Polaris Ranger 900

Neuer Ranger im Praxistest

Der Polaris Ranger 900 XP ist das neue Flaggschiff in der Side-By-Side-Flotte des amerikanischen Herstellers. Wir haben den Neuen gleich mal ran genommen und ein paar Dinge erledigt. Ganz praktisch.

Nicht nur optisch hat sich einiges getan. Die Front des 990ers wurde dem Erscheinungsbild des RZR angeglichen und hat nun eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Sportmodell. Der Ranger 900 XP leistet 60 PS und aus 875 ccm. Die Fakten lassen uns schon mal gespannt sein. Doch Zahlen interessieren uns meist nur wenig, wir wollen selber fahren und sehen was der Ranger zu bieten hat. Denn bereits vor einigen Jahren hatten wir die Möglichkeit einen Ranger 400 im geplanten Einsatz zu testen. Mittlerweile ist die Ranger Familie stetig gewachsen und bietet für nahezu jeden Einsatzzweck das passende Fahrzeug.

Zum Streckendienst eingeteilt

Der MSC Bauschheim veranstaltet sein alljährliches Enduromeeting. Dieses Event wollen wir nutzen um den Ranger auf Herz und Nieren zu testen. Gleichzeitig wollen wir sehen ob sich ein solches Fahrzeug auch für einen Motorsportverein rechnen würde. Langsam lassen wir es angehen und drehen erst einmal ein paar Runden über die Strecke. Dank Allradantrieb und L-Gang lassen sich auch steile Auffahrten und schlammige Passagen meistern.

Der Allradmodus lässt sich im Stillstand per Kippschalter einschalten, ebenso der Heckantrieb und der Turfmodus. Letzterer treibt lediglich ein Hinterrad an und verhindert so bei engen Kurvenfahrten Beschädigungen auf dem Boden. Golfplatzbesitzer zum Beispiel dürften darüber begeistert sein. Die serienmäßig montierten Carlisle Reifen kommen aber bei matschigem Untergrund dann doch recht schnell an Ihre Grenzen und drehen schon mal durch. Besonders bei Bergabfahrten kommen wir das eine oder andere Mal quer und wir wünschen uns grobstolligere Reifen.

Nachdem wir uns an das Fahrzeug gewöhnt haben fahren wir noch ein paar zügigere Runden und merken schnell – das Arbeitstier kann auch Spaß machen. Aber für seinen zugedachten Zweck ist das von uns getestete Fahrzeug optimiert worden. So verfügt es über eine geschlossene Kabine mit Türen, Windschutzscheibe und eine Heckscheibe. Alle Komponenten lassen sich dank Schnellverschlüssen je nach Witterung und Arbeitsauftrag schnell an- oder abrüsten. Lediglich für die Dämpferstangen der Türen wird ein Schraubenschlüssel benötigt. Da das Wetter sehr heiß war und wir das Fahrzeug zum Arbeiten nutzen wollten, also ständig ein- und aussteigen müssen, entschieden wir uns dazu, die Türen und die Heckscheibe zu entfernen. Selbst ungeübte Fahrer kommen schnell mit dem Fahrzeug zurecht. Selbst unerfahrene Mitglieder des Vereins sind nicht überfordert und kommen schnell mit der Bedienung zurecht. Allerdings lässt sich das Gaspedal nicht ganz so leicht dosieren wie wir es und gewünscht hätten. So mancher Satz nach vorne ließ sich leider nicht gänzlich verhindern.

Und so weiter

Wenn wir schon einmal bei Polaris sind um den Ranger zu holen, nehmen wir auch gleich noch einen Scrambler mit. Kommt gut, dann können wir gleich was zur Zugleistung sagen. Also aufgeladen, Anhänger an den Ranger und los geht es. Auf der Landtrasse zieht der Ranger mächtig an und hat keinerlei Probleme mit den gut 450 kg am Haken. Beim Bremsen lassen wir es sicherheitshalber etwas langsamer angehen und merken, dass der Anhänger mit der Scrambler ordentlich drückt. Trotzdem macht sich das Verzögerungstechnisch nicht bemerkbar und man kommt stets rechtzeitig zum Stehen. Die Stopper beißen ordentlich zu. Ohne Probleme können wir im Verkehr mitschwimmen. 80 km/h sind ordentlich.

Ohne Anhänger muss man schon vorsichtig mit dem Gaspedal umgehen. Die 900 ccm schieben mächtig nach vorne. Laut Tacho sind 90 km/h locker drin. Lediglich in Kurven sollte man es etwas gemächlicher angehen lassen, da die Reifen doch ordentlich nachlassen und der Ranger über die Vorderräder schiebt. Auch die Neigung wird bedenklich. Ist eigentlich ja auch keine Wunder, denn der Ranger ist zum Arbeiten konzipiert. Also beladen wir die Ladefläche, welche kippbar ist, mit diversem Werkzeug und fahren entlang der Strecke um letzte Arbeiten an der Bewässerungsanlage vorzunehmen. Hier ist der Ranger in seinem Element. Quer über die Piste, rein in den Wald, nichts hält ihn auf und unser Werkzeug ist immer parat. Eine echte Arbeitserleichterung.

