jetzt bei Regen nur schwer zu unterbinden. Aber wir weisen ausdrücklich darauf hin, solche Sperenzchen sind nicht ungefährlich und sollten im öffentlichen Straßenverkehr nicht provoziert werden. So, Pflicht erfüllt, weiter geht’s.  Die Bremsanlage hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Vorbildlich ist die Auslegung der getrennt über Handhebel aktivierbaren Vorder- und Hinterradscheibenbremsen. Die Fußbremse wirkt kombiniert auf alle Scheiben. Die sind mit 250 mm Durchmesser vorn und 190 mm hinten sehr großzügig dimensioniert. Die Wirkung, egal ob einzeln oder kombiniert betätigt, ist stets ausreichend. Allerdings muss man für eine Vollbremsung kräftig in die Hebel langen. Man hat den Eindruck, dass die Beläge nicht mit den Scheiben harmonieren. Vielleicht sollte Cectek hier mit anderen Belagsmischungen experimentieren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, die Stopper reichen im Alltag völlig aus. Über jeden Zweifel erhaben ist in Bezug auf Alltag auch der Spritzschutz. Solange es nicht Hunde und Katzen von oben regnet, hält die Verkleidung aufgewirbeltes Wasser auf der Straße vom Fahrer fern. Und noch etwas fällt im Zusammenhang mit dem Alltag auf. Irgendwann muss man auch mal rückwärts fahren.

Rundum gelungen: Die 500er Cectek lässt durchblicken, wohin die Reise geht.

Hat man den Dreh mit dem Drehschalter erst mal raus, nervt beim Zurücksetzen der früh einsetzende Begrenzer. Nur stotternd und ruckelnd lässt sich die Quadrift in die negative Richtung zwingen. Zum Glück haben die Ingenieure den Override-Knopf nicht vergessen, mit dem man den Begrenzer außer Kraft setzen kann. Die Benutzung ist zu empfehlen. Im Stadtverkehr gilt es feine Unterschiede zu einem normalen Quad zu beachten. Geringe Bodenfreiheit, schlagempfindliche Reifen und Felgen, da sollte jede Bordsteinüberfahrt gut überlegt sein. Dafür lässt die Quadrift sich dank geringem Wendekreis sehr gut rangieren. Parken kann die 500er überall. Die Parkstellung des Getriebes, eine hydraulische und eine mechanische Feststellbremse, sowie das integrierte Lenkradschloss erschweren ein unbeabsichtigtes Wegrollen erheblich. Gute Spiegel und ein abschließbarer Tankdeckel untersteichen die Alltagstauglichkeit noch. Das kann man auch von den Verbrauchswerten behaupten. Bei lässiger Fahrweise haben wir den Konsum auf etwa 6,5 Liter pro hundert Kilometer drücken können. Lässt man den Drifter richtig fliegen, ist bei 9,0 Litern das Maximum erreicht. Mit 19 Litern im Tank kann man schon eine ausgedehnte Tour fahren, ohne in Spritnot zu geraten.

Haftgrenze: Auch die Quadrift lupft schon mal die Räder, wenn es ganz eng wird.

Thrill-Faktor 7

Wie bei einer Achterbahn kann man den Nervenkitzel beschreiben, den die Quadrift verursacht. Auf einer Skala von 1 bis 10 geben wir der Cectek eine gute 7. Die wichtigsten Kriterien für eine aufregende Fahrt erfüllt sie ja. Optisch eine Versuchung, will man sofort Platz nehmen. Steile Auf- und Abfahrten, Links-Rechts-Kombinationen, Beschleunigung und abrupte Bremsmanöver, das hat die Quadrift drauf. Die Sicherheitsausstattung lässt keine Zweifel über die Zuverlässigkeit dieses Roller Coasters aufkommen. Der Preis für die Fahrkarte ist angemessen. Einen Looping oder den Dreh um die eigene Achse hat die Quadrift nicht drauf. Das natürlich nur im übertragenen Sinne. Vielleicht werkelt Cectek ja auch schon an einer noch aufregenderen Variante, mit mehr Hubraum und PS. Dann könnte der Thrill-Faktor 10 Wirklichkeit werden.

Abfahrbereit: Die Quadrift ist auch im Stand ein Hingucker.

Der Kniff mit dem Dreh

Cectek hat die Fahrstufenwahl völlig neu ausgelegt. Anstelle eines herkömmlichen Hebels, den man normalerweise vor und zurück bewegt, kommt an den Cectek Quads ein Drehschalter zum Einsatz. Bild 1 zeigt die Funktionsweise. Der Drehschalter bewegt zwei gegenläufige Seilzüge, die zum Getriebe führen (Bild 2). Dort wird die Zugbewegung in eine Drehrichtung umgesetzt, die im Getriebe die jeweilige Fahrstufe einlegt. In der Abdeckung des Getriebeeingangs ist noch die Elektrik integriert, die über Eingangswelle (rote Schraube) den jeweils eingelegten Gang an das Tachodisplay weitergibt. Allerdings ist der Weg der Züge recht lang und konstruktiv nicht gerade. Möglicherweise liegen die Gründe für die teilweise schwer bedienbare Schaltung darin verborgen.

 

Text: Frank Meyer

Fotos: Birgit Meyer, Frank Meyer

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