Unterwegs – Hoch hinaus!

In neun Tagen unterwegs auf über 30 Pässen und den höchsten legal befahrbaren Wegen der Alpen. Die große Tour der Quad Rowdies Baden war 2014 ein echtes Highlight.

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Nach der Tour durch die Alpen in 2012 (Quadwelt berichtete), auf der wir Quad Rowdies Baden bereits einige der höchst gelegenen, befahrbaren Punkte der Alpen besucht haben, stand für uns schnell fest – wir wollen noch höher hinaus! Ebenso sollte der Offroad-Anteil auch nicht zu kurz kommen, damit die ATV`s auch in angedachter Weise genutzt werden. Unser Augenmerk fiel somit auf die Westalpen und das italienische Piemont, das noch eines der letzten Enduroparadiese in Mitteleuropa ist. Auch stand wieder fest, die gesamte Tour soll auf eigener Achse stattfinden. Nach einer mehr als einjährigen Planungsphase ging es dann am 15.08.2014 endlich mit fünf ATV und einem Buggy los.

Um die doch recht hohen Unterkunftskosten in der Schweiz zu minimieren und somit nur eine Übernachtung in der Schweiz zu haben, führte uns die erste Tagesetappe ca. 160 Kilometer von Offenburg im schönen Baden, quer durch den Schwarzwald nach Waldshut-Tiengen an die Schweizer Grenze. Vorbei an Deutschlands höchstem Wasserfall in Triberg, dem Titisee und dem Schluchsee, war somit bereits die erste Etappe ein landschaftlicher und fahrerischer Hochgenuss.

Am zweiten Tag ging es recht früh auf Tour, um die eingeplanten 250 Kilometer zu bewältigen und rechtzeitig eine Unterkunft zu finden. Durch das Schweizer Alpenvorland fuhren wir vorbei am Zuger See, sowie dem Vierwaldstätter See und weiter in die immer markanter werdende Alpenlandschaft.

Auf dem Anstieg zum Gotthard Pass, den wir erst später am Tag bewältigen wollten, bogen wir vorher ab auf den Sustenpass mit einer Passhöhe von 2264 Metern. Bei einer Pause auf halber Strecke nach oben warnte uns ein einheimischer Wanderer, dass auf dem Pass mit Schnee zu rechnen wäre. Zur Sicherheit haben wir gleich die Regenkombi angezogen. Tatsächlich kamen wir dann in den Genuss von leichtem Schneefall mitten im August, was in den Alpen immer blitzartig möglich ist. Auf der anderen Seite hinab in Richtung Innertkirchen wurde das Wetter aber schnell wieder freundlicher.

Am Fuße des Sustenpass angekommen, führte uns unsere Tour weiter über den Grimselpass mit 2165 Metern und einem herrlichen Stausee an dessen Spitze. Hier wurde erst einmal Pause gemacht und bei einem der Bergbauern regionale Köstlichkeiten wie Käse, Speck und Brot verkostet. Gut gestärkt fuhren wir dann auf der anderen Seite hinab und gleich zur Linken auf der Furkastraße den Furkapass mit 2436 Metern hinauf, wo wir dem Rhonegletscher einen Besuch abstatteten. Mit der Abfahrt in Richtung Andermatt, wo wir zum Glück eine akzeptable Unterkunft fanden, endete dann auch die Tagesetappe bei einem geselligen Abend.

Am dritten Tag der Tour standen 270 Kilometer zur Bewältigung an. Von Andermatt führte unser Weg hinauf auf den Gotthard mit 2106 Meter. Für die Südabfahrt nach Airolo hatten wir uns für die Tremolastraße entschieden. Die uralte, vermutlich aus dem Mittelalter stammende und gepflasterte Passstraße können wir nur jedem empfehlen. Sie ist sicherlich eine der schönsten Passstraßen der Alpen. Direkt von Airolo führte unsere Reise weiter über den Nufenenpass, wo wir auf der Passhöhe in 2478 Metern ein herrliches Alpenpanorama genießen konnten, bevor es auf der anderen Seite hinab und zurück auf die Furkastraße ging. Nun stand talabwärts erstmal eine längere Verbindungsstrecke an, die uns vorbei am Matterhorn und in Richtung Martigny in den kleinen Ort Saxon brachte.

Hier hatten wir bei der Planung der Tour eine kleine Abkürzung erspäht, die sich in zahlreichen Serpentinen über den Berg Col du Lein windet. Seine „nur“ 1623 Meter schrauben sich durch das idyllische Örtchen zum Teil an einer Felswand nach oben und geben die Sicht ins Tal fast aus Flugzeugperspektive frei. Die letzten Kilometer fährt man dann auf einer unbefestigten Straße über den Pass und wieder hinab ins Tal, von wo direkt der letzte Pass dieses Tages erklommen wurde – der große St. Bernhard mit einer Passhöhe von 2469 Metern. Nach dem obligatorischen Stopp auf der Passhöhe und dem überschreiten der Grenze nach Italien, endete unsere Tagestour in Aosta bei italienischen Leckereien und luftgetrockneter Salami und Schinken.