Später am Nachmittag wollen wir dann anfangen unsere Strecke abzustecken. Hierzu laden wir allerhand Holzpflöcke, Flatterband, Sackleinen und Vorschlaghämmer auf. In der Vergangenheit mussten wir solche Arbeiten immer mit mehreren Schubkarren oder unserem Radlader durchführen. Durch den Ranger sparen wir viel Zeit und können diese Arbeiten in der Hälfte der Zeit erledigen. Während der Rangerfahrer langsam um die Strecke fährt um die Pflöcke dorthin zu legen, wo wir sie brauchen, können die Helfer diese in den Boden einschlagen. An den Stellen, an denen der Boden so verdichtet ist, das wir nicht in den schlagen können kommen, laden wir einen Stromerzeuger auf die Ladefläche und können so eine Bohrmaschine betreiben – Klasse!

Während der Veranstaltung nutzen wir den Ranger als Streckenfahrzeug und können so immer Werkzeug und Ersatzpflöcke mitführen. Auch das spart massig Zeit und wir können immer schnell vor Ort sein um notwenige Reparaturen an der Strecke durchführen. Nach einer ganzen Woche im Arbeitseinsatz hat sich natürlich viel Dreck angesammelt und wir fahren zu unserem Waschplatz um den Ranger sauber zu machen. Der Innenraum lässt sich ohne Probleme mit einem Wasserschlauch reinigen, die Bedienelemente sind alle wasserfest und vertragen eine Dusche. Ansonsten dauert das reinigen sehr lange, da man an einige Ecken nicht sehr gut heran kommt. Hier ist gründliches arbeiten gefragt um den Ranger wieder sauber zu bekommen.

Der Ranger ist ein echtes Arbeitstier, aber auch der „Funfaktor“ kommt nicht zu kurz. Einfache Bedienelemente, robustes Material und solide Verarbeitung lassen kaum Wünsche offen. Durch zahlreiche Ablagemöglichkeiten im Cockpit und unter den Sitzen lässt sich auch allerhand Kleinkram verstauen. Auch die als Zubehör lieferbare Kabine ist ein sinnvolles Feature. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten bei der Jagd, Einsatz bei Kommunen oder aber bei Motorsportvereinen sprechen eine deutliche Sprache. Heute sind die Side-by-Side Fahrzeuge nicht mehr wegzudenken.

Die Leistung kann voll überzeugen und ist stets ausreichend. Nur die serienmäßigen Reifen können uns nicht überzeugen. Für einen Motorsportverein wäre so ein Ranger eine echte Arbeitserleichterung und könnte den Fuhrpark, auch aufgrund der zahlreichen Anbaugeräte die es mittlerweile auf dem Markt gibt, sinnvoll ergänzen. Einziger Wehrmutstropfen ist der Preis, denn geschenkt gibt es den Ranger 900 XP leider nicht. 18.090 Euro müssen mindestens auf dem Tisch liegen für einen Besitzerwechsel. Ansonsten können wir nur sagen – getestet und für gut befunden!

Text und Fotos: Erik Pohl

 

Technische Daten

Motor

• Motortyp 4-Takt SOHC 2-Zylinder

• Hubraum 875cc

• Gemischaufbereitung Elektronische Einspritzung

• Kühlung Flüssigkeitsgekühlt

Antriebseinheit

• Getriebe Automatik PVT P/R/N/L/H; Kardanwelle

• Antriebssystem Zuschaltbarer Allrad / VersaTrac Turf Mode

• Motorbremse / Bergabfahrhilfe – / –

Achs-Aufhängung

• Aufhängung vorne Dual A-Arm mit 25,4 cm Federweg

• Aufhängung hinten Dual A-Arm, Einzelradaufhängung IRS mit 25,4 cm Federweg

Bremsen

• Bremsen vorne/hinten hydraulische Scheibenbremsen

• Parkbremse Parkstellung im Getriebe

Reifen/Felgen

• Reifen vorne / Modell 25 x 10-12; 489

• Reifen hinten / Modell 25 x 11-12; 489

• Felgen Stahl

Abmessungen

• Radstand 206 cm

• Trockengewicht 618 kg (625 kg)

• Fahrzeugabmessung (LxBxH) 296 x 152 x 193 cm

• Bodenfreiheit 30,5 cm

• Sitzhöhe

• Tankinhalt 37,9 L

• Abmessungen Ladefläche (LxBxH) 93 x 137 x 29 cm

• Gepäckträger bzw. Box-Kapazität vorne/hinten N.A. / 454 kg

• Ladekapazität

• Max. Anhängelast 907 kg (Richtwert, für genaue Daten entsprechend Ihrer Zulassung berücksichtigen Sie die Angaben in Ihrem Fahrzeugschein.)

• Anhängerkupplung/Typ Standard / 2′ Aufnahme (Kugelkopf*) * bei LOF-Umbau durch Polaris

Merkmale

• Befestigungssystem Lock & Ride

• Instrumente Digitale Anzeige, Geschwindigkeitsanzeige, km-Zähler, Drehzahlanzeiger, Tages-km-Zähler, Fahrzeitanzeige, Uhr, Ganganzeige, Tankanzeige, Temperatur/Batterie-Warnanzeige, 12-V-Steckdose (2)

• Straßenzulassung ohne, EU-VKP, LOF

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