„Motorräder“ Dortmund

Jubiläums-Messe Dortmund

„Man sieht sich“ heißt es Anfang März wieder zur Dortmunder Motorradmesse. In diesem Jahr gibt es nicht nur die Neuheiten von über 450 Ausstellern. Die größte jährlich in Deutschland stattfindende Motorradmesse feiert ihr dreißigjähriges Jubiläum.

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Seit 1985 ist die Veranstaltung für Motorradbegeisterte ein fester Termin zum Start in die neue Saison. Jeweils Anfang März, in diesem Jahr vom 5. bis zum 8. 3., zeigen dort Hersteller, Zubehörspezialisten, Bekleidungsausrüster, Clubs und Reiseanbieter ihre Neuheiten.

Zum Jubiläum haben die Veranstalter um Thomas Deitenbach und Hans-Jürgen Weigt einige Bonbons vorbereitet. Eine Sonderschau mit Bikes der 80er Jahre steht im Foyer zwischen den Messehallen Drei und Vier. Klassiker aus den „Gründerjahren“ wie die BMW Dakar, Moto Guzzi LeMans IV oder Suzuki GSX R 750 parken dort. Die Oldie-Show in Halle 7 macht Dreizylinder wie Kawasaki 750 H2, Yamaha XS, Laverda 1000 3C und Triumph Trident zum Thema. Auf die MOTORRAD-Bühne in Halle 3 erzählen prominente Zeitzeugen aus den drei Messejahrzehnten und von den Erlebnissen mit ihren Maschinen.

Am Eingang zur Halle 5, dem Reisecenter der Messe, werden Videoclips von ausgewählten Motorrad-Zielen gezeigt, darunter auch historische Aufnahmen.

BMW K1 89

Für Besucher, die eine Maschine fahren, die 1985 zum ersten Mal zugelassen wurde, gibt es ein besonderes Bonbon: Bei Vorlage eines gültigen Fahrzeugscheins an der Messe-Kasse erhalten sie fünf Euro Rabatt.

Die Dortmunder Motorradmesse wird neben den Aktionen zum Jubiläum wieder ein vielfältiges Programm rund ums motorisierte Zweirad bieten.  In Halle 3 zeigt die Monster-Trial-Show mehrmals täglich Motorradaction. Auf der Bühne werden die neuesten Modelle und aktuelle Mode präsentiert.

In Halle 5 wartet die Reisebühne, wo auch Bikes gezeigt werden, die tatsächlich schon auf der ganzen Welt unterwegs waren. In der Technik-Halle 6 wird Bike-Building live demonstriert. Da sieht man, wie viele Schrauben in einer modernen Maschine stecken. Halle 7 zeigt wieder jede Menge historische Maschinen, Gebrauchtangebote und die schön restaurierten Klassiker der Markenclubs und Oldtimerfreunde.

Im Innenhof ist der Biker-Treff eingerichtet. Da können auch die akrobatischen Fahrkünste in der Stahlkugel bewundert werden. Wer nach all der Action und den Neuheiten der Aussteller in den Messehallen noch mehr Zweiräder sehen möchte, der kann noch einmal über den Motorradparkplatz vor den Hallen schlendern. Da dürfen Besucher ihr Bike kostenlos parken und mancher nutzt das, um seine Gebrauchte zum Verkauf anzubieten. Interessante An- und Umbauten lassen sich unter den vielen hundert Maschinen ebenfalls ausmachen.

Die MOTORRÄDER 2015 ist von Donnerstag, dem 5. März, bis Sonntag, dem 8. März täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Freitags sogar bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 14 Euro, Auszubildende erhalten zwei Euro Ermäßigung. Ab 16 Uhr gibt es eine ermäßigte Abendkarte für 10 Euro. Jugendlich bis 15 Jahren haben freien Eintritt. Motorräder parken vor dem Haupteingang (Anfahrt über die B 1) kostenlos.

Flip MoDo

Die Messegeschichte:

Dortmund ist die älteste und größte Motorrad-Frühjahrsmesse in Europa. Fast 500 Aussteller sind in diesem Jahr in fünf Messehallen dabei. Die neuesten Modelle, Bekleidung. Helme, Zubehör, Reiseangebote und Dienstleistungen für Roller- und Motorradfahrer und solche die es werden wollen zeigt die Messe. Vor dreißig Jahren begann alles viel kleiner. Auf 5000 Quadratmetern in zwei kleinen Messehallen. Weil eine Halle nur zur Hälfte mit Ständen gefüllt war, machten die beiden Organisatoren Hans-Jürgen Weigt und Volker Heimann aus der freien Hälfte eine Konzerthalle und engagierten fünf Bands, die von Mittwoch bis Sonntag jeweils für einen lauten Nachmittags sorgten. Bands wie die Conditors und Zoff waren damals in der Region recht populär.