Der vierte Tag der Reise brachte uns von Aosta bis zum Fuße des Mont Blanc und über den kleinen St. Bernhard (2188 Meter) nach Frankreich in die Savoye, von wo wir auf den höchsten überfahrbaren Pass Europas, den Col d`Iseran mit seinen 2770 Metern aufstiegen. Die Auffahrt von Norden her lässt nicht schwindelfreien die Beine zu Pudding werden. Beißt man auf die Zähne, wird man aber durch einen herrlichen Ausblick auf der Passhöhe belohnt. Talabwärts überquert man dann den Col du Madeleine, der zwar mit den angegebenen ca. 1700 Metern Höhe nicht zu den kleinsten Pässen gehört, jedoch lediglich ein kleiner Hügel auf der Abfahrt vom mächtigen Col d`Iseran ist und deshalb kaum wahrgenommen wird.

Die zur Sicherheit installierten Reservekanister retteten uns in Lanslebourg Mont Cenis dann den Tag, nachdem an der örtlichen Tanke nur noch Diesel zu haben war und noch einige Kilometer bis zur nächsten Spritquelle vor uns lagen. Mit den aufgefüllten Zehn Litern Sprit je Fahrzeug wagten wir uns den Col du Mont Cenis hinauf auf 2083 Meter, wo wir entlang des Stausees Lac du Mont Cenis die Grenze von Frankreich nach Italien passierten. Nach einer serpentinenreichen Abfahrt beendeten wir die Tagesetappe in Susa, wo uns ein dreitägiger Aufenthalt bevorstand.

Tag fünf der Reise brachte uns zu einem der Höhepunkte der Tour, der Assietta Kammstraße. Ein altes, grob geschottertes Militärsträßchen, das auf ca. 35 Kilometern in einer Höhe von 2000 – 2500 Metern über insgesamt fünf Pässe führt (Colle delle Finestre 2178 m, Colle dell Assietta 2472 m, Colle Lauson 2497 m, Colle Blegier 2381 m, Colle Bourget 2299 m, Colle Basset 2424 m und der Colle di Sestriere 2035 m). Nach einem herrlichen Frühstück fuhren wir die Nordauffahrt über Meana di Susa auf den Colle delle Finestre, was wir jedem nur ans Herz legen können, der die Assietta besuchen kommt. Die Auffahrt schlängelt sich im unteren noch asphaltierten Bereich mit Spitzkehren hinauf, die nur wenige Meter auseinander liegen.

In unserem Fall war vom Morgentau noch die Straße feucht, weshalb dies mit den ATVs einem lustigen Karussell fahren gleich kam – wir fuhren quer und tanzten durch die Kurven. Nach den letzten Höhenmetern auf bereits geschotterten Wegen, erreichten wir die Passhöhe auf der ein Militärfort zu besichtigen ist. Danach führt uns die Assietta entlang an Steilhängen, über Hochplateaus und an Felsabhängen durch den Nationalpark Grand Bosco du Salbertrand. Herrliche Landschaften und felsige Wege lassen hier das ATV-Fahrer-Herz höher schlagen, wobei sich auch unser Straßenbuggy sehr gut verkauft hat. Auf der Assietta trifft man immer wieder Offroad-Begeisterte natürlich auch mit Quads, die international die neuesten Streckenzustände mitteilen. Hier erhalten wir auch die Tipps, im Nationalpark nicht von der Strecke abzuweichen oder Serpentinen abzukürzen, dies kann mit Bußgeldern im vierstelligen Bereich enden! Die ca. 35 Kilometer der Kammstraße sind nur langsam befahrbar und zeitweise sind auch nur 15 Km/h gestattet, weshalb man einige Stunden für die Strecke einplanen muss. Den Rückweg haben wir dann wieder auf eine asphaltierte Straße gelegt. In Susa haben wir nach einer warmen Dusche den Abend bei Pasta und Meeresfrüchte ausklingen lassen.

Der Mittwoch und sechster Tag der Reise brachte uns zu zwei weiteren Highlights der Tour. Der Mont Jafferau, der unter Enduristen sehr bekannt ist, sowie den höchsten überhaupt legal befahrbaren Punkt der Alpen, den Colle du Sommeiller mit 3005 Metern. Wer auf den Mont Jafferau will, sollte sich im Internet vorher gut einlesen und möglichst vor Ort über den Streckenzustand erkundigen, da hier oft wegen starker Ausspülungen und Abgänge Sperrungen bestehen. Wer ihn befahren kann, wird sicherlich jedoch ein Erlebnis der besonderen Art in Erinnerung behalten können. Nach dem Abstieg vom Mont Jafferau machte sich unser Trupp von Bardoneccia auf zur Besteigung des Colle du Sommeiller. Durch das idyllische Tal Rochemolles steigt die Strecke von Hochplateau zu Hochplateau auf bis zum Rifugio Scarfiotti auf 2156 Metern. Dort locken Wasserfälle und Gletscherflüsse zur Ansicht. Bis hier ist die Strecke im Sommer grundsätzlich immer befahrbar, die weitere, steil ansteigende Strecke kann jedoch auch in den Sommermonaten von Schneefeldern versperrt sein. In unserem Fall war die immer karger und felsiger werdende Landschaft bis zum höchsten Punkt auf 3005 Metern befahrbar. Hier ist für Fahrzeuge kein weiterkommen möglich, jedoch konnten wir auch per Pedes noch den sogenannten Fahnenhügel bei ca. 3060 Metern Höhe erklimmen. Selbst bei strahlendblauem Himmel wird hier jedoch die Luft dünn und die Ohren werden steif im eisigen Wind. Während der Abfahrt genossen wir nochmal die herrliche Aussicht und die Landschaft, bevor es zurück zum Hotel in Susa ging.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Susa. Die Tour führte uns noch ein kleines Stück weiter gen Süden über den Col de Montgenèvre (1854 Meter) zurück nach Frankreich und zum Festtungsort Briancon, der gleichzeitig auch der südlichste Punkt unserer Tour war. Von hier aus machten wir uns nun auf die mehrtägige Heimreise auf der Route des Grandes Alpes, die vom Mittelmeer bis an den Genfersee reicht. Teile der Strecke dienen auch als Etappen der Tour de France. Über den Col du Lautaret (2057 Meter) fuhren wir weiter zum Col du Galibier (2642 Meter) der ebenfalls einer der höchsten Alpenpässe ist. Mit seiner Überquerung haben wir zusammen mit der Alpentour von 2012 insgesamt sieben der zehn höchsten Alpenpässe befahren.

Der folgende Col du Telegraph (1566 Meter) ist zumindest von der Südanfahrt nichts besonderes mehr für uns, die Nordabfahrt führt jedoch mit zahlreichen Kurven steil hinunter ins Tal. Über mehrere kleinere, nicht weiter nennenswerte Pässe, führt uns die Tour weiter zu einem alten Bekannten, dem Col d`Iseran mit seinen 2770 Metern (zur Erinnerung: höchster überfahrbarer Pass Europas) welchen wir noch ein weiteres mal überqueren durften. Bergab und mitten durch das Skigebiet Val d`Isere schlängelte sich die Route du Grande Alpes hinab bis Bourg-Saint-Maurice, wo wir unsere nächste Übernachtung und ein herrliches, regionales Käsefondue genossen.

Am Morgen waren wir von dem schönen Ort noch so verzaubert, dass wir durchaus überlegten den für Notfälle reservierten zehnten Tag als einen fahrfreien Tag in Bourg-Saint-Maurice zu verbringen. Das Heimweh und die noch zu bewältigende Strecke wischten den Gedanken jedoch schnell wieder aus unseren Köpfen. Weiter ging es also auf der Route des Grandes Alpes in Richtung Norden mit einer Tagesetappe von 240 Kilometern. Die höchsten Pässe hatten wir hinter uns gelassen, jedoch galt es an diesem Tage knapp zehn der kleineren Pässe zu befahren, was mehr Zeit in Anspruch nahm als wir dachten. Wir können nur jedem empfehlen, die beschriebenen Pässe, Landschaften und Hochalpenstraßen zu befahren, solange dies noch möglich ist. Denn jährlich werden immer mehr Strecken gesperrt. Wer mehr Zeit investieren kann und möchte, dem empfehlen wir noch einen Abstecher weiter südlich zum Colle de la Bonnette, (2715 Meter, bzw. über die Schleife auch knapp über 2800 Meter) sowie in die Provence zur Verdonschlucht (Grand Canyon du Verdon).

Wir Quad Rowdies Baden haben mit unserer zweiten Hochalpentour erst einmal von Höhe genug. Unser nächstes Abenteuer wird uns sicherlich in ganz andere Gefilde verschlagen. Eine Idee hierzu ist bereits geboren. 2016 gehen wir wieder gemeinsam „on Tour“! Wohin wird noch nicht verraten, wir werden aber sicherlich wieder in der Quadwelt davon berichten. Wie immer bekommt Ihr weitere Infos sowie GPS Dateien zur Tour in unserem Forum unter www.quad-rowdies-baden.de, sowie beim Autor Patric „Mad Dog“ Vogt (webmaster@quad-rowdies-baden.de)

Viele weitere faszinierende Fotos der Alpen-Tour zeigen wir Euch in einer Galerie auf unserer Facebook-Seite

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