Über 30.000 Zweiradfans kamen zur Messe, guckten sich aber lieber die Motorräder an, statt länger vor der Bühne zu stehen. Dafür lies eine schottische Coverband schon am zweiten Tag sämtliche Biervorräte verschwinden, die eigentlich fünf Tage lang für Musiker und das Veranstaltungsteam reichen sollten.

Das war aber nicht der Grund, warum die Bands im zweiten Messejahr von der Bühne verschwanden. Der Kaufmann Volker Heimann kümmerte sich um neue Aussteller, die vom Erfolg der Premiere angelockt wurden. Hans-Jürgen Weigt, damals noch Student der Journalistik und Geographie, richtete das Konzept der Messe konsequent auf aktive Motorradfahrer aus. Statt Musikern kamen Sportstars wie Gaston Rahier und Martin Wimmer.

Nach dem erfolgreichen Beginn wurde der Werbeetat für die folgenden Jahren kräftig aufgestockt. Dennoch war der Erfolg kaum vorhersehbar. „1986 sanken die Neuzulassungen auf den tiefsten Stand seit den frühen siebziger Jahren. Hätten wir einen Businessplan für unsere Idee machen müssen, wäre das Projekt wohl gar nicht erst gestartet,“ resümiert Hans-Jürgen Weigt.

So aber zeigte sich, daß die Idee der Frühjahrsmesse als Saisonauftakt in der Motorradszene beste Resonanz fand. Schon 1988 kam mit Suzuki der erste Hersteller mit einem eigenen Stand nach Dortmund. Und der stete Anstieg der Besucherzahlen zeigte das wieder wachsende Interesse am Thema Motorrad, das einige Jahre später zum Zulassungsboom der Neunziger Jahre führen sollte. Der Zusammenhang zwischen dem Messebesuch in Dortmund und Kaufabsichten der Motorradfans wurde sogar Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung.

1990, kurz nach dem Mauerfall, folgte die Nationale Volksarmee der DDR einer Einladung der Messeveranstalter, ihre Zweiräder doch mal den Motorradfahrern in der alten Bundesrepublik zu zeigen. Ein Kamaz-Lastwagen brachte drei olivgrüne MZ´s und einige Simson Schwalben in Militärausführung nach Dortmund. Bis heute ist die Dortmunder Messe die einzige Ausstellung im Westen, auf der die NVA als Aussteller vertreten war. Dieser „Weltrekord“ dürfte noch einige Zeit halten.

DDR 90

Im selben Jahr wurde während der Messe die Gründung des Industrieverbandes Motorrad besprochen, der seitdem die Interessen der Motorradbranche vertritt. In den neunziger Jahren gingen die Motorradverkäufe durch die Decke. Die Zahl der zugelassenen Maschinen stieg zum Ende des Jahrzehnts auf 3,4 Millionen, dazu kamen noch über 1,7 Millionen  Mofas und Mopeds. Mit dem Boom stiegen auch die Aussteller- und Besucherzahlen in Dortmund. Immer wieder bauten die Westfalenhallen die Ausstellungsfläche aus, so dass die rasch wachsende Messe ausreichend Platz fand. Zuletzt kam zur Fußballweltmeisterschaft  2006 eine moderne Ausstellungshalle hinzu. Mit dem Ausbau der Stadionkapazitäten von Borussia Dortmund wurde auch die Infrastruktur der Hallen laufend verbessert, neue Parkplätze und Autobahnzufahrten entstanden, die Staus auf den Zufahrten und in den Hallen wurden seltener.

Seit 1996 gibt es nach dem Vorbild der Dortmunder Messe eine Schwesterveranstaltung in Leipzig. So wie Dortmund stets am ersten Märzwochenende stattfindet, hat die Leipziger Messe Anfang Februar ihren festen Termin.

Die Beruhigung des Motorradmarktes spiegelte die Dortmunder Messe ebenso wieder wie den Boom. Die Ausstellerzahlen wuchsen langsamer, die Besucherzahl rutschte wieder auf unter 100.000 ab. Trotzdem erfindet sich die Messe immer wieder neu. „Heute spielen Event-Elemente eine wichtige Rolle“, erläutert Thomas Deitenbach, der für den Showteil der Messe verantwortlich ist. Sonderausstellungen mit Sportmaschinen und Klassikern ergänzen das kommerzielle Messeprogramm. Ein wichtiger Punkt ist dennoch geblieben, wie Hans-Jürgen Weigt betont: . „Die Westfalenhallen sind seit 1985 Anfang März der Treffpunkt der Motorradfans. Für sie ist der Start in die neue Saison eine wichtige Orientierung in der Vielfalt der Motorradlandschaft.“ Die persönliche Kommunikationsebene ist auch im Zweitalter digitaler Medien nicht zu ersetzen. Das ist vielleicht das wahre Geheimnis des Erfolges der Dortmunder und Leipziger Messen: Man sieht sich!

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